Die zunehmende Gewalt zwischen Fußball-Fans erschüttert die südpolnische Stadt Krakau. Ein Anhänger des Vereins Cracovia wurde am Montag von mehr als einem Dutzend maskierter Männer so schwer verletzt, dass er im Krankenwagen starb. Medien schreiben das Verbrechen einer Fehde zwischen Hooligans von Cracovia und Wisla Krakau zu. Die Stadt ist Ersatzspielort für die EM 2012 in Polen und der Ukraine.

Tomasz C. wurde laut Polizeibericht auf brutale Weise getötet. Er und seine Verfolger lieferten einander um zehn Uhr in der Früh zunächst eine Verfolgungsjagd mit dem Auto durch das Krakauer Stadtviertel Kurdwanow. Nachdem er gegen eine Hausmauer geprallt war, stieg der Mann aus und versuchte, zu Fuß zu flüchten. Die Gruppe holte ihn ein, schlug ihn minutenlang mit Baseball-Schlägern und trat auf ihn ein. Seine Angehörigen hätten später Probleme gehabt, die Leiche zu identifizieren, berichtete die Zeitung "Gazeta Wyborcza".

Die Polizei nahm inzwischen fünf Tatverdächtige fest. Offizielle Angaben zu deren möglichen Motiven gibt es bisher nicht. Zeitungen berichten, der Getötete habe früher die Schwester eines Wisla-Fans mit dem Messer attackiert, die Verfolgung am Montag könnte ein Racheakt dafür gewesen sein. Die Polizei wies darauf hin, dass zwei der fünf Festgenommenen schon durch Rauschgiftdelikte straffällig geworden seien.

Nach Angaben der "Gazeta Wyborcza" organisieren sich Hooligans in Krakau zunehmend in Mafia-ähnlichen Strukturen. "Sie handeln mit Rauschgift und terrorisieren Stadtviertel", so das Blatt. Die Krakauer Vereine wollten den Vorfall vom Montag nicht kommentieren. "In unserem Stadion ist es immer ruhig", erklärte Cracovia-Sprecher Przemyslaw Urbanski.

Der Tod von Tomasz C. ist nicht das erste Verbrechen, das Medien mit Rivalitäten zwischen Wisla- und Cracovia-Fans in Zusammenhang bringen. Die Spirale der Gewalt soll vor einem Jahr mit einem Mord an einem 28-Jährigen begonnen haben, der in Krakau mit dem Messer erstochen wurde, so die "Gazeta Wyborcza". Später starb ein 17-jähriger bei einer Prügelei zwischen Anhängern beider Vereine. Die Zeitung zitierte anonym einen Cracovia-Hooligan, der von weiteren Gewaltakten ausgeht. "In diesem Krieg will keine der beiden Seiten verlieren."

Das polnische Justizministerium will unterdessen für die EM im kommenden Jahr eine Änderung im Strafrecht, um Hooligans schnell verurteilten zu können. Demnach soll in jedem Stadion ein Raum eingerichtet werden, der per Video-Liveschaltung mit einem Gericht verbunden ist. Straftäter sollen dadurch sofort verurteilt und aus den Stadien entfernt werden können.

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