In Polen wächst das Unbehagen. Die Fangewalt hat beim Gastgeber der Fußball-EM 2012 (gemeinsam mit der Ukraine) inzwischen ein furchterregendes Ausmaß erreicht. Nach einem grausamen Mord an einem Fußball-Fan in Krakau will die polnische Polizei nun im Kampf gegen die Hooligans Einsatzgruppen bilden, kündigte Polizeichef Andrzej Matejuk in der Vorwoche an.

Die Sondereinheiten, der auch Funktionäre der elitären Zentralen Ermittlungsbehörde (CBS) angehören sollen, wollen die oft überforderten Beamten landesweit unterstützen. Es gehe nicht nur um Randale in Sportstadien, sondern immer mehr auch um "schwere Kriminalität, darunter Drogenhandel", so Matejuk.

In Krakau, wo am vergangenen Freitag das Opfer beigesetzt wurde, herrscht seit ein paar Tagen gespannte Ruhe. Der 30-jährige Cracovia-Anhänger Tomasz Czlowiek war am 17. Jänner mitten am Tag mit rund 60 Macheten-Schlägen und Messerstichen getötet worden. Die Zeitung "Gazeta Wyborcza" schrieb von einer "Hinrichtung". Die Suche nach den Tätern blieb bisher erfolglos. Im Internet mehrten sich seitdem die Rufe nach Vergeltung, zudem wurde eine Abrechnung mit dem Erzfeind, dem Lokalrivalen Wisla, angekündigt.

Die Feindschaft zwischen Anhängern beider Erstligisten hat eine lange Tradition, und die Opferliste ist lang. Im Mai war bei einer Prügelei zwischen den Fans ein 17-Jähriger, ein Monat später ein 21-Jähriger erstochen worden. Versuche, einen Frieden zu schließen, scheiterten schnell. Krakau ist aber kein Ausnahmefall. Knapp eineinhalb Jahre vor dem EM-Endrundenturnier sind brutale Schlägereien zwischen verfeindeten Fangruppen keine Seltenheit.

In Lodz hatten sich kurz nach Neujahr rund 150 Hooligans, Anhänger der Lodzer Vereine LKS und Widzew, zu einer regelrechten Schlacht verabredet. Um die prekäre Lage in den Griff zu bekommen, musste die Polizei Verstärkung holen. Erst dann gelang es ihr, die Kämpfenden zu trennen. Ein 24-Jähriger war dabei ums Leben gekommen. Auch in anderen Städten, unter anderem in den EM-Standorten Poznan (Posen), Gdansk (Danzig) und Warschau, gehören Ausschreitungen fast schon zur Normalität.

Die Gewalt ist dabei nicht das einzige Problem. Auch Rassismus und Antisemitismus sind in der Fanszene tief verwurzelt. Bei 80 Prozent der Straftaten stelle aber die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein, alarmierte unlängst "Gazeta Wyborcza". So kamen auch Fans von Resovia Rzeszow, die ihre Gegner im Stadion mit einem Spruchband "Tod den krummen Nasen" und einer Juden-Karikatur beleidigten, mit milden Strafen davon. Die Tatlosigkeit der Staatsanwälte rief das Außenministerium auf den Plan - gefordert wurde ein härteres Durchgreifen, um "Polens Image in der Welt zu retten".

Polens Regierung hat inzwischen den Ernst der Lage erkannt: Es geht um das Prestige des Landes, das während der EM von Hunderttausenden Fans aus aller Welt besucht wird. Justizminister Krzysztof Kwiatkowski schlug unlängst ein Schnellverfahren für die Gewalttäter vor. Sie sollten direkt nach der Festnahme im Stadion verurteilt werden, ein Richter würde per Video-Liveschaltung das Urteil sprechen. Das Kabinett will die neue Vorschrift schnell umsetzen, hieß es aus Regierungskreisen.

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