Die Anklage der Staatsanwaltschaft Graz gegen den früheren Sturm-Graz-Präsidenten Hannes Kartnig ist am Donnerstag seinen Rechtsvertretern zugegangen. Die Rechtsanwälte Richard Soyer und Michael Pacher äußerten sich u.a. "insofern positiv", als durch das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft einige Vorwürfe wie Untreue und Veruntreuung nicht mehr in der Anklageschrift zu finden seien.

Laut Staatsanwalt Hans-Jörg Bacher ist Kartnig wegen des Finanzvergehens der Abgabenhinterziehung, betrügerischer Krida, schweren Betrugs und grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen angeklagt. Angeklagt ist auch u.a. der ehemalige Sportdirektor Heinz Schilcher sowie fünf Ex-Vorstände, für alle gilt die Unschuldsvermutung.

Zu den Vorwürfen in der Anklage würden sich die Verteidiger und Kartnig selbst "zu allererst und ausschließlich gegenüber dem Gericht äußern", wurde seitens der Rechtsanwälte mitgeteilt. Laut Staatsanwaltschaft werde Kartnig das Finanzvergehen der Abgabenhinterziehung zur Last gelegt. Dieser soll im Zeitraum 1998 bis August 2006 in seiner Funktion als Präsident des Fußballclubs SK Sturm Graz Lohnsteuer und Dienstgeberbeiträge zum Ausgleichsfonds für Familienbeihilfen in der Höhe von insgesamt rund 8,4 Millionen Euro hinterzogen haben. Als Geschäftsführer seiner Werbeunternehmen sowie als Einzelunternehmer habe er weiters im Zeitraum 2000 bis Mai 2006 Umsatzsteuer, Körperschaftssteuer, Kapitalertragssteuer und Einkommensteuer in der Höhe von insgesamt rund 1,6 Millionen Euro hinterzogen.

Bei der Hinterziehung von Lohnabgaben von Sturm Graz wird dem ehemaligen Sekretär, dem ehemaligen Sportdirektor sowie fünf früheren Vorstandsmitgliedern Beitragstäterschaft "insbesondere dadurch angelastet, dass sie Kartnig bestärkten, nicht erklärte Lohnzahlungen an Fußballspieler und Trainer zu erbringen".

Geklagt wird weiters wegen grob fahrlässiger Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen. Neben Kartnig als unmittelbarem Täter wird den fünf Ex-Vorstandsmitgliedern (als Beitragstätern) wird zur Last gelegt, im Zeitraum 1998 bis Oktober 2006 durch Neu- und Weiterverpflichtung von Profikickern sowie Bezahlung überhöhter Gehälter an Spieler und Trainer übermäßigen Aufwand getrieben und die Geschäftsbücher mangelhaft geführt zu haben.

Dadurch sei die Zahlungsunfähigkeit des Vereins herbeigeführt und nach Eintritt der Zahlungsunfähigkeit die Bedienung der Ansprüche von Vereinsgläubigern vereitelt oder geschmälert wurde. Den beiden von Herbst 2000 bis 2005 tätigen Rechnungsprüfern wird dabei Beitragstäterschaft durch mangelhafte Ausübung ihrer Kontrollfunktionen vorgeworfen.

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