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Marek gesteht Schwächen in Rapids Fan-Arbeit ein © APA (Archiv/Fohringer)

In den beklemmenden Minuten während des Platzsturms von Rapid-Anhängern dominierten Knallkörper, Fan-Geschrei und

In den beklemmenden Minuten während des Platzsturms von Rapid-Anhängern dominierten Knallkörper, Fan-Geschrei und Polizei-Anweisungen die Geräuschkulisse des Hanappi-Stadions - von Andreas Marek war nichts zu hören. Der omnipräsente Clubservice-Leiter und Stadionsprecher versuchte auf dem Rasen letztlich erfolglos, die Randalierer zur Rückkehr auf die Tribüne zu bewegen.

Zum Mikrofon griff der Niederösterreicher erst wieder, als er die Absage des Spiels und damit letztlich auch sein persönliches Scheitern bekanntgeben musste. "Das ist für mich der schlimmste Augenblick in den 19 Jahren, in denen ich bei Rapid bin. Wir haben uns immer mit der besten Fan-Arbeit gerühmt, scheinbar war sie doch nicht die beste", gab der gezeichnete 48-Jährige danach zu Protokoll.

Bei Mareks Amtsantritt als Stadionsprecher lagen Rapids Zuschauerzahlen in einem Heimspiel bei wenigen tausend, mittlerweile besuchen im Schnitt über 15.000 Zuschauer ein Heimspiel der Grün-Weißen. Dazu gab es in der Gruppenphase der Champions League (2005) und der Europa League (2009, 2010) insgesamt neun Europacup-Spiele in einem ausverkauften Happel-Stadion, außerdem wurden die Grün-Weißen bei nationalen und internationalen Auswärtsspielen von zahlreichen Fans begleitet - im Dezember 2009 etwa machten sich über 7.000 von ihnen auf die Reise nach Hamburg.

Marek förderte die Bindung der Anhänger an den Verein, indem er durch das von ihm gegründete Clubservice ein "Rapid zum Anfassen" erschuf. Sein Einfluss innerhalb des Vereins wuchs, ebenso wie die Zahl der Fans und deren Identifikation mit dem Rekordmeister, mit allen positiven und negativen Begleiterscheinungen.

Aufgrund ihrer Choreographien und lautstarken Anfeuerungsrufe waren die Fans auf der Westtribüne gern gesehene Gäste, da wurde auch über so manche Verfehlung hinweggesehen. Vor allem Marek stellte sich stets hinter problematische Anhänger, so etwa nach dem 1:1 im Europa-League-Play-off gegen Aston Villa im vergangenen August. Damals wurde Villa-Spieler Andreas Weimann, ein Ex-Rapidler, von Randalierern bespuckt, mit Bier beschüttet und unflätig beschimpft, als er verletzt auf der Tragbahre lag.

Es folgte wie so oft bei ähnlichen Vorkommnissen eine halbherzige Entschuldigung des Vereins und eine Rechtfertigung des Clubservice-Leiters. "Fan-Arbeit ist kein Wunschkonzert. Man kann sich nicht wünschen, dass es im Stadion enthusiastisch zugeht und dann erwarten, dass bei so einer großen Menschenmenge nicht hin und wieder etwas passieren kann", sagte Marek damals.

Von Stadionverboten - wie es sie bei Rapid derzeit nur sechs gibt - hielt Marek zumindest bis zu den Sonntag-Ereignissen nichts. "Ich wehre mich strikt gegen jene, die Stadionverbote fordern und glauben, damit ist alles gelöst. Durch so etwas beginnt sich viel zu viel negative Energie in Bewegung zu setzen. Wir haben nichts davon, wenn ausgeschlossene Fans vor dem Stadion stehen und zu Märtyrern werden."

Mareks guter Draht zu den Fans trug in der Vergangenheit oft zur Deeskalation bei, mittlerweile aber dürfte seine Akzeptanz bei manchen Anhänger-Gruppen bröckeln. Die Hierarchien auf der Westtribüne sind nicht mehr so klar definiert wie noch vor einigen Monaten, wodurch das Fan-Verhalten unberechenbarer wird. "Wir haben neue Gruppierungen bei uns, die machen uns das Leben schwer. Das ist eine Situation, mit der wir noch nicht umgehen können", gab Marek zu.

Seine "Appeasement-Politik" hat sich spätestens seit den Derby-Randalen ad absurdum geführt. "Ich weiß im Moment auch nicht, wie es weitergeht", stammelte Marek wenige Minuten nach dem Abbruch. Rund zwei Stunden später ließ Rapid via Pressemitteilung wissen, dass ab kommender Saison "ein neuer Weg in Sachen Fan-Politik" eingeschlagen werde. Genauere Angaben dazu wurden nicht gemacht, auch nicht von Marek selbst, der am Montag vorerst nicht erreichbar war.

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