Für Martin Stranzl und seinen Club Spartak Moskau beginnt die russische Fußball-Meisterschaft am Sonntag mit einem Knüller. Der Vizemeister eröffnet die Saison mit dem Moskauer Derby gegen Dynamo, das sich in der Winterpause mit Ex-Liverpool-Stürmer Andrej Woronin verstärkte. "Wir werden sehen, ob es gut ist, gleich mit einem so schweren Spiel zu beginnen", sagte der Ex-ÖFB-Teamspieler.

"Die Vorbereitung ist gut gelaufen, die Mannschaft ist eingespielt", sagt Stranzl, der wohl so wie in den letzten Monaten der abgelaufenen Meisterschaft wieder zur Stammformation zählen wird und sich im Titelkampf viel vorgenommen hat. "Bei Spartak ist die Vorgabe immer der Meistertitel, dazu müssen wir noch eine Schippe drauflegen. Aber wenn wir unsere Leistung abrufen, können wir uns nur selbst schlagen", betonte der Innenverteidiger, der neben den Moskauer Konkurrenten Dynamo und Lok auch noch Rubin Kasan, Champion von 2008 und 2009 und seit wenigen Tagen auch Supercup-Sieger, sowie Zenit St. Petersburg zu den aussichtsreichsten Anwärtern zählt.

Deswegen sind die ersten drei Runden laut Stranzl von besonderer Aussagekraft. Nach der Dynamo-Partie geht es auswärts gegen Zenit St. Petersburg und dann vor eigenem Publikum gegen Lok Moskau.

Das vom Energiemonopolisten Gazprom unterstützte Zenit griff in der Transferzeit einmal mehr am tiefsten in die Tasche, so wurde der russische Teamstürmer Alexander Kerschakow von Dynamo Moskau losgeeist und Ex-Roma-Trainer Luciano Spalletti verpflichtet. Auch Kremlchef Dmitri Medwedew würde sich als bekennender Zenit-Fan über einen Triumph des UEFA-Cupsiegers von 2008 freuen.

Für Spannung abseits des Platzes in der von März bis November laufenden Meisterschaft dürften die vier Teams aus der Krisenregion Nordkaukasus sorgen, die sich mittlerweile in der höchsten Liga tummeln. Wegen der politischen Instabilität in der Region und den häufigen Anschlägen islamistischer Rebellen werden die Reisen der Favoriten dorthin sicher kein normaler Betriebsausflug. Die Clubs wie Terek Grosny aus der noch immer von Bürgerkriegen zerrütteten Teilrepublik Tschetschenien oder Aufsteiger Anschi Machatschkala (Dagestan) werden jedoch vor allem gegen den Abstieg spielen.

Gar nicht mehr dabei ist hingegen ein Traditionsclub aus der Hauptstadt. FK Moskau, Sechster der abgelaufenen Saison, wurde ein Opfer der Finanzpolitik, die viele Clubs am Tropf von Sponsoren hängen lässt. Das frühere Torpedo Moskau musste sich wegen gekappter Geldzusagen zurückziehen.

   Trotz eines kurzen Booms nach der erfolgreichen EURO 2008 ist in Russland das Interesse an der heimischen Liga gering. Selbst bei den zahlreichen Moskauer Stadtderbys - 4 der 16 Teams kommen aus der Hauptstadt - bleiben meist viele Plätze leer. Fußball ist hinter Eishockey weiter nur die Sportart Nummer zwei, daran änderte auch das frühe Aus der Kufen-Cracks bei Olympia nichts.

   Frauen und Kinder sind kaum in den Fußballstadien zu sehen. Weite Reisen - die Erstligisten kommen aus so entfernten Gegenden wie der Ostsee und Sibirien -, hohe Eintrittspreise, oft marode Arenen sowie die verbreitete Gewalt schrecken die Zuschauer vom Spielbesuch ab. Viele Fans hoffen, dass Russland den Zuschlag für die Weltmeisterschaft 2018 oder 2022 erhält und so die notwendige Modernisierung vorangetrieben wird.

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