Geht es nach Markus Berger, dann bekommt es Rapid am Donnerstag (21.05 Uhr/live Puls4 und Sky) zum Auftakt der Gruppenphase in der Fußball-Europa-League mit einem schier übermächtigen Gegner zu tun. Der Salzburger spielt derzeit seine vierte Saison mit Academica Coimbra im portugiesischen Oberhaus und hat in dieser Zeit schon mehrmals unliebsame Bekanntschaft mit der Stärke des FC Porto gemacht.

Der zweifache Sieger des wichtigsten Europacup-Bewerbes (Meistercup 1987, Champions League 2004) beendete die vergangene Meisterschaft zwar nur auf Rang drei, drückte der neuen Saison aber schon seinen Stempel auf - nach vier Siegen in den ersten vier Runden beträgt der Vorsprung auf den ersten Verfolger Vitoria Guimaraes bereits vier Punkte.

"Porto hat einen Kader auf Champions-League-Niveau und ist großer Titelfavorit", erklärte Berger. Die Abgänge von Bruno Alves um 22 Millionen Euro zu Zenit St. Petersburg und Raul Meireles um 14 Mio. Euro zu Liverpool hat der dominante portugiesische Club der vergangenen drei Jahrzehnte scheinbar problemlos verkraftet. "Das ist eine junge Mannschaft mit einem herausragenden Mittelfeld. Alle Spieler haben hohe technische Qualität, sind schnell und auch im Spielrhythmus stark", analysierte der österreichische Innenverteidiger.

Herausragender Kicker sei der bullige Brasilianer Hulk, der im 4-3-3-System über rechts kommt und Goalgetter Falcao ebenso mit Vorlagen füttert wie Varela über links, vor dem Berger besonders warnt: "Er ist technisch stark, schnell und immer gefährlich." Defizite ortet der 25-Jährige noch am ehesten in der Innenverteidigung und beim rechten Außenverteidiger Sapunaro. "Aber das sind nur unter Anführungszeichen Schwachpunkte, überall sonst sind sie absolut topbesetzt. Und sie werden mit der Einser-Garnitur spielen, denn sie wollen unbedingt die Europa League gewinnen."

Berger schwärmt aber nicht nur von der Mannschaft, sondern auch vom Trainer des FC Porto. Der 33-jährige Andre Villas-Boas begann beim portugiesischen Großclub im Alter von 24 Jahren als Assistent von Jose Mourinho, dem er nach dem Gewinn des UEFA-Cups 2003 und der Champions League 2004 zu Chelsea und in der Folge auch zu Inter Mailand folgte. Im Oktober 2009 übernahm er sein erstes Amt als Cheftrainer beim damaligen Tabellenletzten Academica, den er zu Endrang elf führte, ehe er im Juni zum FC Porto zurückkehrte.

"Das Training, das er bei uns aufgezogen hat, war extrem beeindruckend. Er ist ein absoluter Top-Trainer, der sicher viel von Mourinho gelernt hat", vermutet Berger.

Langfristiger Erfolgsgarant des 24-fachen Meisters ist allerdings weniger der Trainer als das Scouting-System. "Porto ist vor allem in Südamerika sehr gut vernetzt und macht immer extrem gute Einkäufe, die dann nach ein, zwei Jahren teuer weiterverkauft werden", sagte Berger über den Verein, der nach Angaben des Fachmagazins "kicker" seit 2005 einen Transferüberschuss von über 205 Millionen Euro erzielte und dennoch mit 150 Millionen Euro verschuldet ist.

Trotz aller Bewunderung für Porto machte Berger Rapid auch Mut. "Wer Aston Villa ausgeschaltet hat, kann auch gegen Porto bestehen. Unlösbar ist die Aufgabe nicht, aber Rapid muss extrem kompakt stehen. Eine Eins-zu-Eins-Situation kann man immer verlieren, doch dann muss gleich der nächste Spieler da sein", so der Rat des Abwehrspielers, der mit Academica nach einem sensationellen Start auf Platz drei liegt und zuletzt sogar bereits als Torschütze in Erscheinung getreten ist.

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