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Stimmung im Team - wie vor fast jedem Spiel - gut © APA (Neubauer)

Mit stark angezogener Handbremse startet Österreichs Fußball-Nationalteam den Countdown zum EM-Qualifikations-Match am 3. Juni

Mit stark angezogener Handbremse startet Österreichs Fußball-Nationalteam den Countdown zum EM-Qualifikations-Match am 3. Juni gegen Deutschland. Am Freitag und Samstag stellt Teamchef Dietmar Constantini in Bad Tatzmannsdorf Regeneration in den Vordergrund, zum ersten Mal mit dem Ball arbeiten die ÖFB-Kicker erst am Sonntag.

Nicht ins Teamcamp eingerückt sind Andreas Hölzl (chronische Überreizung der Fußmuskulatur) und Christoph Leitgeb (Verhärtung im Gesäß), dessen Ausfall zu 99 Prozent feststeht. Jakob Jantscher wäre nachnominiert worden, musste aber wegen eines Faserrisses im Oberschenkel absagen. Deshalb hat Constantini Christopher Drazan und Guido Burgstaller nachnominiert. Thomas Schrammel und Daniel Royer, die Akteure von Cupfinalist Ried, reisen spätestens Montagfrüh an.

Egal mit welchem Personal, Österreich ist und bleibt gegen die Deutschen klarer Außenseiter. Das muss Constantini diesmal nicht extra hervorstreichen. Der Tiroler weiß aber auch, dass sein Team eine Sensation liefern muss, um die ohnehin bereits kleine Chance auf eine Teilnahme an der EM 2012 in Polen und der Ukraine am Leben zu erhalten.

"Nur mit drei Punkten bleiben wir in der Qualifikation. Wir müssen schauen, dass wir eine Überraschung schaffen. Favorit sind wir nicht, aber im Fußball sind schon viele Dinge passiert", erklärte Constantini. Eine Mannschaft wie Deutschland kennt man laut Constantini "in- und auswendig", die WM-Partien gegen Australien und Serbien hat der ÖFB-Trainer 2010 in Südafrika live vor Ort gesehen.

"Das heißt aber nicht, dass wir auch gewinnen", sagte Constantini, der spekuliert, dass die Deutschen eventuell nicht mit dem 4-2-3-1-, sondern mit einem 4-4-2-System im Wiener Happel-Stadion aufkreuzen könnten. Constantini hat im Laufe seiner Trainerlaufbahn auch sportlich positive Erinnerungen an Duelle mit deutschen Teams.

Am 18. November 1992 führte Constantini nach dem Tod von Ernst Happel das ÖFB-Team in Nürnberg zu einem 0:0. Und mit Tirol feierte Constantini in den 1990er-Jahren Europacup-Erfolge über Köln und Leverkusen.

Um auch diesmal eine Chance zu haben, müsse man den Spielfluss der Deutschen unterbinden. "Wir müssen Deutschland einbremsen, dafür ist aber einiges notwendig. Hinten reinstellen und abwarten, das geht nicht gut. Das heißt aber nicht, dass wir überfallartigen Angriffsfußball spielen werden", so Constantini, der damit kontrollierte Offensive ankündigte.

Dass die Spieler angesichts der schon recht langen Saison ausgelaugt sein könnten, ist für Constantini kein Thema. "Wir sind im Profigeschäft. Da muss jeder seinen Mann stellen. Ob eine Woche oder zehn Tage länger, ist egal. Ich bin überzeugt, dass sich alle auf dieses Spiel freuen und ihr Bestes geben werden."

Dementsprechend rechnet Constantini auch mit nach wie vor hungrigen Deutschen. "Ich glaube schon, dass sie uns ernst nehmen. Sie werden auch bis zum Schluss professionell arbeiten. Ein Deutscher ist bekannt dafür, immer alles zu geben." Dabei könnte die Auswahl von DFB-Teamchef Joachim Löw in Wien sogar einen Punkteverlust verkraften, schließlich wurde aus den ersten fünf Partien das Maximum von 15 Zählern eingefahren.

Die Österreicher haben beim ersten Training am Freitagvormittag auf Regeneration und Abwechslung gesetzt. Unter anderem stand Beachvolleyball, Jonglieren und Slacklining auf dem Programm. Am Samstag folgt eine lockere Radtour, am Abend wird die ÖFB-Crew gemeinsam das Champions-League-Finale verfolgen.

"Ich bin Fan von Barcelona. Ich glaube aber, dass Manchester keine schlechten Chancen hat", mutmaßte Constantini vor dem Endspiel in London. Obwohl dazwischen genug Freizeit bleibt und die heiße Transferzeit läuft, haben Spielermanager in der Teamunterkunft absolutes Zutrittsverbot.

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