Nicht nur die österreichischen Fußball-Bundesligisten, auch die heimischen Schiedsrichter haben an der türkischen Riviera am Feinschliff für die am 12. Februar beginnende Frühjahrssaison gearbeitet. Die 23 Unparteiischen der Profi-Ligen beendeten am Samstag ihr einwöchiges Camp in Belek.

Unter der Anleitung von Johann Hantschk, dem Vorsitzenden der Bundesliga-Schiedsrichterkommision, und ÖFB-Referee-Manager Fritz Stuchlik wurde in Belek eine Woche lang intensive Einheiten im körperlichen Bereich und auch in punkto Regelkunde auf dem Programm gestanden waren. Als prominenter Lehrmeister wurde der frühere russische Spitzenschiedsrichter Walentin Iwanow engagiert, der den Referees gemeinsam mit Hantschk und Stuchlik noch einmal die Schwerpunkte einbläute, die bereits vor Saisonbeginn ausgegeben worden waren. So sollen etwa brutale, gesundheitsgefährdende Fouls sofort mit Rot geahndet werden. Ellbogenchecks werden ebenso hart geahndet wie zu heftige Schiedsrichterkritik. "Es ist wichtig, dass wir uns gezielt mit den Schwerpunkten beschäftigen, uns genauso wie die Clubs intensiv vorbereiten und auch noch einmal die Herbstsaison aufarbeiten", sagte Hantschk.

Aufzuarbeiten gibt es genug - nicht nur vom Sommer, als etwa der Austria ein irreguläres Tor gegen Mattersburg zugesprochen wurde, sondern vor allem vom vergangenen Frühjahr, als die Unparteiischen wegen einiger Fehlentscheidungen wochenlang den "Schwarzen Peter" hatten. Ein negativer Höhepunkt aus der Sicht der Schiedsrichter-Gilde war das klare Abseitstor von Roland Linz zum 1:0-Sieg der Austria über Sturm Graz. Aufsehen erregte auch der nicht gegebene Afolabi-Treffer für Salzburg gegen die Austria, der den Mozartstädtern den vorzeitigen Titelgewinn beschert hätte.

"Das Frühjahr war holprig, aber man muss unterscheiden zwischen tatsächlichen Fehlern und solchen, die von der Öffentlichkeit zu Fehlern erklärt wurden, weil keine Regelkenntnis vorliegt. Das Tor von Afolabi nicht zu geben, war zum Beispiel korrekt", betonte Stuchlik. Sollte doch einmal ein falscher Pfiff ertönen, darf ein österreichischer Spielleiter im Gegensatz zu den WM-Referees vor der Endrunde in Südafrika öffentlich zu seinem Irrtum stehen. "Er kann den Fehler zugeben, doch man darf nicht erwarten, dass er sich dafür entschuldigt. Das muss ein Stürmer auch nicht, wenn er vorm leeren Tor daneben schießt", meinte Stuchlik.

Dass es in den vergangenen Monaten zu viele öffentliche Schuldeingeständnisse gab, lag laut Hantschk auch an den Abgängen von arrivierten Schiedsrichtern wie Konrad Plautz, Stefan Meßner oder Stuchlik. "Wir befinden uns in einer Umbruchphase, aber wir haben gute Junge, die in diese Fußstapfen treten. Es kommt auch bei Fußballmannschaften oft vor, dass Routiniers aufhören, Junge nachrücken und schnell tolle Leistungen bringen", erklärte Hantschk.

Stuchlik ortet im Generationswechsel sogar Vorteile. "Dadurch gibt es eine gewisse Unbefangenheit. Und wenn einer weniger Spiele gepfiffen hat, heißt das nicht, dass er unrichtigere Entscheidungen trifft."

Durch Chipball oder Videobeweis könnten unrichtige Entscheidungen theoretisch vermieden werden. Stuchlik steht dem Einsatz neuer Technologien dennoch kritisch gegenüber. "Die Schiedsrichter würden sich nicht gegen hundertprozentig sichere Hilfsmittel wehren. Das Problem ist aber die Umsetzung. Eine Technologie mit einem Chip im Ball, die zu 100 Prozent funktioniert, gibt es derzeit nicht."

Den Videobeweis lehnt Stuchlik klar ab. "Wer soll da entscheiden? Wie oft darf unterbrochen werden? Was passiert, wenn selbst die Wiederholung keinen genauen Aufschluss bringt? Und außerdem: Wenn alles völlig nachvollziehbar wird, ist es vielleicht nicht mehr so interessant."

Diese Ansicht wird auch von Hantschk vertreten. "Der Fußball würde steril werden, es würde zu viele Unterbrechungen geben. Wo wären die Aufregung und die Emotion? Und was passiert während der Unterbrechungen? Kommen dann die Cheerleader?" Über kurz oder lang seien technische Hilfsmittel jedoch nicht aufzuhalten, so Stuchlik. "Ich weiß nicht, ob wir es noch erleben werden, aber irgendwann wird das sicher Einzug halten, denn der Druck wird immer größer."

Die Einführung von Torrichtern ("Assistent Referees") in den Gruppenspielen von Champions League und Europa League begrüßten Stuchlik und Hantschk unisono. "Die öffentliche Meinung ist, dass sie unnötig sind und nur herumstehen. Aber sie kommunizieren mit dem Hauptschiedsrichter per Headset und sollen nicht durch ihre Gestik auffallen", erklärte Hantschk.

Stuchlik wollte nicht abstreiten, dass es selbst mit den Torrichtern schon zu einigen falschen Strafraumentscheidungen gekommen ist. "Doch die zusätzlichen Schiedsrichter sind auch ein abschreckendes Mittel. Durch sie hat das Halten und Zerren im Sechzehner deutlich abgenommen", meinte der Ex-FIFA-Referee.

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