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Blatter-Gebäude droht zusammen zu brechen © APA (Keystone)

Als Joseph Blatter vor kurzem eine schlagkräftigere Ethikkommission für die Zukunft ankündigte, hatte er das, was in dem immer

Als Joseph Blatter vor kurzem eine schlagkräftigere Ethikkommission für die Zukunft ankündigte, hatte er das, was in dem immer bizarrer anmutenden FIFA-Wahlkampf folgte, wohl kaum im Sinn. In der wohl schwersten Krise des Fußball-Weltverbandes muss Blatter an diesem Sonntag in Zürich selbst vor dem Gremium aussagen.

Der 75-jährige Schweizer ist dabei nicht alleine auf der Seite der Verhörten. Auch gegen Blatters Herausforderer bei den für Mittwoch geplanten Präsidentschaftswahlen, den Katarer Mohamed bin Hammam, und FIFA-Exekutivmitglied Jack Warner aus Trinidad und Tobago hat die FIFA Untersuchungen eingeleitet - noch nie stand die Kommission in ihrer fünfjährigen Geschichte so im Fokus der Weltöffentlichkeit wie in diesen Tagen.

Bin Hammam muss sich wegen des Verdachts der Bestechung verantworten. Seinem Rivalen Blatter wirft er vor, von angeblichen Zahlungen an FIFA-Mitglieder aus der Karibik gewusst, aber nichts dagegen unternommen zu haben. Bin Hammam soll gemeinsam mit FIFA-Vizepräsident Warner bei einem Treffen der Karibischen Fußball-Union (CFU) am 10. und 11. Mai in Trinidad versucht haben, Stimmen der karibischen Funktionäre zu kaufen.

Nach Informationen der englischen "The Times" soll sich der britische Premierminister David Cameron für eine Verschiebung der Wahl ausgesprochen haben. Die seriöse Tageszeitung titelte am Samstag, dem Tag des Champions-League-Endspiels zwischen dem FC Barcelona und Manchester United im Londoner Wembley-Stadion, mit den Worten: "Großbritannien fordert FIFA auf, die Wahl zu stoppen."

Laut einer nicht genannten "Times"-Quelle soll Cameron "öffentlich und privat klargemacht haben, dass er glaube, die Geschäfte der FIFA seien ziemlich schmuddelig geworden". Sportminister Hugh Robertson sagte, die Wahlen "verkommen zu einer Farce". Die Engländer hoffen nun, dass auch andere Länder diese Auffassung teilen.

Der englische Verband FA hatte bereits angekündigt, weder für den einen noch den anderen Kandidaten stimmen zu wollen. Die Blatter-Abneigung auf der Insel ist mittlerweile bekannt, doch auch bin Hammam traut man hier nicht die erhoffte Erneuerung der FIFA zu.

Deren Mitgliedsverbände hatten auf dem Kongress am 7./8. Juni 2006 in München mit 188:6 Stimmen beschlossen, eine unabhängige Ethikkommission in Ergänzung zur Disziplinar- und Berufungskommission als drittes Rechtsorgan zu schaffen. Die FIFA orientierte sich am Internationalen Olympischen Komitee (IOC), das seit 1999 als Reaktion auf den Skandal von Salt Lake City einer Ethikkommission vertraut.

Das Gremium stand zuletzt mehrfach im Blickpunkt, hat nun aber die bisher schwerste FIFA-Krise zu bewältigen. Im Oktober 2010 wurden zwei Mitglieder der Exekutive wegen Korruptionsvorwürfen suspendiert. Im Dezember sorgte das einzige deutsche Mitglied der Ethikkommission, der ehemalige Bundesgerichtshof-Präsident Günter Hirsch, mit seinem sofortigen Rücktritt für Wirbel.

"Die Ethikkommission muss einen anderen Stellenwert erhalten. Die hat im Moment mit diesen ganzen Vorwürfen mehr zu tun als die Disziplinarkommission. Die großen Diskussionen, die dem Image des Fußballs schaden, beziehen sich auf Vorkommnisse außerhalb des Spielfeldes", hatte Blatter vor kurzem in einem dpa-Interview gesagt. Nun beziehen sich die Diskussionen - wieder einmal - auch auf ihn.

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