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National-Stadion in Warschau noch in Bau © APA (epa)

Das polnische Koordinationsteam für die Fußball-EM 2012 sieht die Vorbereitungen des Landes und die Zusammenarbeit mit

Das polnische Koordinationsteam für die Fußball-EM 2012 sieht die Vorbereitungen des Landes und die Zusammenarbeit mit Co-Gastgeber Ukraine auf einem guten Weg. Das sagte der Kommunikationsdirektor der dem Sportministerium unterstellten Gesellschaft PL.2012, Mikolaj Piotrowski, im Gespräch mit österreichischen Journalisten. Defizite sieht der Manager unter anderem noch beim Autobahnbau.

"Derzeit sind 80 Prozent der wichtigsten Investitionsprojekte in Polen im Baustadium", sagte Piotrowski. Keines dieser 219 Projekte mit einem Gesamtvolumen von 96 Milliarden Zloty (24 Milliarden Euro), die vor allem der Verkehrsinfrastruktur gewidmet seien, habe man ausschließlich für die EURO 2012 in Angriff genommen: "Der derzeitige Modernisierungsprozess in Polen wäre sowieso erfolgt. Aber dank der EURO geschieht das um drei bis fünf Jahre früher."

Zum Zeitplan beim Stadienbau erklärte Piotrowski, die Arena von Poznan (Posen) werde seit September 2010 genutzt. Bei verschiedenen Veranstaltungen seien insgesamt bereits 600.000 Besucher zu Gast gewesen. In Wroclaw (Breslau) sei das Stadion zu 85 Prozent fertiggestellt. Im September werde dort das erste Test-Event stattfinden.

In Gdansk (Danzig) wurde die Übergabe der Arena zwar verschoben, mittlerweile durchlaufe sie aber die notwendigen Prüfverfahren. Das erste große Ereignis werde das freundschaftliche Fußball-Länderspiel zwischen Polen und Deutschland am 6. September sein, so Piotrowski. Dieses sollte ursprünglich im Nationalstadion in Warschau stattfinden, das allerdings unter anderem wegen Mängeln bei der Ausführung von Stiegen noch nicht fertig ist. Das Nationalstadion solle nun bis 30. November fertiggestellt sein, erklärte der Manager.

Bei der Planung der zeitlichen Puffer habe man die Erfahrungen von früheren Gastgebern von Europameisterschaften wie Österreich, der Schweiz, Deutschland und Portugal genützt. "Wir wollten manche Fehler vermeiden, die wir gesehen haben - sehr einfache Fehler, wie zum Beispiel, dass es keine gute Idee ist, ein Stadion zwei Monate vor dem Bewerb zu eröffnen. Wir wollten sichergehen, dass zumindest sechs Monate dazwischen liegen, um die Stadien zu testen."

Beim Autobahnbau sieht Piotrowski noch mögliche Schwierigkeiten bei der Erfüllung des Zeitplans. Bei der A2 beispielsweise, die Deutschland mit Warschau verbinden soll, sei das Risiko groß, dass sie nicht ganz fertig werde. "Aber auch wenn sie bis zur EURO noch nicht als Autobahn eingestuft werden kann, wird sie doch befahrbar sein", so Piotrowski. Die zweite West-Ost-Verbindung A4, die bis zur Europameisterschaft bis zur ukrainischen Grenze führen sollte, werde teilweise nicht fertig. Ein Abschnitt von 21 Kilometern könne nicht mehr rechtzeitig übergeben werden. Allerdings sei der Anschluss auf der anderen Seite der Grenze ohnehin nicht sichergestellt.

Eine Herausforderung sieht Piotrowski auch in der Bewältigung des zu erwartenden Flugverkehrs: "Während der EURO 2012 werden wir im polnischen Luftraum die bisher größte Zahl von Flugzeugen in unserer Geschichte sehen." Der Flughafen Warschau sei für das erhöhte Passagieraufkommen gerüstet. In Gdansk, Wroclaw und Poznan müsse die Kapazität für die Abfertigung von Starts und Landungen von derzeit durchschnittlich 17 auf 35 pro Stunde erhöht werden. "Das schaffen wir", so Piotrowski. In Poznan stehe lediglich die rechtzeitige Fertigstellung des Passagierterminals noch infrage, wo es aber Alternativlösungen gebe. "Wir können auch Erfahrungen aus Österreich nützen, wo für Passagiere eine provisorische Infrastruktur verwendet wurde."

Die Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen in der Ukraine funktioniere inzwischen gut, nachdem zuvor die Ansprechpartner dort aufgrund politischer Veränderungen dreimal ausgetauscht worden seien. Im September des Vorjahres sei von den Regierungen der beiden Staaten ein spezieller Fahrplan unterzeichnet worden, der genau festlege, "was gemeinsam erreicht werden muss, um die Idee von zwei Ländern und einem Bewerb zu erfüllen". Dieser Fahrplan stelle Prioritäten wie Sicherheit, Flug- und Grenzverkehr klar, "und darauf konzentrieren wir uns jetzt". Die gemeinsamen Arbeiten seien mittlerweile in einem "sehr fortgeschrittenen Stadium".

Während des Fußball-Großereignisses sollen die Wartezeiten an der Grenze, die laut Piotrowski für Einreisen aus der Ukraine nach Polen durchschnittlich vier Stunden betragen, auf eine Stunde verkürzt werden. Dies solle durch zusätzliches Personal und mehr Spuren erreicht werden. 15 der Europameisterschaftsspiele sollen in Polen über die Bühne gehen, 16 in der Ukraine. Am wichtigsten für die Reisen zwischen Polen und der Ukraine während der EURO 2012 werde ohnehin der Flugverkehr sein. "Von hier ist es sehr weit nach Kiew."

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