Die Bilderbuch-Karriere des David Alaba ist seit Dienstag um ein weiteres Kapitel reicher. Mit seinem abgeklärten Debüt für den FC Bayern im Achtelfinal-Rückspiel der Fußball-Champions-League auswärts gegen Fiorentina schrieb der Teenager neuerlich Geschichte, so wie es ihm in den vergangenen Monaten schon mehrmals gelungen war.

"Aber ich bin bisher auf dem Boden geblieben und werde weiterhin am Boden bleiben. Dafür sorgen schon meine Familie und Freunde", versprach der ÖFB-Rohdiamant im Gespräch mit der Austria Presse Agentur.

Alaba ist Österreichs jüngster Teamspieler (17 Jahre, 3 Monate, 20 Tage) sowie Bayerns jüngster Pflichtspiel- (17 Jahre, 7 Monate, 18 Tage), Bundesliga- (17 Jahre, 8 Monate und 10 Tage) und nun auch Champions-League-Kicker (17 Jahre, 8 Monate und 13 Tage) der Vereinsgeschichte. "Nie im Leben hätte ich geträumt, dass das alles so rasant geht", gab der Sohn eines Nigerianers und einer Philippinin zu.

Bayern-Coach Louis van Gaal informierte seinen Schützling schon zwei Tage vor dem Fiorentina-Match über die bevorstehende Feuertaufe in der Champions League. "Am Spieltag war ich dann angespannt, es war schon eine Nervosität da. Aber die Mannschaft, der Trainer und das ganze Umfeld haben mir viel Vertrauen geschenkt, dadurch ist alles leichter gewesen", erklärte Alaba, dem sogar Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor dem Spiel Mut zugesprochen hatte.

Besonders gut scheint das Verhältnis zwischen dem ÖFB-Youngster und dem großen Bayern-Star Franck Ribery zu sein. So sprintete der Franzose vor zehn Tagen bei seinem Treffer zum 1:0-Sieg über den Hamburger SV, der den Münchnern die Tabellenführung bescherte, schnurstracks zur Bank und umarmte Alaba. "Wir verstehen uns super. Er ist ein Wahnsinns-Typ, es macht riesigen Spaß, mit ihm zu spielen", erklärte der dreifache österreichische Teamspieler.

Als Linksverteidiger hinter dem fast ausschließlich offensiv ausgerichteten Ribery zu agieren, ist keine leichte Aufgabe, zumal Alabas Stärken eigentlich woanders liegen. "Ich sehe mich schon als Mittelfeldspieler und ich denke, das sieht auch der Trainer so", vermutete der Wiener, der für das Viertelfinale keinen Wunschgegner hat. "Das ist mir egal. Wir haben auf jeden Fall großes Potenzial und können in der Champions League noch viel erreichen." Selbst den Titelgewinn wollte der Linksfuß nicht ausschließen. "Das ist unser Traum, und wir werden alles dafür tun, damit er wahr wird."

Ein Champions-League-Triumph ist für Alaba eines von mehreren großen Vorhaben. "Mein Ziel war es immer, so hoch wie möglich zu kommen. Sonst hätte ich auch nicht den Schritt von der Austria zu den Bayern gewagt, denn das war ja ein Risiko, und da hat es auch viele Kritiker gegeben."

Alaba verließ die "Veilchen" im Sommer 2008 in Richtung München. Davor war er unter dem nunmehrigen Teamchef Dietmar Constantini schon als 15-Jähriger in der Bundesliga auf der Bank gesessen. "Einige haben gemeint, man soll sich zuerst in Österreich durchsetzen und dann ins Ausland gehen. Aber ich glaube nicht, dass ich bei der Austria mit 17 mein Champions-League-Debüt gegeben hätte", erklärte Alaba.

An die Austria-Zeiten denkt er noch gern zurück. "Das war wie eine große Familie. Außerdem habe ich noch immer regelmäßigen Kontakt zu vielen Leuten wie zum Beispiel Herbert Gager (Anm.: Austrias U19-Trainer) oder Josef Michorl (Co-Trainer der Profis)", sagte Alaba, dessen Marktwert bereits auf eine Million Euro geschätzt wird, obwohl er erst nach seinem 18. Geburtstag am 24. Juni einen Profi-Vertrag unterschreiben darf.

Der FC Bayern wird versuchen, seinen Rohdiamanten so schnell wie möglich langfristig an sich zu binden - sehr zur Freude von Alaba. "Ich habe bei den Bayern schon viel gelernt und kann weiter viel lernen, wenn ich jeden Tag mit solchen Spielern wie Ribery, Robben, Van Bommel oder Schweinsteiger trainiere."

In den vergangenen Wochen trat Alaba immer mehr aus dem Schatten dieser Top-Stars heraus und wurde für die Medien zum Objekt der Begierde. "Doch das ist kein Problem für mich. Ich versuche weiterhin, mich auf das Wesentliche - den Fußball - zu konzentrieren." Das bedeutet auch, dass Alaba den Versuchungen des Teenager-Alters widerstehen muss. "Ich habe schon bisher auf vieles verzichtet, was Jugendliche sonst machen, um so weit zu kommen, und ich werde das auch weiter tun."

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