Nicht nur für die österreichische Fußball-Nationalmannschaft steht am Dienstag (19.30 Uhr/live ORF eins) im Sükrü-Saracoglu-Stadion von Istanbul viel auf dem Spiel. Laut Turgay Bahadir, der es als gebürtiger Wiener bisher auf ein Länderspiel für die Türkei brachte, ist der Druck auf die Gastgeber vor dem EM-Qualifikationsduell noch höher als auf die ÖFB-Auswahl.

Den türkischen Siegen über Kasachstan und Belgien stehen in Gruppe A Niederlagen gegen Deutschland und Aserbaidschan gegenüber, weshalb die Mannschaft von Guus Hiddink praktisch zum Siegen verdammt ist. Im Vergleich dazu hält Bahadir die Ausgangsposition von Österreich trotz der 0:2-Heimniederlage gegen Belgien fast noch für angenehm.

"Bei einer Niederlage ist für die Österreicher die EM-Qualifikation auf keinen Fall verloren. Sie können sich eine Niederlage leisten, die Türkei nicht. Wenn die Türkei verliert, ist es für sie vorbei", vermutete der 27-jährige in den Diensten des türkischen Meisters Bursaspor.

Aufgrund dieser Konstellation erwartet Bahadir eine von Beginn an stürmende Heimmannschaft. "Die Türkei wird offensiv sein, voll anpressen und versuchen, so schnell wie möglich ein Tor zu schießen. Österreich wird wahrscheinlich eher defensiv agieren", prophezeite der Angreifer, der die Türkei zwar als klaren Favoriten sieht, aber keine Prognose abgeben wollte. "Es ist alles offen."

Ein entscheidender Pluspunkt für den WM-Dritten von 2002 könnte der Heimvorteil sein. Obwohl das Fenerbahce-Stadion im asiatischen Teil des Landes möglicherweise nicht ausverkauft sein wird und die Nationalteam-Anhänger im Vergleich zu türkischen Club-Fans als weniger enthusiastisch gelten, muss sich die ÖFB-Elf laut Bahadir auf einen heißen Tanz einstellen. "Das Stadion wird ein Hexenkessel und die Akustik unglaublich sein. Diese Atmosphäre werden die österreichischen Spieler noch paar Tage danach im Kopf haben."

Bahadir selbst wäre bei dieser Partie gerne selbst dabei. Seit seinem Länderspiel-Debüt im Mai 2010 in den USA gegen Tschechien wurde er von Hiddink aber nicht mehr berücksichtigt. "Das ist natürlich eine Enttäuschung, denn wer spielt nicht gern im Nationalteam? Mir bleibt nichts anderes übrig, als weiter hart zu trainieren und gut zu spielen, vielleicht klappt es dann wieder."

Der Offensiv-Allrounder mit österreichisch-türkischer Doppelstaatsbürgerschaft hatte 2003 eine EM-Qualifikationspartie für die ÖFB-U21-Auswahl absolviert, was fünf Jahre später eine Nominierung für die türkische Auswahl unmöglich machte. Im Vorjahr feierte Bahadir, der über Austria Lustenau, Schwanenstadt und Kayserispor zu Bursaspor kam, dank einer Änderung der FIFA-Statuten doch noch sein Länderspiel-Debüt.

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