Trotz angespannter Personallage und zuletzt schlechter Ergebnisse brennt die Wiener Austria auf den Sonntag-Schlager der österreichischen Fußball-Bundesliga gegen Meister und Tabellenführer Salzburg (15.30 Uhr). "Spiele gegen Salzburg sind immer ein besonderer Anreiz, Salzburg ist die beste Mannschaft Österreichs", sieht sich Austria-Trainer Karl Daxbacher in der Außenseiterrolle.

Als Extramotivation dient den Wienern ihr Ärger übers Zustandekommen der 0:2-Niederlage am vergangenen Sonntag im heiß diskutierten Derby gegen Rapid. Mit einem Heimsieg, den es im ersten Saisonduell im Horr-Stadion dank der laut Daxbacher besten Saisonleistung zu feiern gab (1:0), könnte die Austria noch einmal für etwas Spannung im Titelkampf sorgen. Vor dem Schlager der 25. Runde führen die Salzburger sechs Punkte vor Rapid und jeweils neun vor Sturm und Austria.

Daxbacher weiß aber: "Es bedarf einer Sonderleistung, um gegen Salzburg zu bestehen." Auch, weil die Austria mit Spielgestalter Milenko Acimovic, Mittelfeld-Rackerer Julian Baumgartlinger (beide gesperrt) sowie Einser-Goalie Szabolcs Safar (Schulter-OP) drei Stützen vorgeben muss, mit Abwehrorganisator Jacek Bak (Oberschenkelprobleme) ist eine vierte fraglich. Daxbacher gab zu, dass Acimovic im Austria-Kader einzigartig ist, "aber wir müssen sein Fehlen durch die Stärken anderer Spieler wettmachen".

Bei den Austrianern noch lange nicht verflogen ist der Frust über die Schiedsrichterleistungen im Derby, das durch einen umstrittenen Elfmeter vorentschieden wurde. "Es ist ein Gefühl der Ohnmacht, man muss das hinnehmen. Das heißt aber nicht, dass Zorn und Enttäuschung verflogen sind", so Daxbacher. Für neuen Zündstoff sorgt eine Aussage von Austrias Zlatko Junuzovic auf der Club-Website: "Wenn Steffen Hofmann 'Grobi' zu Schiedsrichter Gerald Grobelnik sagt, dann kann sich jeder ausrechnen, was es geschlagen hat."

Austria-Vorstand Thomas Parits sieht diese Anekdote als "extrem provokant" an. "Hofmann spricht den Schiedsrichter wie einen Freund an, das ist doch provozierend." Auch Salzburg-Trainer Huub Stevens hat zur Elfer-Entscheidung im Hanappi-Stadion eine klare Meinung: "Wenn das ein Elfer war, dann falle ich vom Stuhl."

Die Red-Bull-Bilanz im Horr-Stadion ist mit einem Sieg bei jeweils vier Remis und Niederlagen nicht berauschend. "Ich lass mich überraschen, was da auf uns zukommt. Aber wenn wir unsere Leistung bringen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir das Spiel erfolgreich gestalten werden", war Stevens vor der Reise nach Wien trotz der Statistik überzeugt. Der bisher einzige Sieg der "Bullen" im Horr-Stadion gelang am 9. Dezember 2006 mit einem 2:0.

Auch die Salzburger müssen einen wichtigen Mann ersetzen, Abwehrchef Ibrahim Sekagya fällt nach seiner Meniskus-OP länger aus. Über eine Vorentscheidung im Titelkampf will Stevens auch im Falle eines Sieges nicht sprechen. "Aber jedes Spiel gegen Ende einer Meisterschaft ist sehr, sehr wichtig."

Die Austria wird die Partie, zu der sie sich mehr als 10.000 Fans erhoffen, ausnahmsweise nicht in violetten, sondern in roten Dressen bestreiten. Selbst die Schuhbänder der Austrianer und der Spielball werden diesmal komplett rot sein. Die Wiener beteiligen sich damit - ausgerechnet gegen die Roten Bullen aus Salzburg - an der Anti-Aids-Kampagne (RED) ihres Ausrüsters Nike.

Die Trikots werden nach dem Match unterschrieben und versteigert, der Erlös kommt zur Gänze der Kampagne gegen Aids zugute. "Das Horr-Stadion wird am Samstag ausnahmsweise in Rot erstrahlen. Wir sind sehr stolz, Teil dieser Aktion zu sein", meinte Austrias Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel