Endlose Diskussionen, kaum Veränderungen - zumindest für die Athleten keine merkbaren. Die Fragen zur Erhöhung der Sicherheit im alpinen Ski-Rennsport erregen weiter die Gemüter. "Es geht überhaupt nichts weiter. Die Entscheidungen werden viel zu langsam getroffen. Und wenn welche getroffen werden, dann großteils die falschen", fand Österreichs Vorzeigerennläufer Benjamin Raich klare Worte.

Dabei dürfte im Hintergrund seitens des Internationalen Skiverbands (FIS) emsig gearbeitet werden. Produktive Ergebnisse lassen allerdings nach wie vor auf sich warten. "Vielleicht hat man ein bisschen zu spät begonnen, die Gedanken konstruktiv zu verfolgen", merkte der neue ÖSV-Herren-Cheftrainer Mathias Berthold angesichts der bisher eher brotlos anmutenden FIS-Kunst an.

Die FIS wird mit Sicherheit am Freitag im Rahmen des Forum Alpinum in Sölden einen Master Plan präsentieren. Eine der jetzt schon bekannten Maßnahmen war die Gründung einer Arbeitsgruppe, in der sich unter dem Vorsitz von Ex-ÖSV-Herren-Cheftrainer Toni Giger u.a. Pernilla Wiberg, Kjetil Andre Aamodt, Marco Büchel ihre Köpfe über die Zukunft des alpinen Skisports zerbrechen.

Giger betont, dass es nun eine Zeit der Analysen und Datensammlung braucht, um sinnvolle Maßnahmen zu setzen: "Das ist ein sehr komplexes Thema. Von Schnellschüssen halte ich nichts, fürs Frühjahr erwarte ich jedoch entsprechende Konsequenzen." Genau dieses Aufschieben und Warten nervt die Athleten mittlerweile aber gewaltig.

"Es gehört an verschiedenen Schrauben gedreht", fordert Raich. Vor allem an der Kurssetzung. Die Athleten wollen ihren Fans nach wie vor spektakuläre Bilder bieten, allerdings mit halbwegs kontrolliertem Tempo. Beim Material hat Raich ebenfalls sehr klare Vorstellungen: "Die Ski müssen länger und schmäler werden. Dann wäre viel geschehen."

"Stürze werden dennoch weiter passieren", weiß auch Raich. Aber im Fall von schweren Stürzen müsse dann eben die Rettungskette perfekt stimmen. Zunächst der reibungslose Abtransport per Hubschrauber. Danach eine best mögliche Versorgung im Spital. "Dort sollten trotz Wochenende die besten Ärzte Dienst haben", forderte Raich, der allerdings nicht nur die FIS, sondern auch die Verbände und Skifirmen zu mehr Entschlossenheit und Einigkeit aufforderte.

Auch Gesamtweltcupsieger Carlo Janka fragt sich: "Wo soll man die Hebel ansetzen? Sicher wären wir froh, wenn mal was passieren würde." Nach Saisonende seien Trainer, Athleten, Serviceleute und Skifirmen befragt worden, er habe auch bereits erste Resultate gesehen. Wo der Schweizer ansetzen würde? "Bei der Entschleunigung, das wäre schnell und einfach zu machen und würde viel bringen. Im Fernsehen sieht man die Geschwindigkeit ohnehin nicht. Das ist eines der Kerndinge, es gibt aber viele andere Faktoren."

Sehr gewünscht hatte sich Nicole Hosp, dass sich bis zu ihrer Rückkehr in den Weltcup nach einjähriger Verletzungspause wegen eines Kreuzbandrisses etwas auf dem Sicherheitssektor tut. "Im Hintergrund passiert schon was, aber nichts, was uns Athleten jetzt betrifft. Jetzt fängt wieder die Saison an und für die Athleten hat sich überhaupt nichts geändert, das ist traurig in meinen Augen", musste sie stattdessen feststellen.

Sie versuche einerseits, nicht so viel darüber nachzudenken, aber andererseits sei dies eine Thematik, mit der sie selber jeden Tag konfrontiert sei. "In den letzten zwei Jahren, seit die neuen Ski da sind, ist es einfach extrem geworden. Zu Beginn der vergangenen Saison haben sich wieder so viele schwer verletzt und es passiert trotzdem nichts - ich finde das einfach schwach."

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