Spaniens Fußball-Elite hat die besten Kicker und die besten Trainer der Welt, das Land ist amtierende Welt- und Europameister, aber die Idylle ist getrübt, der Schein trügt. Über dem spanischen Fußball-Imperium kreist der Pleitegeier. Die Profi-Vereine drückt eine Schuldenlast von insgesamt fünf Milliarden Euro.

Davon entfallen mehr als 3,5 Mrd. Euro auf die Clubs der Primera Division. Das ist fast zum Beispiel sechsmal so viel wie der gesamte Schuldenberg der ersten deutschen Bundesliga. Sechs spanische Clubs sind praktisch bankrott. "Das Geschäftsmodell des Fußballs in Spanien ist nicht länger tragbar", meint das Magazin "Interviu". Es vergleicht die Liga mit dem großen Bau-Boom in Spanien, der vor zwei Jahren wie eine Blase geplatzt ist.

Dabei wird Spanien in aller Welt um seine Fußballer beneidet: Den Titel des Weltfußballers 2010 machen drei Stars des FC Barcelona - Andres Iniesta, Xavi und Lionel Messi - unter sich aus. Auch die drei Kandidaten für die Wahl des besten Trainers - Josep Guardiola, Jose Mourinho und Vicente del Bosque - sind alle im Land des Weltmeisters aktiv.

Aber die spanischen Clubs leben seit Jahren über ihre Verhältnisse. Wenn es allein nach wirtschaftlichen Kriterien ginge, hätte die Primera Division den Betrieb längst einstellen müssen. Allein in der vorigen Saison machten die Vereine nach Angaben der Zeitschrift Verluste von 733 Millionen Euro. Nur die beiden Spitzenclubs FC Barcelona und Real Madrid erzielten Gewinne.

Die anderen Vereine kommen nur deshalb über die Runden, weil der Staat, die Gemeinden oder öffentliche Sparkassen einspringen. Sechs Clubs - der Valencia CF, FC Malaga, RCD Mallorca, Racing Santander, Sporting Gijon und der Zweitligist Betis Sevilla - mussten zur Abwendung eines Bankrotts vor Gericht ziehen und Gläubigerverfahren einleiten.

Der größte Gläubiger ist der Fiskus. Dem Finanzamt und der Sozialversicherung sind die Clubs 632 Millionen Euro (Stand von 2008) schuldig. Hätte der Staat dieses Geld eingetrieben, hätte er den spanischen Rentnern die jüngsten finanziellen Einschnitte teilweise ersparen können, betonte der Parlamentarier Francisco Jorquera.

Die spanische Profi-Liga (LFP) droht den Vereinen, die mit ihren Zahlungen an Spieler und Trainer oder bei den Ablösesummen nicht auf dem Laufenden sind, mit dem Zwangsabstieg. Sie interessiert sich aber nicht dafür, welche Schulden die Clubs bei Gläubigern außerhalb des Fußballbereichs haben.

"Die spanischen Instanzen sind nicht bereit, Sanktionen gegen überschuldete Vereine zu verhängen", betont der Ökonom Juan Francisco Corona und plädiert für ein Eingreifen der Europäischen Fußball-Union. "Die Lösung muss von der UEFA kommen." Einen ersten  Schritt in diese Richtung gab es bereits. Im vorigen Sommer verweigerte die UEFA dem RCD Mallorca aufgrund der prekären Finanzlage die Zulassung zur Europa League - obwohl die Insulaner sich sportlich für den Wettbewerb qualifiziert hatten.

Eine der Ursachen der Misere liegt darin, dass Barca und Real den Großteil der TV-Gelder kassieren. Die kleineren Vereine verlangen seit Jahren eine gerechtere Aufteilung. Die Großen lehnen dies jedoch ab mit der Begründung, dass sie bei einer Kürzung ihrer TV-Einnahmen im Europacup an Konkurrenzfähigkeit einbüßen würden.

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