Der 35. UEFA-Kongress hat am Dienstag im Pariser Grand Palais die Zentralvermarktung der TV-Rechte für die Qualifikationsspiele zu WM und EM beschlossen. Der Beschluss, der den Mitgliedsverbänden höhere Einnahmen bringt, wurde einstimmig gefasst. Die Vermarktung beginnt mit dem Anpfiff für die Ausscheidung der EM 2016 in Frankreich. Freundschaftsspiele dürfen weiter individuell angeboten werden.

Die UEFA garantiert allen Mitgliedsverbänden mehr Geld als bei der bisher praktizierten Einzelvermarktung. "Es ist ein Schritt, der in erster Linie dazu dienen soll, den Nationalmannschaftsfußball zu schützen und weiterzuentwickeln. Darüber hinaus können sämtlichen Verbänden Einnahmegarantien zugesichert werden", erläuterte UEFA-Boss Michel Platini. Der Franzose bezeichnete das Vorhaben als "ein Fußball- und nicht ein kommerzielles Projekt".

Die UEFA habe die Pflicht, "diesen Wettbewerben die Stellung zurückzugeben, die sie verdienen", sagte der 55-Jährige. Die beteiligten Verbände könnten sich damit auf das Sportliche konzentrieren, "ohne sich bei den Auslosungen Gedanken über die Attraktivität der Gegner im Hinblick auf den Verkauf der TV-Rechte machen zu müssen", sagte Platini vor den Delegierten, unter denen sich auch ÖFB-Präsident Leo Windtner, -Generaldirektor Alfred Ludwig und Bundesliga-Vorstand Georg Pangl befanden.

Der Ex-Teamspieler kam in seiner Rede auch auf die die Diskussion um internationale Spieltermine zu sprechen. Die UEFA werde sich "möglicherweise Gedanken über die Wettbewerbsformate und den internationalen Spielkalender machen müssen, um dem Teamfußball seinen rechtmäßigen Platz zu geben." Vor dem Hintergrund der WM-Vergabe für 2002 an Katar und der Frage um eine WM im Winter oder Sommer waren zuletzt Forderung nach einer Reform laut geworden.

Die EM-Endrunde 2012 in Polen und der Ukraine hat Platini als "sehr große Herausforderung" bezeichnet. "Doch wir kommen voran und werden unser Ziel erreichen. Wir biegen auf die Zielgerade ein - eine Zielgerade, die uns zu einer historischen Premiere führen wird", meinte der UEFA-Boss, nachdem am Vortag sein Generalsekretär Gianni Infantino Verzögerungen beim Stadionbau in der Ukraine eingeräumt hatte. Die Arenen in Kiew und Lemberg (Lwiw) würden nicht wie vorgesehen im Juni fertig, sondern erst im Oktober.

Der Italiener kündigte gleichzeitig an, dass die UEFA den Kampf gegen Spielmanipulationen und Korruption mit unvermindertem Tempo fortführend wird. Er unterstrich, wie wichtig dabei die Unterstützung der staatlichen Behörden sei, um dieses Übel aus dem Fußball zu eliminieren. Das Exekutivkomitee habe den Aufbau eines europaweiten Netzwerkes von Integritätsbeauftragten abgesegnet, an dem sich alle 53 nationalen Verbände beteiligen sollten. Zusätzlich soll die Zusammenarbeit mit staatlichen und Polizei-Behörden verstärkt werden.

"Es gibt keinerlei Toleranz - wenn jemand im Fußball betrügen möchte, gibt es für ihn hier keinen Platz mehr", erklärte der UEFA-General klipp und klar. Wenn man das Krebsgeschwür nicht entferne, bevor es zu wuchern beginne, könne es zu einer echten Gefahr werden. "Und genau das wollen wir unbedingt verhindern."

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