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Salkic könnte Sturm zum Titel verholfen haben © APA (Pessenlehner)

Edin Salkic könnte zum Meistermacher von Sturm Graz avancieren. Mit einem kuriosen Handspiel hat der Offensivspieler von Wiener

Edin Salkic könnte zum Meistermacher von Sturm Graz avancieren. Mit einem kuriosen Handspiel hat der Offensivspieler von Wiener Neustadt seinem Ex-Club am Sonntag den Weg zum Titel in der Fußball-Bundesliga geebnet. Sturm-Routinier Samir Muratovic nahm wenige Minuten vor dem Schlusspfiff das "Geschenk" seines bosnischen Landsmannes dankend an und verwertete den fälligen Elfmeter zum Siegestreffer.

Salkic sah die Gelbe Karte und versteckte nach dem Missgeschick sein Gesicht im Trikot. Eine öffentliche Stellungnahme zur womöglich meisterschaftsentscheidenden Aktion wollte der 21-Jährige am Tag nach dem Spiel nicht abgeben. Die Tageszeitung "Kurier" zitierte Salkic folgendermaßen: "Ich habe nur gespürt, dass der Ball meine Hand berührt hat, ich wusste nicht, dass diese so weit oben war." Sein Trainer Peter Schöttel, dessen Nachfolger Peter Stöger heißen könnte, merkte an: "Ich will ihm nichts unterstellen, aber die Optik ist keine gute." Sturms Sportdirektor Oliver Kreuzer war froh, "dass Salkic kein Sturm-Graz-Spieler mehr ist."

Bundesliga-Vorstand Pangl schloss Konsequenzen aus. "Die Liga hat rechtlich gegen ihn nichts in der Hand. Wir können ihn nicht anklagen oder vorladen", erklärte Pangl. "Die Situation ist sehr unangenehm", meinte Wiener Neustadts Team-Manager Christoph Ungerböck. Vehement wischte man in Wiener Neustadt jedoch die angeblichen Nahverhältnisse zwischen Salkic und Sturm vom Tisch. Genauso wenig will man sich auf etwaige Diskussionen einlassen, weil beide Clubs von Magna gesponsert werden.

"Salkic ist kein Sturm-Leihspieler. Und er geht auch nicht zu Sturm zurück", erklärte Club-Manager Alex Gruber. Gruber betonte, dass Wiener Neustadt Salkic in der vergangenen Winterpause von Sturm verpflichtet hat. Am 30. April habe man dann die Option auf eine weitere Zusammenarbeit gezogen. "Der Spieler gehört also bis 31. Mai 2012 Wiener Neustadt. Und wenn wir die Option ziehen, sogar bis 2013", berichtete Gruber.

Einen Sonntag voller aktionsgeladener Wendungen erlebte auch Austria-Coach Karl Daxbacher. Zunächst die Vorfälle im Hanappi-Stadion, danach die für die Austria bittere Schlussphase in Wiener Neustadt. "Man könnte meinen, dass ich zu subjektiv bin, um hier etwas zu sagen. Aber dieses Hands war schon sehr erschreckend und schockierend. Das gibt schon zu denken, aber was kann man machen?", meinte Daxbacher.

Mit dem Abbruch des Spiels in Hütteldorf entging der Austria auch die theoretische Chance auf einen deutlich höheren Erfolg als 2:0 oder 3:0 und somit ein zusätzliches Aufpolieren der Tordifferenz. Die würde am Mittwoch im Falle eines Austria-Sieges und eines Unentschiedens von Sturm Graz den Ausschlag im Meisterkampf geben. "Dadurch werden weiteren Spekulationen Tür und Tor geöffnet", sagte Daxbacher.

Das Salkic-Handspiel ließ Erinnerungen an die 2:3-Niederlage der Vienna am 12. April gegen Austria Lustenau wach werden. Damals war nach einem ebenfalls kurios wirkenden Handspiel von Viennas Erdzan Beciri im eigenen Strafraum in der 90. Minute und dem folgenden Siegtor per Elfmeter Manipulationsverdacht aufgekommen. Der Verdacht erhärtete sich, weil auf dem asiatischen Markt ein auffälliges Wettverhalten auf ein spätes Tor in Lustenau vorgelegen sei.

Im Falle der Partie in Wiener Neustadt schlug das Frühwarnsystem nicht an, zumindest das nationale. "Es waren keine auffälligen Einsätze auf dem österreichischen Markt zu beobachten. Die internationalen Analysen laufen gerade", erklärte Philip Newald, der Vorstandsvorsitzende von Bundesliga-Hauptsponsor tipp3.

Sturm-Coach Franco Foda erinnerte sich nach Schlusspfiff sofort an das Jahr 1999 zurück, das Parallelen zur laufenden Saison zu bieten hat. Am 22. Mai 1999 hatte Gilbert Prilasnig in der vorletzten Runde im Titelkampf im Derby gegen den GAK einen Elfmeter auf ähnliche Art und Weise verschuldet. "Prilasnig hat bei einem Blackout den Ball mit der Hand heruntergefangen. Das ist mir als erstes durch den Kopf gegangen. Auch damals mussten wir das Spiel gewinnen. Gott sei Dank haben wir damals noch das 2:1 gemacht", erzählte der Sturm-Trainer.

Prilasnig war rund zehn Minuten vor dem Ende nach einem Corner hochgestiegen und hatte den Ball völlig unbedrängt mit der Hand heruntergefangen. Den verhängten Elfmeter verwertete Boban Dmitrovic zum 1:1-Ausgleich (80.) für den GAK. "Es war ein unerklärliches Blackout. Ich bin nur froh, dass wir doch noch gewonnen haben, damit ich nicht als Schwarzer Peter dastehe", hatte Prilasnig damals gesagt. 13 Minuten später sorgte Jan-Pieter Martens in der Nachspielzeit mit seinem Tor zum 2:1-Endstand aber doch noch für den Sturm-Sieg. In der letzten Runde folgte dann ein 3:0-Heimerfolg gegen den damaligen FC Tirol Innsbruck, auch am Mittwoch geht es zum Abschluss wieder gegen den Tiroler Bundesligisten.

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