Alle lieben Aspen! Romantisch und zugleich mondän, locker und gleichzeitig chic, vor allem aber sündteuer ist das einstige Silberminen-Städtchen in Colorado, das sich zur reichsten Stadt der USA gemausert hat und in dem sich halb Hollywood trifft. Seit 1968 werden im WM-Ort von 1950 auch Ski-Weltcuprennen gefahren. Die Damen gastieren am kommenden Wochenende zum siebenten Mal in Folge.

Die Damenrennen in Aspen bilden quasi Deckel und Boden des Weltcup-Sandwiches, in dessen zeitlicher Mitte die beiden schmackhaften Herren-Speed-Rennen im kanadischen Lake Louise liegen. In Aspen fuhren die Herren 2001 zum bisher letzten Mal. Die nächtliche Rocky-Mountain-Fahrradtour von Hermann Maier und Andreas Schifferer mit anschließender Verhaftung drei Jahre davor trägt daran aber keine Schuld.

In Aspen hat es diesmal vier Wochen vor Weihnachten Schnee wie schon lange nicht mehr um diese Jahreszeit und gemeint ist hier ausnahmslos das natürliche Weiß. Das und Thanksgiving sorgen am reisestärksten Wochenende der USA traditionell für einen Gäste-Ansturm. Logisch, dass mit dem Aspen Mountain ein weiteres der vier Skigebiete rund um Aspen aufgesperrt hat.

Aspen ist einzigartig. Ein Wintersport-Mekka, aber auch ein höchst kulturelles Städtchen, in dem das Leben floriert und im Sommer ein Festival das andere ablöst. Leben und leben lassen ist unter den Bewohnern, den "Aspenites", oberste Maxime. Nirgendwo sonst können daher Stars aller Metiers so unverkrampft leben wie hier.

Häuser kosten im Schnitt 1,5 Mio. Dollar (1,125 Mio. Euro), jene von Kevin Costner, Sängerin Cher oder Charlie Sheen mit Sicherheit ein Vielfaches davon. Auch Radstar Lance Armstrong lebt und trainiert hier auf 2.400 m Seehöhe. Wer es sich leisten kann, in Aspen nicht nur in die glitzernden Auslagen zu starren, sondern danach auch die Kreditkarte zu zücken, hat es irgendwie geschafft.

Aspen hat zudem reiche und auch vielfach von Österreichern wie dem Skipionier Friedl Pfeifer importierte Ski-Tradition. 1950 fand hier sogar eine Ski-WM statt, Trude Jochum-Beiser, Erika Mahringer und Dagmar Rom holten sechs der sieben ÖSV-Medaillen. Schon damals war Aspen also "Frauensache".

Beim "Winternational" wird seit dem Vorjahr nicht nur um Preisgeld und Punkte, sondern auch um Bäume gefahren. Für die Siegerinnen werden Blautannen gepflanzt, irgendwann soll es einen "Sieger-Hain" neben der Piste geben.

Für die US-Damen ist Aspen die einzige Möglichkeit, sich dem Heimpublikum zu präsentieren. Und dieses beginnt auch schön langsam zu begreifen, was da eigentlich vor sich geht. War man vor wenigen Jahren im Ziel der "Truthahnrennen" noch mehr oder weniger unter sich, haben zuletzt immer mehr der partywütigen Fans "trotz" Thanksgiving den kurzen Weg in den am Ortsrand liegenden Zielraum gefunden.

Die Amerikanerinnen nutzten auch ganz ungeniert den Heimvorteil und trainierten zwei Tage auf dem anspruchsvollen Rennhang. "In Aspen zu fahren ist immer etwas ganz Besonderes", schwärmte auch die dreifache Weltcup-Gesamtsiegerin Lindsey Vonn.

Die US-Amerikanerin und Freundin der Weltcup-Führenden Maria Riesch passt wie ihre kapriziöse Landsfrau Julia Mancuso perfekt nach Aspen. Die 27-jährige Vonn ist zuletzt immer mehr in die Hollywood-Glitzerwelt eingetaucht und fühlt sich unweit ihrer neuen Wahlheimat Vail pudelwohl. Zudem wird auch diesmal wieder die komplette "Vonntourage" antanzen. Mit dabei sind auch zwei Tanten aus Wisconsin, die Lindsey seit ihrem 12. Lebensjahr nicht mehr gesehen haben.

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