Mit einem neuen Millionen-Vertrag vom DFB in der Tasche hat sich Deutschland-Teamchef Joachim Löw in den zweiwöchigen Urlaub begeben, um vom Fußball-WM-Stress abzuschalten und Ruhe für kommende Aufgaben zu finden. Die erste, das umstrittene Länderspiel am 11. August in Kopenhagen gegen Dänemark, könnte auch die heikle Frage nach dem Teamkapitän beantworten. Michael Ballack oder Philipp Lahm?

Die Betonung liegt auf könnte, denn es ist noch gar nicht sicher, ob beide Kandidaten auch im ersten DFB-Aufgebot nach Südafrika aufscheinen werden. Ballack kämpft nach seiner schweren Fußverletzung in Leverkusen um Fitness und Comeback. Man müsse abwarten, "ob es reicht für Dänemark", bemerkte Löw skeptisch. Lahm könnte ebenfalls fehlen, weil Löw der harschen Kritik von Top-Vereinen wie dem FC Bayern Rechnung tragen will.

Die Münchner und andere fordern den Verzicht auf ihre geschlauchten WM-Stammkräfte in Kopenhagen. "Im speziellen Fall werde ich vor der Nominierung noch mit allen Trainern sprechen, was letztlich Sinn macht", beruhigte der Bundestrainer Bayern-Coach Louis van Gaal, der um Verständnis gebeten hatte. Der Niederländer appellierte an die FIFA, auf einen solchen Termin wie den 11. August zu verzichten. Den WM-Viertelfinalisten sollte nach dem Turnier eine Schonfrist eingeräumt werden.

Zurück zur Causa Ballack. In dieser muss sich Löw früher oder später deklarieren. Der Kampf um die Kapitänsschleife wird dabei nur ein Aspekt sein. Lahms Wunsch, über die WM hinaus Kapitän bleiben zu wollen, nannte der frühere Tirol- und Austria-Trainer "legitim", aber er betonte auch: "Ich habe Philipp und Michael gehört, dass es letztlich eine Entscheidung des Trainers ist." Ballack wäre während der EM 2012 in Polen und der Ukraine 35 Jahre, die Zeit läuft damit gegen den 98-fachen Teamspieler.

Bei Jens Lehmann und Torsten Frings hat Löw bewiesen, dass Verdienste irgendwann nicht mehr zählen. Leistung und Perspektive sind wichtiger und Ballack wird sich seinem Ersatz und "WM-Gewinner" Sami Khedira stellen müssen. Er hat aber auch Fürsprecher im Team: Gerade Bastian Schweinsteiger verwies darauf, dass der deutschen Rasselbande in Südafrika zum großen Coup auch Erfahrung fehlte, über die Ballack wie kaum ein anderer Teamspieler verfügt.

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