Was Mitte September befürchtet wurde, ist nun eingetreten: Ein Spiel der Fußball-Regionalliga West wurde am Donnerstag aus Sicherheitsgründen untersagt. Herbert Lener, Obmann von Aufsteiger Union Innsbruck, erhielt den Bescheid der Sicherheitsabteilung der Stadt Innsbruck, wonach das für Samstag geplante Spiel gegen Austria Salzburg, ebenfalls ein Aufsteiger, nicht durchgeführt werden darf.

"Seit einer Woche habe ich schon Kopfweh, wusste um die Problematik, jetzt ist es halt endgültig", atmete Lener im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur fast auf. "Welche Konsequenzen dieser Bescheid mit sich bringt, ist mir und meinen Verein auch egal. Wir würden auch eine 0:3-Strafverifizierung in Kauf nehmen. Verbandstrafe werden wir sicher keine zahlen", sagte Lener. Über Konsequenzen wie Strafverifizierung oder ein 0:0 am grünen Tisch wird die Regionalliga-Kommission erst nächste Woche entscheiden.

Schon Mitte September thematisierte die WSG Wattens, Tabellenführer der Westliga, diese Problematik und wollte das Heimspiel gegen die Salzburger "Veilchen" absagen. Ein Sicherheitsgipfel brachte schließlich nach Zugeständnissen von Austria Salzburg ein Einlenken der Wattener. Die Partie mit Wattens-Sieg verlief ohne Zwischenfälle, der Tiroler Werksclub blieb auf 12.000 Euro Sicherheitskosten sitzen.

Doch vor zwei Wochen eskalierte beim Hochsicherheitsspiel der Amateure des FC Wacker Innsbruck gegen Austria Salzburg (3:1) die Situation im Tivoli neu: Rund 600 Innsbrucker standen 700 Salzburger Veilchen gegenüber. Es gab wüste Provokationen, Scharmützel und heftige Handgreiflichkeiten, einige Fans und auch ein Polizist mussten im Krankenhaus behandelt werden.

"So eine Gewaltbereitschaft habe ich noch nie erlebt", erklärte Elmar Rizzoli, Leiter der Sicherheitsabteilung der Stadt Innsbruck, auf APA-Anfrage. Er habe während der EURO 2008 viel mit Fans zu tun gehabt, er habe mit Rapid-Hooligans und vielen anderen schon beste Kontakte gehabt. "Aber vor zwei Wochen, das waren vermummte Fans, mit Schlagstöcken, Zahnschutz, die sind nur auf Provokation aus gewesen. Ich konnte nicht anders entscheiden, als einen negativen Bescheid zu erlassen."

Auch die Sicherheit in der Stadt wäre aufgrund der Lage des Union-Platzes, der sich direkt neben der historischen Altstadt befindet, nicht gegeben gewesen. Und Rizzoli bedauert auch die mangelnde Kooperationsbereitschaft der Salzburger, die nicht bereit waren, eigene Ordner und Fanbeauftragte der Polizei zu stellen. "In der Bundesliga ist dies üblich und funktioniert hervorragend."

Salzburg hätte sich, laut Aussage von Union-Obmann Lener, nur zu einem Platztausch bereiterklärt. "Das konnten wir so kurzfristig nicht realisieren und das würde das Problem nur ins Frühjahr vertagen. Wir brauchen nun eine endgültige Lösung, auch bezüglich der Verifizierung der Spiele. So ist das Ganze ja wettbewerbsverzerrend", forderte Lener, der dabei auch Tirols ÖFB-Landespräsidenten Josef Geisler und seinen Salzburger Kollegen Herbert Hübel kritisierte, indem er ihnen Negieren der Tatsachen und Untätigkeit vorwarf.

"Für unseren Verein hätte dieses Spiel den Konkurs bedeutet", rechnete Lener vor. Am Fenner-Areal, das der Stadt Innsbruck gehört, auf dem die Union nur Mieter ist, wären rund 400 Polizisten für vier Stunden, dazu 200 Ordner vorgeschrieben gewesen. "Alleine die Polizei hätte uns über 20.000 Euro gekostet, dazu käme noch Feuerwehr, offizielle Security und Rettung. Unmöglich", sagte Lener.

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