Von den zahlreichen Sicherheitsprojekten rund um den Skirennsport ist das 2006 vom Internationalen Skiverband (FIS) gegründete Verletzungsüberwachungssystem ISS das am weitesten gediehene. Von den bisher eruierten, fünf hauptsächlichen Risiko-Hauptfaktoren im Alpinbereich werden nun von der Universität Salzburg die drei wichtigsten weiterverfolgt.

Außerdem hat die Industrie einen Rennski-Prototypen entwickelt, der für eine Verbesserung der Situation sorgen soll. Die Ausrüstung (Ski, Bindung, Platte, Schuh), wechselnde Schneeverhältnisse, körperliche Fitness, Tempo und Kurssetzung sowie vor allem Übermüdung (Fatigue/Anm.) waren vergangenes Jahr in zahlreichen Experteninterviews als Hauptrisikofaktoren ermittelt worden. Auf einige Punkte wie die Ermüdung hat man durch bessere Programmplanung bzw. konsequentere Absagen bereits reagiert, andere müssen nun evaluiert werden.

Die Zeit drängt, denn anhaltend schwere Stürze wie sie gerade in den jüngsten Wochen wieder vor allem im Speed-Sektor bei Hans Grugger, Mario Scheiber, Georg Streitberger und Manuel Osborne-Paradis vorgekommen sind, sollten möglichst bald der Vergangenheit angehören. Schnellschüsse sollen aber vermieden werden, deshalb werden die Erkenntnisse erst nach und nach umgesetzt. Viele vermeintliche Vorteile - wie etwa zuletzt ins Gespräch gebrachte, dickere Rennanzüge, Airbags oder stärkere Helme, bringen auch Probleme mit sich.

Die Uni Salzburg arbeitet derzeit die Themen Ausrüstung, Kurssetzung/Speed und Schneeverhältnisse ab. So wurden bei bisher zehn Weltcuprennen biomechanische Messungen durchgeführt. Vorläufer - ehemalige Rennläufer wie Peter Struger, Marco Büchel, Thomas Graggaber oder Christoph Gruber - wurden dabei mit Sensoren und GPS-Geräten ausgestattet, um zum Beispiel die Einflüsse der Kurssetzung auf das Tempo und die Athleten zu ermitteln. Darüber hinaus hat das schweizerische Institut für Schnee- und Lawinenforschung aus Davos die Schneeverhältnisse und ihre Auswirkungen auf die Rennfahrer untersucht.

Gleichzeitig hat ein Ausrüstungs-Projekt unter Mithilfe der Skiindustrie mehrere Ski-Prototypen für Abfahrt und Riesentorlauf entwickelt, die sich zum Teil deutlich von den aktuellen Renngeräten unterscheiden. "Es geht vor allem um die Sicherheit. Die Kombination aggressiver Schnee und aggressive Fahrweise scheint das Hauptproblem zu sein, deshalb sollten die Ski weniger aggressiv sein", erklärte Atomic-Chef Michael Schineis als Chef der Vereinigung der Ski Racing Suppliers (SRS).

Die Prototypen-Ski sind so anders, dass sie auch eine anderer Skitechnik bzw. Fahrweise notwendig machen. Trotzdem wurden sie auch schon von aktuellen Weltcupfahrern ausprobiert. "Sie sind fahrbar", sagte Testfahrer Struger in einer Aussendung der FIS. Der ehemalige Weltcupläufer aus Kärnten betonte weiters: "Das Projekt ist sehr interessant. Es braucht noch eine Menge Tests, aber ich bin überzeugt, dass wir in die richtige Richtung gehen."

Dr. Erich Müller von der Uni Salzburg erklärte sinngemäß, dass dieses auf drei Jahre angelegte Projekt die wissenschaftliche und praktische Basis für die späteren Regel-Entscheidungen der FIS-Verantwortlichen liefern soll. Erst vor kurzem hatte der Österreichische Skiverband (ÖSV) bekanntgegeben, mit der Uni Innsbruck in Sicherheitsfragen zu kooperieren. Der ehemalige ÖSV-Herrencheftrainer Toni Giger ist seit vergangenen Herbst Chef einer Arbeitsgruppe der FIS für Materialentwicklung. Die Aktiven selbst sollen ebenfalls mithelfen, auch ein Engagement des ehemaligen Ausnahmerennfahrers Hermann Maier wird immer wieder ventiliert.

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