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Viele "Fans" wollten den Abstieg nicht hinnehmen © APA (epa)

Nach dem Abstieg des argentinischen Giganten River Plate haben die Fans ihrem Frust freien Lauf gelassen. Dem 1:1-Remis des

Nach dem Abstieg des argentinischen Giganten River Plate haben die Fans ihrem Frust freien Lauf gelassen. Dem 1:1-Remis des Rekordmeisters gegen Belgrano und dem damit verbundenen erstmaligen Gang in die zweite Liga folgten am Sonntag Straßenschlachten der wütenden Anhänger mit der Polizei. Zumindest 55 Menschen wurden bei den Gewaltexzessen verletzt, darunter laut Behörden 35 Polizeikräfte.

Der Schiedsrichter hatte die Partie schon in der 89. Minute abgebrochen, als die ersten Steine auf das Spielfeld flogen. Danach eskalierte die Lage. Während Rivers Profis unter Tränen vom Spielfeld flüchten mussten, richtete die Polizei Wasserwerfer auf die aufgebrachte Menge, die auch herausgerissene Sitze als Wurfgeschosse nutzte. Vor dem Stadion "El Monumental" in Buenos Aires gingen die Ausschreitungen weiter.

Die Fans lieferten den rund 2.200 um das Stadion postierten Polizisten stundenlange Straßenschlachten. Die Exekutive setzte neben Wasserwerfern auch Gummigeschosse und Tränengas ein, Helikopter kreisten um die Fußball-Arena. Müllcontainer und Autos wurden von den berüchtigten "Barrabrava"-Hooligans in Brand gesetzt, Lokale geplündert. Das gesamte Viertel glich einer Kriegszone: Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie Sanitäter Verletzte behandelten, während nur einige Meter entfernt Straßenschlachten tobten.

Es kam zu zahlreichen Festnahmen. Ein Staatsanwalt ordnete am Sonntagabend auch die Sperrung des Stadions an, in der Annahme, dass mehr Zuschauer eingelassen worden waren als erlaubt. Aus der Arena, die am 24. Juli das Finale der Copa America beherbergen soll, stieg nach Schlusspfiff auch Rauch auf. Die Fans des Aufsteigers Belgrano konnten erst drei Stunden nach Spielende abziehen, um die Rückfahrt nach Cordoba anzutreten.

Vor rund 60.000 Zuschauern - 40.000 waren von den Behörden zugelassen worden - hatte Mariano Pavone bereits in der fünften Minute die Führung für River erzielt. Doch Guillermo Farre (61.) sorgte für den Ausgleich. Als dann auch noch Pavone (67.) einen Elfmeter verschoss, war die bitterste Stunde in der 110-jährigen Vereinsgeschichte des 33-fachen Meisters besiegelt. Das Hinspiel hatte River 0:2 verloren.

Argentiniens Presse schrieb von einem historischen Tag in der argentinischen Fußballgeschichte. "Niemand, wirklich niemand, wird diesen Tag jemals vergessen können", meinte die Tageszeitung "Clarin". Und das Sportblatt "Ole" schrieb in dicken Lettern: "Unglaublich, aber real." Unter schweren Beschuss kam erneut River-Legende Daniel Passarella, der nun als Clubboss fungiert. Dem Weltmeister von 1978 wurde der Rücktritt nahegelegt.

Nach Jahren der Misswirtschaft droht dem Weltcup-Sieger von 1986 nun ein Aderlass. River ist entgegen seinem Spitznamen "Los Millonarios" schwer verschuldet und wird in der zweiten Liga nur einen Bruchteil der bisherigen Gelder aus TV-Rechten lukrieren. Der Club, der zuletzt Spieler wie Pablo Aimar, Javier Saviola and Andres D'Alessandro hervorgebracht hatte, wird seine Jungstars wie Erik Lamela (19) und Rogelio Funes Mori (20) nun verkaufen müssen.

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