vergrößernverkleinern
Sturm holte überraschend den Titel © APA (Leodolter)

Graz ist nach einer langen Durststrecke wieder Österreichs "Fußball-Hauptstadt". Der SK Sturm hat es fast genau zwölf Jahre

Graz ist nach einer langen Durststrecke wieder Österreichs "Fußball-Hauptstadt". Der SK Sturm hat es fast genau zwölf Jahre nach dem letzten Titelgewinn 1999 wieder geschafft, den Bundesliga-Meisterteller - zum dritten Mal in der Vereinsgeschichte - zu holen. Die Freude kannte nach dem "Krimi" keine Grenzen, am Donnerstagabend folgte die offizielle Meisterfeier am Grazer Hauptplatz.

Schon die Übergabe des Meistertellers nach dem 2:1-Heimsieg gegen Wacker Innsbruck war für die Grazer aus zweierlei Gründen ein besonderer Moment, bekamen sie ihn doch auch ausgerechnet von ihrem Ex-Präsidenten Hans Rinner in seiner Funktion als Bundesliga-Präsident überreicht.

"Ich habe mich riesig gefreut, es war ein wunderschöner Moment. Es ist schön, wenn man sieht, dass man einen Verein übergeben hat, der dann darauf gleich Meister wird", sagte Rinner, der Ende Mai 2010 als Sturm-Präsident zurückgetreten war.

Danach wurde in der UPC-Arena ausgelassen gefeiert. Der Sturm-Tross fuhr mit Cabrios jubelnd durchs Stadion, die Vereinsverantwortlichen, darunter Präsident Gerald Stockenhuber ("Es ist einfach nur unglaublich"), wurden mit Bierduschen bedacht und Franco Foda die Haare abrasiert. Die Unannehmlichkeit war in der Stunde des Erfolgs leicht zu ertragen, der Deutsche ließ die Rasur geduldig über sich ergehen. "Die Haare werden wieder wachsen und in zwei, drei Monaten werde ich wieder der Alte sein", sagte der Meistertrainer.

Foda ist bei den Grazern nun schon seit 1. Juni 2006 im Amt, Kontinuität wird auf dem Trainerposten also groß geschrieben. Mit ein Grund für den überraschenden Erfolg der "Blackies", die nur als Außenseiter in die Saison gegangen waren. "Vor der Saison hat niemand daran gedacht, dass wir so etwas schaffen können. Die Spieler haben sich aber toll entwickelt. Ich bin überstolz auf diese Mannschaft, es ist unglaublich, was sie geleistet hat", betonte Foda.

In dieselbe Kerbe schlug auch Sportdirektor Oliver Kreuzer. "Wenn mir jemand vor der Saison prophezeit hätte, dass wir Meister werden, hätte ich ihn für verrückt erklärt", meinte der Deutsche. "Unsere Mannschaft hatte kaum Schwächephasen, war am konstantesten", ergänzte Kreuzer, der auch einen Vergleich mit Deutschlands Meister Borussia Dortmund zog: "Auch Dortmund hatte vor der Saison niemand auf der Rechnung."

Auch für Gordon Schildenfeld steht Sturm völlig zurecht ganz oben. "Wir haben die meisten Tore geschossen und die zweitwenigsten bekommen, es gibt daher keinen Club, der sich den Titel mehr verdient hätte", sagte der Kroate.

Die Kicker überschlugen sich mit Superlativen. "Es ist ein Traum in Erfüllung gegangen. Für die ganze Steiermark ist es ein geiles Erlebnis gewesen", betonte Andreas Hölzl. "Es ist das allergrößte. Sturm hat zwölf Jahre keine Meisterschaft gewonnen, es ist Zeit geworden", fügte Mario Kienzl hinzu, der seit seiner Kindheit Sturm-Fan ist. Und der aufstrebende Florian Kainz sprach von einer "unglaublichen Saison für mich und Sturm".

Siegtorschütze Samir Muratovic war der "glücklichste Mann der Welt". Stürmer-Routinier Mario Haas dankte vor allem auch den Fans. "In Graz war eine super Stimmung. Jeder hat auf den Titel gehofft und an uns geglaubt. Das hat den Ausschlag gegeben", sagte der 36-Jährige, der den Teller als Kapitän als Erster in Händen halten durfte.

Einen kleinen Wermutstropfen gab es nur für Roman Kienast, der die Torjägerkrone mit 19 Toren noch knapp verpasste. "Die verlorene Torjägerkrone ist mir nicht so wichtig, viel wichtiger war der Erfolg des Teams. Es ist ein geiles Gefühl Meister zu sein", hatte der Stürmer trotzdem Grund zur Freude. Da stimmte auch Christian Gratzei zu. "Es ist ein fantastisches Gefühl mit seinem Heimatverein Meister zu werden. Der Titel ist eine Sensation", sagte der ÖFB-Teamgoalie.

Nach den Feierlichkeiten im Stadion ging es am Stadionvorplatz weiter. Die Kicker präsentierten den Teller von der "Galerie" aus und wurden von mehreren tausend Fans mit Ovationen und Sprechchören ("Oh, wie ist das schön") bedacht. Dazu wurden bengalische Feuer gezündet. Rund eine halbe Stunde nach Mitternacht verabschiedeten sich dann allmählich die letzten Spieler von ihren Fans, die interne Meisterparty wurde aber natürlich noch bis in die Morgenstunden fortgesetzt.

"Jetzt feiern wir ein paar Tage richtig durch", brachte es Hölzl auf den Punkt. Nächster Punkt auf dem Feier-Tagesprogramm war die offizielle Meisterfeier am Donnerstagabend im Stadtzentrum beim Rathaus.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel