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Eine der Lösungen: Derby künftig im Happel-Stadion © APA (Oczeret)

Obwohl der Platzsturm im Hanappi-Stadion schon im Vorfeld des Wiener Fußball-Derbys absehbar war, zeigte sich die Clubspitze am

Obwohl der Platzsturm im Hanappi-Stadion schon im Vorfeld des Wiener Fußball-Derbys absehbar war, zeigte sich die Clubspitze am Sonntag vom Ausmaß der Gewalttätigkeiten schockiert. Man werde gegen die Übeltäter rigoros vorgehen, lautete der Tenor der Hütteldorfer Führungsriege. Gleichzeitig verwehrte man sich gegen eine Pauschalverurteilung der grün-weißen Anhänger.

Clubservice-Leiter Andreas Marek, der seit Jahren in engem Kontakt mit den Fans steht, gab sich nach den beschämenden Vorfällen zerknirscht. "Wir haben uns bisher immer mit der besten Fan-Arbeit gerühmt. Scheinbar war es aber nicht die beste", sagte der Niederösterreicher. Sein Verein hat offensichtlich mit einer veränderten Struktur der grün-weißen Fan-Szene zu kämpfen. "Wir haben neue Gruppierungen bei uns, die machen uns das Leben schwer. Das ist eine Situation, mit der wir noch nicht umgehen können", erklärte Marek und gab zu: "Im Moment weiß ich nicht genau, wie es weitergehen soll."

Noch am Sonntagabend stellte Rapid seinen "Problem-Fans" via Pressemitteilung die Rute ins Fenster. "Dieser rabenschwarze Tag bringt mit sich, dass ab der neuen Saison in Sachen Fanpolitik des Vereins ein neuer Weg eingeschlagen wird, damit solche Vorfälle in Zukunft verhindert werden können."

Wie der neue Weg aussehen soll, ließ Marek aber vorerst offen. "Wenn ich sagen würde, wir müssen komplett umdenken, müssen wir auch sagen, was wir in der Vergangenheit erreicht haben", meinte er in Anspielung auf die stark gestiegenen Zuschauerzahlen in den vergangenen Jahren. "Tatsache ist, dass wir in den letzten Jahren sehr viele schöne Erlebnisse mit unseren Fans hatten. Aber heute ist etwas passiert, was wir uns nie vorgestellt hätten, dass es passiert."

Einige der Randalierer sind Marek persönlich bekannt. "Natürlich kenne ich viele von ihnen. Da geht es um unheimlich frustrierte Leute. Das wird es immer geben, dass die Leute Dampf ablassen. Aber heute ist eine Grenze überschritten worden." Ein Versagen in der Fan-Arbeit wollte sich der 48-Jährige nicht vorwerfen lassen. "Jetzt werden wieder alle kommen und sagen, wir haben zu viel durchgehen lassen. Es ist leicht, auf jemanden hinzutreten, wenn er am Boden liegt", sagte der Clubservice-Leiter, dessen Verein in den vergangenen Wochen vier Stadionverbote wegen Verstöße gegen das Pyrotechnik-Gesetz ausgesprochen hatte. "Aber was heute passiert ist, ist eine andere Liga", betonte Marek.

Deswegen will Präsident Rudolf Edlinger mit aller Härte gegen die Randalierer vorgehen. "Die Rädelsführer werden das Hanappi-Stadion nicht mehr von innen sehen. Wir haben viele identifiziert, gegen die wird vorgegangen", kündigte der ehemalige Finanzminister an und sprach von unentschuldbaren und erschütterten Ereignissen. "Mit Fußball-Fantum hat das nichts zu tun, wenn man vermummt im Stadion ist." Der 71-Jährige wollte jedoch nicht alle Schlachtenbummler über einen Kamm scheren. "95 Prozent der Fans auf der Westtribüne sind obengeblieben."

Den Ankündigungen des Platzsturms in diversen Internet-Foren hatte Edlinger offenbar keinen allzu großen Glauben geschenkt. "Gerüchte gab es schon vor vielen Spielen. Drohung ist das eine, Realisierung das andere." Von Clubseite sei im Derby-Vorfeld alles unternommen worden, um die Sicherheit zu gewährleisten. "Ich weiß nicht, was wir uns vorwerfen können. Wir haben alles getan, was wir im Vorfeld machen konnten, hatten eine entsprechende Zahl von Sicherheitskräften."

Edlinger kann sich nun auf harte Sanktionen der Bundesliga wie etwa eine hohe Geldstrafe und Spiele hinter verschlossenen Stadiontoren gefasst machen. "Finanziell wird es verkraftbar sein, aber imagemäßig ist ein längerfristiger Schaden", meinte der Clubchef. "Vom Image her" sei es sein schlimmster Tag als Rapid-Chef gewesen.

Aufgrund der Ausschreitungen könnten die Wiener Derbys künftig ausschließlich im wesentlich leichter zu sichernden Happel-Stadion über die Bühne gehen. "In Zukunft wird's nur noch das Happel-Stadion geben", vermutete Marek. Edlinger könnte sich mit dieser Lösung anfreunden. "Wenn die Liga meint, das Derby ist ein Risikospiel, haben wir nichts dagegen, dieses Match nur noch im Happel-Stadion zu spielen."

Auch Austrias Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer rechnet für die Zukunft mit dem Happel-Oval als Derby-Austragungsstätte. "Dass diese Diskussion jetzt losgeht, ist logisch. Das kommt aber nicht von den Clubs, sondern von der Exekutive." Vonseiten der Polizei scheinen jedoch weitere Duelle zwischen Grün-Weiß und Violett im Hanappi-Stadion bzw. in der Generali Arena möglich. "Wir werden nicht darauf drängen, dass jedes Derby im Happel-Stadion gespielt werden muss. Das Hanappi-Stadion ist grundsätzlich ein sicheres Stadion, es kommt eben darauf an, wie sich die Fans verhalten", sagte Oberst Fritz Schwarz, der Einsatzleiter der Exekutive im Skandal-Derby.

Oberst Fritz Schwarz, Polizei-Einsatzleiter beim Skandal-Derby zwischen Rapid und Austria am Sonntag, nahm die Randale im Hanappi-Stadion mit ziemlicher Gelassenheit zur Kenntnis. Die rund 400 Beamten im Stadion seien aufgrund von Vorwarnungen auf ein derartiges Szenario gefasst gewesen und hätten den Einsatz gut bewältigt, resümierte Schwarz und verzichtete auf allzu heftige Kritik an den Fans. Vielmehr stellte er sogar weitere Derbys im Hanappi-Stadion in Aussicht.

"Wir werden nicht darauf drängen, dass jedes Match zwischen Rapid und Austria im Happel-Stadion gespielt wird. Das Hanappi-Stadion ist grundsätzlich ein sicheres Stadion. Es kommt eben darauf an, wie sich die Fans verhalten", betonte der Oberst.

Für Unmutsäußerungen von Anhängern hat Schwarz Verständnis, so lange sie in einem friedlichen Rahmen bleiben. "Wenn sich Fans artikulieren, ist das nichts Böses, das gehört zur Fußball-Kultur dazu. Aber es darf zu keiner Gewalt kommen", forderte der Exekutivbeamte, der seit 1999 bei Spielen im Hanappi-Stadion im Einsatz ist.

Rund 700 Polizisten waren am Sonntag rund um das Derby im Dienst. Sie sollten die Sicherheit im und rund ums Stadion gewährleisten, waren jedoch nicht dafür verantwortlich, welchen Personen Zutritt in die Arena gewährt wird. "Es gibt bekannte Störenfriede. Aber diese Leute nicht ins Stadion zu lassen, das kann nur Rapid machen", sagte Schwarz.

Während sich die grün-weiße Clubspitze ob der Ausschreitungen teilweise überrascht gab, wusste der Einsatzleiter schon vor dem Match, was ihm und seinen Kollegen möglicherweise bevorstehen könnte. "Es war für uns klar, dass es zu einem Platzsturm kommt, wenn Rapid schlecht spielt und der Rückstand groß ist. Aber wir hatten den Platzsturm gut im Griff."

Dennoch war eine Fortsetzung der Partie trotz eines Großaufgebots von 400 Beamten im Stadion nicht möglich. "Es war nicht absehbar, wie die Fans reagiert hätten, wenn die Austria ein weiteres Tor gemacht hätte", erklärte Schwarz. Zudem hätte es in der zweiten Hälfte das zusätzliche Problem gegeben, dass Austria-Goalie Heinz Lindner unmittelbar vor der Westtribüne postiert gewesen wäre. Deswegen schlug die Polizei laut Schwarz vor, auf einen Seitenwechsel zu verzichten, was jedoch von der Bundesliga abgelehnt wurde.

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