Österreichs Sportfans werden es sich wohl noch öfter auf der Zunge zergehen lassen: Siebenmal Gold, zweimal Silber, einmal Bronze! Ausgerechnet bei der Nordischen WM im Mekka der Skispringer, Kombinierer und Langläufer ist dem ÖSV-Team einfach alles aufgegangen. Die ÖSV-Skispringer holten bei erstmals fünf Bewerben alle Goldmedaillen, die Kombinierer in zwei dramatischen Bewerben beide Team-Titel.

Der Sportliche Leiter Ernst Vettori sprach von einem "Märchen" und auch jedem Beobachter war bewusst, dass dies für Österreich historische Weltmeisterschaften waren. Daniela Iraschko schaffte im zweiten Anlauf die ersehnte Skisprung-Goldmedaille und kürte sich zur ersten nordischen Weltmeisterin aus Österreich überhaupt. Die Steirerin trat eine wohl nur in kühnsten Träumen erhoffte Gold-Lawine für den ÖSV los.

Auch wenn das fast durchwegs herrschende Nebelwetter den Blick auf diese Erfolge trübte, die sensationelle Kulisse bildete ohnehin nicht die schöne Landschaft allein. Es waren die enthusiastischen Zuschauer, laut offiziellen Aussagen 275.000 (verkaufte Karten) und weitere 300.000 außerhalb der Stadien. Manche TV-Schätzungen sprachen gar von über 800.000 bei den 21 Entscheidungen. Fast noch erstaunlicher: Niemand beschwerte sich über den Nebel, für die Fans zählte das Dabeisein.

"Der schönste Eindruck waren die Menschen. Im Stadion, bei der Siegerehrung, es ist etwas ganz Besonderes. Das werde ich wahrscheinlich nie mehr bei Weltmeisterschaften oder einem Großereignis erleben", schwärmte einer vom Erlebnis Holmenkollen, der es wissen muss. Triple-Weltmeister Morgenstern, der sich dank zusätzlichem Großschanzen-Silber zum erfolgreichsten Athleten der ÖSV-Mannschaft mauserte. Nur Gregor Schlierenzauer, ebenfalls Triple-Weltmeister, hatte mit 16,67 Zentimeter Vorsprung auf der Großschanze verhindert, dass Morgenstern gar den WM-Grand-Slam holte. Aber für Österreich war dieser "große Schlag" in Oslo reserviert.

Es war eine WM, die auch im Zeichen der norwegischen Superstars Marit Björgen und Petter Northug stand, und u.a. auch starker Leistungen der deutschen Kombinierer. Die Deutschen schafften wie die österreichischen Skispringer sechs von acht möglichen Medaillen in ihren jeweils vier Bewerben. Allerdings waren es der seinen Abschied nehmende Felix Gottwald sowie David Kreiner, Bernhard Gruber und der zweimal einen mitreißenden Schlussmann gebende Mario Stecher, die mit zweimal Team-Gold und Einzelbronze durch Gottwald auch in der Spezialmedaillenwertung die Deutschen (1-4-1) hinter sich ließen.

"Es ist wirklich ein Goldrausch. Wir Nordischen hatten einen Lauf. Wir freuen uns mit den Springern, sie sich mit uns. Jetzt müssen wir noch schauen, dass wir auch noch die Langläufer auf die Füße bringen", sprach Felix Gottwald ein wahres Wort. Durch die neuen, in alle Sparten übergreifenden Strukturen sollte dies auch möglich sein.

Allerdings darf man künftige Weltmeisterschaften nicht an dieser messen. Ein besonderer "Flow" hat die sonst "eigenen Gesetze" bei Großereignissen außer Kraft gesetzt. Man muss nicht besorgt sein, dass Österreichs Nordische Sportler bei den Weltmeisterschaften in zwei Jahren in Val di Fiemme leer ausgehen. Die von Thomas Morgenstern befürchtete "Geister-WM" 2013 könnte allerdings gerade bei den Springern Realität werden, schon 2003 hatte es an den Schanzen gähnende Leere gegeben. Die Latte ist für künftige Veranstalter gerade wegen der uneingeschränkten Begeisterung der Norweger sehr hoch gesetzt worden.

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