Der italienische Polizist Luigi S., der für den Tod an einem Lazio-Fan im Jahr 2007 verantwortlich gemacht wird, ist am Mittwoch von einem Berufungsgericht in Florenz zu neun Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Der Beamte hatte den 27-jährigen Lazio-Anhänger auf einer Autobahnraststätte unweit von Arezzo tödlich getroffen. Das Gericht verurteilte Sandri wegen Totschlags.

Erstinstanzlich war der Polizist im Juli 2009 wegen Fahrlässigkeit zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Die Staatsanwälte hatten für den Polizisten 14 Jahre Haft gefordert. Nach der Urteilsverkündung kam es im Gerichtssaal zu Applaus von Lazio-Fans, Angehörigen und Freunden des Todesopfers. Diese hatten um eine Verurteilung des Polizisten wegen Totschlags gekämpft. Die Rechtsanwälte des Angeklagten, der nicht vor Gericht erschienen war, wollen beim Kassationsgericht in Rom, der dritten und letzten Instanz im italienischen Strafsystem, Einspruch gegen das Urteil einlegen.

Der Angeklagte hatte vor Gericht betont, der tödliche Schuss habe sich versehentlich aus seiner Dienstwaffe gelöst. Er habe erst einen Warnschuss in die Luft abgegeben, der zweite Schuss habe sich beim Laufen gelöst. Er habe "auf niemanden gezielt". Laut Vorschrift hätte der Polizist die Dienstwaffe nach Warnschuss weglegen müssen. Die abgefeuerte Kugel war offenbar durch die Heckscheibe in Sandris Auto eingedrungen.

Der Fan befand sich mit Freunden auf dem Weg zum Auswärtsspiel seines Clubs bei Inter Mailand auf einem Autobahnrastplatz. Hier soll es zu Krawallen mit einigen Juve-Fans gekommen sein. Nach Sandris Tod war es in der Serie A vor vielen Spielen zu schweren Ausschreitungen und Angriffen auf die Ordnungskräfte gekommen. Eine Gruppe von etwa 400 Hooligans griff eine Polizeikaserne in Rom an.

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