"Es tut nicht weh, dass in Kitzbühel wieder ein Schweizer gewonnen hat." Dass die Österreicher am Samstag in der Streif-Abfahrt mit Mario Scheiber als Viertem am Podest vorbeigefahren waren, geriet für ÖSV-Sportdirektor Hans Pum zur Nebensache. Er gratulierte Didier Cuche zu seiner sensationellen Fahrt und seinen Athleten zu ihrer Leistung.

"Das Wichtigste ist, dass es Hans Grugger bald besser geht", formulierte Pum, was in den Köpfen vorging. "Der Sturz von Grugger steckt bei uns doch etwas in den Gliedern", betonte Pum und hob das Auftreten seiner Sportler in diesem so schwierigen Rennen auf der Streif hervor. "In meinen Augen haben die Burschen Sensationelles geleistet. Man sieht, dass sie Menschen sind." Der schwer verletzte Salzburger Grugger liegt nach seinem Trainingssturz am Donnerstag auf der Intensivstation der Innsbrucker Klinik im künstlichen Tiefschlaf.

"Wir sind für Hans gefahren, der hätte sicher gewollt, dass wir Gas geben", erklärte Scheiber, für den es an diesem Tag dann keine Rolle spielte, wie groß die Rückstände waren. Denn ganz ausblenden konnten die Österreicher den Horrorsturz ihres Teamkollegen natürlich nicht. "Bis zur Mausefalle fuhren diese Bilder mit", erklärte der Osttiroler. Dass er sich überwinden konnte, hatte er auch seiner Freundin und Trainer Mathias Berthold zu verdanken, die ihm Zuspruch gaben. "Mathias weiß, dass ich beim Thema Gesundheit sehr sensibel bin."

Hart getroffen hat die Tragödie um Grugger auch Wengen-Sieger Klaus Kröll, der voller Hoffnungen nach Kitzbühel gereist war, der sich das "Double" (Wengen- und Kitz-Sieg in einem Jahr) zum Ziel gesetzt hatte. Kröll ist Gruggers Zimmerkollege, in seinem Zimmer standen bis Freitagabend immer noch Gruggers persönliche Sachen. "Das erinnert einen immer wieder, das kann man nicht ausblenden", gestand der Steirer.

Vor zwei Jahren hatte Kröll in Kitzbühel den Super-G gewonnen und ein Siegesbad unter den Fans genommen. Am Samstag war er froh, dass die Hahnenkamm-Woche für ihn mit dem neunten Platz in der Abfahrt abgeschlossen war. "Das war eine Scheißwoche für uns. Die Stimmung war auch im Hotel total gedrückt. Jeder zog sich immer auf sein Zimmer zurück und grübelte. Jetzt bin ich froh, dass wir aus Kitzbühel abreisen können und dass es endlich vorbei ist", betonte der 30-Jährige.

Mit zwei freien Tagen zu Hause in Öblarn will Kröll versuchen, endlich Abstand zu gewinnen. "Ich will nicht ans Skifahren denken, sondern nur mit meinen Sohn Tim spielen", erklärte Kröll, denn dann beginne ja schon wieder die Vorbereitung auf Chamonix und die Abfahrt dort. "Vielleicht ein Vorteil für uns", sinnierte der zehntplatzierte Romed Baumann, "damit wir nicht zu viel nachdenken."

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