Nach dem verkorksten Weltcupauftakt haben sich die österreichischen Biathleten für die Heimbewerbe in Hochfilzen eine deutliche Steigerung vorgenommen. Allerdings ist man im ÖSV-Lager nach den Erkrankungen wegen einer Trinkwasserverunreinigung mit Prognosen vorsichtig. Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit von Christoph Sumann, Dominik Landertinger und Co. für das Wochenende ist noch schwierig.

Die aus den vergangenen Saisonen so erfolgsverwöhnten Skijäger müssen vor erwarteten 35.000 Zuschauern diesmal wohl kleinere Brötchen backen. "Das ist eine schwierige Situation für uns alle, aber wir haben ja noch ein paar Tage", erklärte ÖSV-Biathlon-Chef Markus Gandler im Gespräch mit der Austria Presse Agentur. "Wir probieren auch von der medizinischen Seite alles. Wenn alle gesund sind, bin ich mir sicher, dass die Leistungen passen. Ich hoffe nur, dass die Zeit nicht zu kurz ist, ich will aber nicht Schwarzmalen."

Beim Auftakt in Schweden hatten nahezu alle Teammitglieder mit Magenschmerzen, Durchfall samt Gewichtsverlust und Gliederschmerzen infolge des mit Parasiten (Kroyptosporidien) verseuchten Wassers zu kämpfen gehabt. Dementsprechen blieben Spitzenplätze aus. "Es tut mir für die Fans leid. Schuld sind nicht die Athleten, sondern die Kroyptosporidien", beklagte Simon Eder. "Für Hochfilzen will ich keine leeren Versprechungen machen", so der Salzburger weiter. Mit "Schonkost" am Teller und im Training will er noch "das Bestmögliche" herausholen.

Bis wenige Tage vor Saisonbeginn hatte noch große Zuversicht geherrscht und es war zurecht mit Stockerlrängen spekuliert worden. Aufgrund der Erkrankungen waren die ÖSV-Athleten, wie etwa auch das schwedische Team, aber großteils nur Mitläufer. "Unserer Ziele sind einfach höher, alles andere als ein Top-Ten-Ergebnis ist ein verlorenes Rennen", betonte der noch am wenigsten von dem Parasitenbefall beeinträchtigte Daniel Mesotitsch.

Sein Sportlicher Leiter Gandler erzählte, dass dem Athleten leichtes Training keinerlei Probleme bereite. Finalen Aufschluss werden aber erst intensive Belastungen am Mittwoch und Donnerstag geben. "Prognosen sind diesmal sehr schwierig. Für Otto-Normal-Verbraucher hinter dem Schreibtisch ist so ein Parasitenbefall ja nicht das große Problem, aber in der Liga musst du 100 Prozent fit sein. Wir versuchen jedenfalls alles - die Hoffnung stirbt zuletzt. Es mit der Brechstange zu versuchen, ist aber gefährlich", warnte Gandler.

Der vorzeitig aus Schweden abgereiste Massenstart-Weltmeister Landertinger und auch der Olympia-Zweite Sumann sind durch die ausgebliebenen Spitzenresultate im Gesamtweltcup bereits frühzeitig ins Hintertreffen geraten. Landertinger hatte sich natürlich für seine Heimrennen besonders viel vorgenommen, nun hofft der Hochfilzener mit dem Auslassen zweier Bewerbe richtig gepokert zu haben. "Er hat sicher Kräfte gespart und sich auch länger erholen können", sagte Gandler zu dessen besseren Aussichten.

Im Gegensatz zu den ÖSV-Athleten zeigte sich vor allem die norwegische Konkurrenz angeführt von Superstar Ole Einar Björndalen und Emil Hegle Svendsen zum Auftakt in beneidenswerter Frühform. Damit sind die Norsker auch in den zwei Einzelrennen (Sprint und Verfolgung) und noch vielmehr in der Staffel zum Abschluss die Top-Favoriten. In Hochfilzen haben die Österreicher aus dem Vorjahr einen Podestplatz von Eder in der Verfolgung und Staffel-Sieg zu verteidigen. Der zweite Rang von Eder ist bis dato sogar das bisher einzige Top-Drei-Ergebnis in einem Einzelbewerb in der Hochfilzener Weltcupgeschichte.

Für die ÖSV-Damen wäre hingegen auch heuer die Qualifikation für die Verfolgung der besten 60 aus dem Sprint bereits ein Erfolg. Mit der in Östersund noch nicht dabei gewesenen deutschen Doppel-Olympiasiegerin Magdalena Neuner gibt im Pillerseetal eine Weltcup-Mitfavoritin ihre Saisonpremiere.

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