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Der Deutschland-Legionär glaubt an die Chance © APA (Archiv/Neubauer)

Österreichs Fußball-Nationalteam ist am Mittwoch von Bad Tatzmannsdorf nach Wien übersiedelt. Im Ernst-Happel-Stadion feilen

Österreichs Fußball-Nationalteam ist am Mittwoch von Bad Tatzmannsdorf nach Wien übersiedelt. Im Ernst-Happel-Stadion feilen die Österreicher am Mittwoch und Donnerstag unter Ausschluss der Öffentlichkeit an taktischen Finessen und Standardsituationen, am Freitag geht es dann um 20.30 Uhr gegen Deutschland um die kleine Chance, sich vielleicht doch noch für die EM 2012 zu qualifizieren.

Martin Harnik ist jener österreichische Teamspieler, der Deutschland kennt wie kein anderer. Harnik wurde 1987 als Sohn einer Deutschen und eines Steirers in Hamburg geboren. Er verbrachte auch seine gesamte bisherige Karriere in Deutschland bei SC Vier- und Marschlande, Werder Bremen, Fortuna Düsseldorf und VfB Stuttgart, irgendwann will der 23-Jährige aber auch einmal in Österreichs Bundesliga spielen.

Harnik ("Ich kann das Wort Cordoba nicht mehr hören") weiß, was der erste Pflichtspielsieg Österreichs gegen den "großen Bruder" seit der WM 1978 in Deutschland anrichten würde. "Die Blamage wäre für die Deutschen sehr groß, das wäre noch schlimmer als für uns Färöer. Mich würde schon interessieren, wie nach einem Sieg von uns die Schlagzeilen lauten würden", meinte Harnik in Anspielung auf Österreichs historische Pleite gegen die Färöer im Jahr 1990.

Während ganz Fußball-Österreich von einem Coup gegen die Deutschen träumt, ist es für den großen Favoriten eigentlich nur ein weiterer Pflichtsieg. "Die Rivalität ist sehr einseitig. Deutschland hat andere Erzrivalen wie England oder Holland", stellte Harnik klar.

Vor dem jüngsten Aufeinandertreffen im Rahmen der EM 2008 hatte der Offensivspieler mit einer Wortspende für Schlagzeilen gesorgt, wonach sich die Deutschen in die Hose machen würden. Für Harnik war das viel Lärm um nichts, die Aussage sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. "Damals war ich noch drei Jahre jünger, ich habe daraus gelernt", sagte der Stuttgart-Legionär, der eigentlich alles andere als große Sprüche klopfen möchte.

Die Partie verlor Österreich dann aufgrund eines Freistoß-Tores des mittlerweile ausgemusterten Michael Ballack 0:1. "Wir waren chancenlos, es war ein schmeichelhaftes 0:1. Dennoch haben wir uns in Deutschland Respekt erarbeitet", erinnert sich Harnik, der deshalb auch vor dem Match am Freitag meinte: "Wir müssen den Ball flach halten. Jeder auf der Welt weiß über die Stärken Deutschlands bescheid, wir sind in allen Bereichen unterlegen."

Mit Manuel Neuer bekommen es Harnik und Co. mit einem der derzeit besten Tormänner der Welt zu tun. Harnik, der in der abgelaufenen Saison neun Tore und neun Assists zum Stuttgarter Klassenerhalt beigesteuert hat, weiß aber, wie man Neuer bezwingt. Denn eines seiner Tore hat er beim 2:2-Auswärtsremis der Stuttgarter gegen Schalke und Neuer erzielt. "Auf diesem Niveau muss man sowieso gegen jeden Tormann sehr genau zielen."

Dass Harnik für Österreich spielt, hat der ÖFB vor allem der Wiener Austria zu verdanken. Die war bei einem Nachwuchs-Turnier des SC Vier- und Marschlande eingeladen und empfahl danach dem Verband, ein Auge auf Harnik zu werfen. So kam es, dass Harnik auch Teil jenes ÖFB-Teams war, das 2007 bei der U20-WM Rang vier belegte.

Damals war Harnik aufgrund seines unüberhörbaren norddeutschen Akzents schnell der "Piefke" im Team. Auch, weil er aufgrund einer Erkältung das Wort "Piefke" auf seine Trinkflasche schrieb. "Damit war klar, dass kein Österreicher aus dieser Flasche trinken wird", erzählte Harnik am Mittwoch in Wien.

Sein ÖFB-Teamkollege Christian Fuchs spielt ebenfalls in der deutschen Liga. Mit dem fünften Rang mit Mainz hat Fuchs für eine der positiven Überraschungen der Saison gesorgt. Das soll auch den Österreichern Mut machen. "Mainz ist ein gutes Beispiel, dass man auch als kleine Mannschaft gegen einen Stärkeren einiges erreichen kann. Mit der richtigen Taktik ist sicher etwas möglich."

Für die richtige Taktik ist Teamchef Dietmar Constantini und sein Co-Trainer Manfred Zsak zuständig. "Wir müssen die Deutschen beschäftigen. Wenn wir uns zurückziehen, werden uns die Deutschen überlaufen und wir werden sicher nicht gewinnen", weiß Zsak, der mehr Offensive als beim enttäuschenden 0:2 gegen die Belgier versprach.

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