Polnische Politiker und Verbandsfunktionäre haben entsetzt und ratlos auf die Randale polnischer Fußball-Hooligans beim Länderspiel am Freitag in Litauen reagiert. Von einer "Schande" für sein Land sprach Premierminister Donald Tusk. Verbandspräsident Grzegorz Lato gab den Vereinen die Schuld. "Wir müssen dafür sorgen, dass so etwas bei der EURO 2012 nicht passiert", betonte Lato.

Die Bilanz des Testspiels in Kaunas, wo am Dienstag auch Welt- und Europameister Spanien antritt: 60 festgenommene Fans, 251 demolierte Sitze und ein schwer verletzter Ordner. Im polnischen Block wurden mehrere Feuerwerkskörper gezündet, während der gesamten zweiten Hälfte lieferten sich die Fans eine Auseinandersetzung mit der litauischen Polizei. Schon vor dem Spiel hatten sich polnische Rowdys untereinander geprügelt und ein Stadiontor aufgebrochen.

Premierminister Tusk erklärte am Montag, er werde sich formal an den polnischen Generalstaatsanwalt wenden, damit die Justiz mit möglichst großer Härte gegen die Hooligans vorgehe. "Das sind Banditen, und sie dürfen nicht milder behandelt werden, nur weil sie irgendwelche Fanschals tragen", sagte Tusk gegenüber Journalisten. Wer bewaffnet zu einem Fußballspiel gehe, "dessen Platz ist im Gefängnis", so der Regierungschef.

Verbandspräsident Lato erklärte der Zeitung "Gazeta Wyborcza", die polnische Profivereine seien Schuld an den Randalen. "Sie lassen sich mit den Hooligans ein", sagte der ehemalige Weltklasse-Stürmer. Als Gegenmaßnahme werde er einen Fanclub der Nationalmannschaft gründen, über den in Zukunft die Eintrittskarten für Länderspiele verteilt würden - nur noch an registrierte Mitglieder. Auf die Frage, ob der Verband (PZPN) den in Kaunas entstandenen Schaden übernehmen wird, antworteten Verbandsvertreter bisher ausweichend.

Polnische Fußballrowdys sind bekannt für Randale. Der PZPN musste in den vergangenen Jahren deshalb immer wieder hohe Strafen bezahlen, so etwa in der vergangenen WM-Qualifikation wegen Ausschreitungen beim Spiel gegen Nordirland in Belfast 25.000 Schweizer Franken (19.360 Euro) an die FIFA. Die Hooligans bekämpfen sich aber vor allem gegenseitig. Erst im Jänner war ein Anhänger des Vereins Cracovia in Krakau von 20 maskierten Männern, mutmaßlich Fans des Konkurrenzvereins Wisla, zu Tode geprügelt worden.

Bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine will die Polizei Randalierern mit Schnellgerichten Herr werden. In jedem Stadion wird ein Raum eingerichtet, der per Videokonferenz mit einem Gerichtssaal verbunden ist. Straftäter können damit noch an Ort und Stelle verurteilt werden.

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