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Fußballverein betreibt Vergangenheitsbewältigung © APA (Archiv/Fohringer)

Rapid hat im März den Anfang in Sachen Vergangenheitsbewältigung gemacht und die Studie "Grün-Weiß unterm Hakenkreuz - Der

Rapid hat im März den Anfang in Sachen Vergangenheitsbewältigung gemacht und die Studie "Grün-Weiß unterm Hakenkreuz - Der Sportklub Rapid im Nationalsozialismus" präsentiert. Das Ergebnis zeigte, dass Rapid samt seinen Funktionären und Spielern wohl in die Alltags-Geschehnisse im Dritten Reich verstrickt war, aber keine besonderen Leichen im Keller liegen hatte.

Nun wird das Thema am Mittwoch im Gerhard-Hanappi-Stadion umfassender beleuchtet, wie schon der Name der eintägigen Tagung verrät: "Fußball unterm Hakenkreuz". Federführend sind die Politologen und Historiker Georg Spitaler und Jakob Rosenberg, die schon die Rapid-Studie erstellt haben. Dass das Symposium am 22. Juni stattfindet ist kein Zufall: Es handelt sich um den 70. Jahrestag von Rapids Gewinn der "Großdeutschen Kriegsmeisterschaft". Ausgehend vom historischen Sieg der Hütteldorfer im Finale gegen Schalke 04 sollen die politischen Funktionen und die populärkulturelle Bedeutung des Fußballs im Nationalsozialismus erörtert werden.

Am Morgen des 22. Juni 1941 überfiel Nazi-Deutschland die Sowjetunion, am Nachmittag siegte Rapid in Berlin. Mit 4:3 nach einem 0:3-Rückstand. Aber nicht nur wegen des Spielverlaufs rankt sich so mancher Mythos um dieses Match. "Das Finalspiel bot Raum für Verschwörungstheorien", so Spitaler, "in Wien hieß es, die Rapid-Spieler seien wegen ihres Sieges an die Front versetzt worden, in Gelsenkirchen wurde kolportiert, der Sieg von Rapid sei politisch gewünscht gewesen, um keine Spannungen zwischen der 'Ostmark' und dem 'Altreich' aufkommen zu lassen". Historisch stichhaltig belegbar ist weder die eine noch die andere Theorie.

Das Endspiel 1941 dient den Forschern auch als Beispiel für die populärkulturelle Bedeutung und die politischen Funktionen des Fußballs im Nationalsozialismus. Durch die Aufrechterhaltung eines "normalen" Sportbetriebs unter aus den Fugen geratenen gesellschaftlichen Bedingungen spielte der Fußball eine systemstabilisierende Rolle. Dennoch war der Fußballplatz ein potenziell politischer Ort: Stadiontribünen gehörten zu den wenigen öffentlichen Räumen, die für spontanen Protest genutzt werden konnten.

So gab es in Wien tatsächlich anti-deutsche Stimmungen bei Begegnungen mit Teams aus dem "Altreich". Nach 1945 wurden solche Berichte aber über Gebühr strapaziert und Teil österreichischer Vergangenheitspolitik. Sie nährten die Legende, Österreich sei lediglich das erste Opfer des Nationalsozialismus gewesen, so eine These im Vorfeld. Rosenberg: "Die Tagung bietet die Möglichkeit, eine kritische Zwischenbilanz zum Forschungsstand bei anderen österreichischen Clubs zu ziehen und möglichen Bedarf an weiterer Forschung aufzuzeigen".

Zudem wird die Geschichte Rapids mit der anderer Fußballvereine in der "Ostmark" verglichen, darunter jener der Wiener Austria und der Vienna, heißt es in einer Programm-Vorschau. Veranstaltet wird die Tagung von Forschern des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Wien in Kooperation mit dem Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), dem Rapidmuseum und dem Projektteam "Grün-Weiß unterm Hakenkreuz".

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