vergrößernverkleinern
Löw schwört seine zwei Neuen auf das Team ein © APA (dpa)

Ein Sieg ist Pflicht - höhere Ansprüche stellt Joachim Löw an seine Rumpftruppe zum strapaziösen Saison-Kehraus in

Ein Sieg ist Pflicht - höhere Ansprüche stellt Joachim Löw an seine Rumpftruppe zum strapaziösen Saison-Kehraus in Aserbaidschan nicht. Auch mit den beiden Nothelfern Sebastian Rudy und Lewis Holtby muss am Dienstag in Baku der Stresstest in der EM-Qualifikation gelingen.

"Es wird kein fußballerisches Highlight werden. Das ist auch gar nicht gefragt in unserer Situation. Wir müssen alles mobilisieren und die drei Punkte holen", lautet der Auftrag des Teamchefs nach dem 43-Stunden-Ausflug von Wien nach Vorderasien.

Ein Vergnügen erwartet auch keiner der 18 Akteure, die am Montag mit dem Sonderflug LH 342 die Reise nach Baku antraten. "Es hilft nichts, wenn wir lamentieren, Mensch, jetzt noch so eine lange Reise. Wir müssen dieses Spiel gewinnen. Das werden wir, wenn wir konzentriert sind. Und dann können wir uns auf den Urlaub freuen - aber nicht davor", sagte Mario Gomez, der wie beim glanzlosen 2:1-Sieg gegen Österreich am Freitag in Wien wieder für Tore zuständig ist.

Vor dem Ferienbeginn könnte mit Sieg Nummer sieben in der Qualifikation (Gruppe A) das EM-Ticket fast schon gelöst werden. "Wenn wir gewinnen, wird uns keiner mehr aufhalten", betonte Philipp Lahm. Neben dem Kapitän und Gomez stand beim 2:0-Premierensieg 2009 in Baku aus dem aktuellen Aufgebot nur noch Mesut Özil auf dem Platz.

Alle Widrigkeiten - die zusätzlichen Ausfälle von Sami Khedira und Simon Rolfes, die lange Reise, drei Stunden Zeitunterschied, ein holpriger Platz und ein laut Löw "aufsässiger" Gegner - sollen kein Anlass für Ausreden sein. "Ich erwarte von der Mannschaft, dass wir die ganzen Kräfte noch einmal bündeln", forderte der Bundestrainer energisch.

Löw warnt seine Verlegenheitstruppe davor, das Team des ehemaligen DFB-Teamchefs Berti Vogts zu unterschätzen und an dessen 1:2-Pleite in Kasachstan zu messen. "In Aserbaidschan gibt es keinen Spaziergang. Die Türken haben da letztes Jahr 0:1 verloren. Und ich erinnere mich an die Aussage von Trainer Guus Hiddink: 'Aserbaidschan hat uns niedergekämpft und völlig verdient gewonnen", erzählte Löw.

6:1 endete immerhin das Hinspiel - "aber es wird nicht so laufen wie zu Hause", prophezeit Löw. Denn Leistungsträger wie Özil sind müde und Akteure wie Arne Friedrich sowie Lukas Podolski leicht angeschlagen. Dazu kommt der Ausfall zahlreicher Stammkräfte.

"Im Mittelfeld haben wir ein Problem", benannte Löw die größte Komplikationszone. Der frühere Tirol- und Austria-Trainer erwägt sogar eine taktische Abkehr von der "Doppel-Sechs" vor der Abwehr hin zu "drei variabel agierenden" Mittelfeldspielern. Toni Kroos und Özil sind gesetzt, der dritte Mann könnte das Dortmunder Supertalent Mario Götze sein.

Die am Sonntag nachnominierten U 21-Nationalspieler Holtby (1 Länderspiel) und Rudy (0) sollen zunächst den Kader wieder auf 18 Akteure auffüllen. Beide stehen noch im Saft, waren in der letzten Woche 90 Minuten bei der 2:4-Niederlage der U 21 in Portugal aktiv. "Sie sind zwei Spieler, die im zentralen Mittelfeld spielen können. Sie sind schon länger bei uns im Fokus", sagte Löw über das Duo.

In Abwehr und Offensive will Löw keine großartigen Umbesetzungen vornehmen. Schonen gibt es nicht, wenn um 22.00 Uhr Ortszeit im Tofik-Bachramow-Stadion der Anpfiff ertönt: "Wir müssen alles mobilisieren." Obwohl man "die fehlende Frische" schon gegen die einsatzfreudigen Österreicher gemerkt habe, verlangt Teammanager Oliver Bierhoff ebenfalls eine finale Kraftanstrengung: "Jetzt heißt es, nochmals 90 Minuten dran ziehen."

Die Luxussorgen von Löw hätte Vogts sicherlich gerne. Der ehemalige Bundestrainer ist im Fußball-Entwicklungsland Aserbaidschan zur Zielscheibe verärgerter Fans und Journalisten geworden. Der 64-Jährige wird zum Rücktritt gedrängt, eine turbulente Pressekonferenz mit massiven Protesten am Sonntag sprengte den Rahmen des Zumutbaren. Das sei "abgehakt", versicherte Vogts tapfer und meinte mit Blick auf das auch für ihn besondere Spiel gegen Deutschland: "Die Konzentration gilt, der Mannschaft zu helfen."

Viel ausrichten kann Vogts ("Ich freue mich, wenn ich Mittwoch wieder zu Hause bin") mit seinen unbedarften Kickern wohl kaum. "Es ist nicht die Frage, wie stark ist Aserbaidschan, sondern wie stark werden wir uns nochmals präsentieren", betonte Löw. Das Schlusswort für das Nach-WM-Jahr hat der 51-Jährige auch schon gesprochen: "Wenn wir dieses Spiel gewinnen, hat die Mannschaft in dieser Saison Großartiges geleistet."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel