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Personalisierte Abos, Pyro-Verbot, Geldstrafen,... © APA (Oczeret)

Der Platzsturm am 22. Mai während des mit 0:3 strafverifizierten Wiener Fußball-Derbys zwischen Rapid und Austria hat weitere

Der Platzsturm am 22. Mai während des mit 0:3 strafverifizierten Wiener Fußball-Derbys zwischen Rapid und Austria hat weitere Konsequenzen nach sich gezogen. Rapid präsentierte am Dienstag einen zehn Punkte umfassenden Maßnahmen-Katalog. Ein wichtiger Teil betrifft künftige Derbys: Wenn die Grünweißen Heimvorteil besitzen, werden die Lokalschlager ab sofort im Ernst-Happel-Stadion ausgetragen.

"Da ist eine bessere Sicherheit gegeben, außerdem ist es möglich, dass mehr Rapid-Fans ins Stadion können", meinte Club-Präsident Rudolf Edlinger. Außerdem wird es für den West- und Ostsektor nur noch personalisierte Abos ohne Weitergaberecht geben, Pyro-Technik in Hütteldorf verboten und nur ein Training in der Woche öffentlich sein. Dazu soll das Rapid-Dorf mit Bierzelt-Atmosphäre zu einem Familientreff werden.

Den finanziellen Schaden könne Rapid nicht alleine tragen, auch die Übeltäter müssten ihren Beitrag leisten. Jeder ausgeforschte Platzstürmer wird mit 1.000 Euro Geldstrafe belegt, die auch in 150 Stunden Arbeit für den Verein umgewandelt werden kann. Neben der 50.000 Euro Geldstrafe und den zwei "Geisterspielen", bei denen 150.000 Euro pro Partie entgehen, macht der Fanshop pro Spiel einen Umsatz von 40.000 Euro und die Gastronomie einen solchen von 200.000 Euro.

Österreichs Rekordmeister möchte mit den zehn Punkten den Schwarzen Schafen an den Kragen, sie zur Räson bringen und sucht dabei weiterhin den Dialog und die Kommunikation. Der Verein will so viel Platzstürmer wie möglich ausforschen und der Bundesliga melden. Edlinger rechnet mit 70 bis 100 Personen, die Zahl könnte sich durch die Polizei noch erhöhen, über die Bundesliga vom Senat 3 mit einem österreichweiten Stadionverbot von zwölf Monaten bis zu 10 Jahren belegt werden.

"Den Fan trifft man nur dann, wenn er in Österreich in überhaupt kein Stadion mehr gehen kann. Alles andere wäre sinnlos", glaubt Edlinger. Er wolle sich von den Rädelsführern so lange wie möglich trennen. Die Vorfälle hätten ihn sehr betroffen gemacht, weil Rapid immer versucht, allen Menschen, auch solchen, die nicht die angenehmsten Zeitgenossen seien, den Stadion-Besuch zu ermöglichen. "Die Platzsturm trotz aller getroffener Sicherheitsvorkehrungen hat uns schweren Schaden, sowohl imagemäßig als auch wirtschaftlich, zugefügt. Wir mussten aus eigenem Antrieb reagieren", gegründete der Ex-Finanzminister, der davon ausgeht, dass die Maßnahmen juristisch in Ordnung sind.

Der Platzsturm sei eine Explosion gewesen, die verschiedene Ursachen gehabt habe, zu denen vielleicht die Leistungen Rapid betragen hätten, sagte Edlinger. Was sich in Fan-Gruppierungen auch anderer Spitzenclub abspiele, sei ein Spiegelbild der Gesellschaft. "Wir sind nicht eine sozial-gesellschaftliche Vereinigung. Das Problem kann nicht von Vereinen alleine gelöst werden, es ist auch eine politische Frage", erklärte Edlinger, der die Kunde des Innenministeriums, in dieser Causa Lösungen anzustreben, wohlwollend aufgenommen hat.

"Mit dem Katalog werden die Fans keine Freude haben, aber wir hatten mit dem Derby auch keine Freude", sagte Club-Serviceleiter Andreas Marek und fügte hinzu, dass man die Westtribüne weiter als Fantribüne haben wolle. Den Derby-Besuchern vom 22. Mai kündigte er wegen des Spielabbruchs eine Einladung zu einem der internationalen Testspiele an. Marek wird seine Abteilung durch zwei Mitarbeiter verstärken. "Die Fans benötigen unsere Zuneigung, daher werden wir auch weiterhin den Dialog suchen", sagte der Serviceleiter. Generalmanager Werner Kuhn erklärte: "Wir wollen weiter Familien, Jugendliche und Kinder ins Stadion bringen, unsere Partner und Sponsoren wollen zu dem Projekt der Prävention ihren Beitrag leisten."

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