vergrößernverkleinern
ÖFB-Teamchef geht mit Sieg in die Sommerpause © APA (Fohringer)

Österreichs Fußball-Teamchef Dietmar Constantini hat am Dienstag im Testspiel in Graz gegen Lettland für wenige Minuten in den

Österreichs Fußball-Teamchef Dietmar Constantini hat am Dienstag im Testspiel in Graz gegen Lettland für wenige Minuten in den Abgrund geblickt. Beim Stand von 1:0 für die Gäste drohte die Einstellung des Negativrekords von sechs Niederlagen in Folge, der Verlust der gegen Deutschland gewonnenen Sympathiepunkte und neues Ungemach für die berufliche Zukunft des Tirolers.

Da die ÖFB-Auswahl den Rückstand noch in einen 3:1-Sieg verwandelte, darf sich der 56-Jährige aber auf eine ruhige Sommerpause gefasst machen, ehe es im August gegen die Slowakei und im September in der EM-Qualifikation gegen Deutschland und die Türkei wieder ernst wird.

Ab dem Tor der Letten in der 49. Minute hatte Constantini noch großes Unbehagen verspürt, ehe dem Debütanten Christopher Dibon in der 75. Minute der Ausgleich gelang. "Für einen Trainer ist es immer unangenehm, wenn man Favorit ist, besser ist und trotzdem hinten ist. Ich habe kurz an Felix Magath gedacht, der fast abgestiegen ist und das Spiel noch gedreht hat", erzählte Constantini. Magath lag mit Wolfsburg in der letzten Runde der deutschen Bundesliga in Hoffenheim 0:1 zurück, schaffte dank eines 3:1 aber noch den Klassenerhalt.

Von einer persönlichen Genugtuung wollte der Nationaltrainer nichts wissen. "Es ist für mich einfach nur schön, mit jungen Spielern zu arbeiten und zu sehen, dass sie Freude haben. Negatives gehört auch dazu, und das muss man in Kauf nehmen."

Sonderlob verteilte Constantini unter anderem an Goalie Christian Gratzei, der zwei Großchancen der Letten vereitelte, Christian Fuchs, Zlatko Junuzovic, Stefan Kulovits ("Er ist für uns eine Bereicherung") und natürlich an Dibon. "Vom Spielerischen her" sei der Anschluss an den starken Auftritt gegen Deutschland gelungen, vermutete der Teamchef, hatte aber auch einiges auszusetzen.

"In der ersten Hälfte haben wir das Kurzpassspiel phasenweise übertrieben. Da sind oft drei, vier Spieler vor uns mit dem Rücken zum gegnerischen Tor gestanden, was für die gegnerische Abwehr ideal ist. Dadurch haben wir uns selbst kastriert", kritisierte Constantini.

Über die ruppige Gangart der Letten, die das Match mit nur acht Spielern beendeten, verlor der Tiroler hingegen kein schlechtes Wort. "Ich habe damit überhaupt kein Problem. Sie haben sich eben gewehrt." Sein Tormann-Trainer Franz Wohlfahrt zeigte sich während des Spiels weniger gelassen und musste nach einem harten Einsteigen gegen Daniel Royer von Constantini an einem "Platzsturm" gehindert werden. "Er war sehr emotional. Ich habe ihm aber gesagt, dass er das nicht machen kann", meinte der Chefcoach.

Die Bilanz nach dem Juni-Länderspiel-Doppel fiel überwiegend positiv aus. "Unser Stamm ist größer geworden. Wir haben schnelle, kleine Spieler, die gut kombinieren können."

Die in beiden Partien phasenweise zu erkennende Spielfreude von Martin Harnik, David Alaba und Co. könnte Auswirkungen auf das System der ÖFB-Auswahl haben - das Kurzpassspiel klappte gegen Lettland etwa mit dem quirligen Erwin Hoffer an vorderster Front weit besser als mit Roman Kienast. Auch Marc Janko und Stefan Maierhofer scheinen für diese Spielweise nicht gerade prädestiniert. "Vielleicht ist das so. Auf der anderen Seite haben wir in den letzten Spielen auch mit einem Großen vorne nicht schlecht ausgeschaut", behauptete Constantini.

Der Aufwärtstrend des ÖFB-Teams wird wohl nicht nur die Bedeutung der klassischen Strafraumstürmer schrumpfen lassen - auch Marko Arnautovic wurde nicht gerade schmerzlich vermisst. "Fakt ist, dass es diesmal mehr Ruhe gegeben hat. Es hat sich ausgezahlt, dass ich mich für das Kollektiv entschieden haben", sagte Constantini, ließ die Tür für das "enfant terrible" jedoch offen. "Wenn sich jemand zum Positiven verändert, ist er immer willkommen."

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel