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Sidorczuk wusste nicht was Schwarzgeld ist © APA (Leodolter)

Mit weiteren Spielern aus der Champions-League-Ära des SK Sturm ist am Donnerstag in Graz der Prozess gegen Hannes Kartnig und

Mit weiteren Spielern aus der Champions-League-Ära des SK Sturm ist am Donnerstag in Graz der Prozess gegen Hannes Kartnig und sieben Mitbeschuldigte fortgesetzt worden. Ex-ÖFB-Teamspieler Ivica Vastic blieb trotz Zeugenladung unentschuldigt fern und muss dafür 1.000 Euro Strafe zahlen. Dafür waren die Spieler Jürgen Säumel, Tormann Kazimierz Sidorczuk, Gerald Strafner und Arnold Wetl am Wort.

Säumel hatte mehrere Spielerverträge und auch eine Zusatzvereinbarung ausverhandelt. Ab 2003 habe er monatlich 10.000 Euro brutto bekommen. "Auf mein Konto gelangte dann weniger, weil es ja versteuert wurde. Der Verein führte diese Steuern ab", habe Säumel gedacht. Kartnig, dem ehemaligen Präsidenten des Clubs, wird schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Auch eine Pensionsversicherung hatte Säumel mit Sturm unterschrieben. Der Verein habe dafür monatlich 7.500 Euro an Prämien eingezahlt. Als er den Club verließ, habe er 260.000 Euro ausgezahlt bekommen. "Ich habe das selbst versteuert, weil es nur Probleme damit gab. Keiner wusste, ob brutto oder netto. Der Steuerberater empfahl mir selbst zu versteuern", erklärte Säumel.

Auch Sidorczuk meinte, dass er damals brutto 30.000 Schilling (2.180 Euro) pro Monat vertraglich geregelt hatte. Mit einem Zusatzvertrag gelangte er später zweimal jährlich zu je 200.000 Schilling (14.535 Euro) netto von einem Sparbuch per Scheck oder Überweisung. "Das habe ich nicht versteuert, das war für mich netto," betonte der nunmehrige Tormann-Trainer von Sturm.

Als der Richter ihn nach versprochenen Schwarzgeldzahlungen fragte, meinte der gebürtige Pole: "Ich konnte kein Deutsch, Schwarzgeld war für mich ein unbekanntes Wort." Das sorgte in den fast vollen Publikumsreihen für Erheiterung. Von Rechnungen einer polnischen Firma an Sturm und darauffolgenden Überweisungen in sein Heimatland in der Höhe von jährlich 400.000 Schilling (29.069 Euro) - exakt jenem Betrag, den er auch gelegentlich vom Sparbuch abheben durfte - wollte der gebürtige Pole nichts gewusst haben.

Noch weniger wusste Strafner von den Details seiner damaligen Sturm-Verträge. Er habe sein Spielergehalt netto auf sein Konto bekommen und ebenfalls eine Pensionsversicherung abgeschlossen, deren Prämien ihm aber von Sturm zur Einzahlung vom Gehalt abgezogen worden seien. Nach Vertragsende habe er sich das Geld daraus auf sein Konto überweisen lassen. "Sonst habe ich keine Zahlungen bekommen, ich bekam auch kein Auto oder eine Wohnung bezahlt", erklärte Strafner. Ähnliches berichtete Wetl.

Ex-Sturm-Star Vastic dagegen, auf den wohl die meisten Gerichtszuschauer an diesem Tag gewartet hatten, war nicht gekommen und hatte für sein Fernbleiben auch im Vorfeld keine Entschuldigung geschickt. Buchgraber verhängte daher die 1.000 Euro Strafe, denn in Österreich besteht Zeugenpflicht. Die Verhandlung soll erst wieder am Dienstag fortgesetzt werden - möglicherweise mit Vastic.

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