Nur einen Tag nach einem Spielabbruch in der deutschen Bundesliga machten unbelehrbare Fans auch in Österreich negativ auf sich aufmerksam. Gerade eine Minute war der Schlager der Runde zwischen Sturm Graz und Rapid am Samstag alt, als ein Becherwurf aus dem Fan-Sektor der Heim-Elf die Fortsetzung des Matches in der UPC-Arena infrage stellte.

Schiedsrichter Thomas Gangl reagierte laut Johann Hantschk richtig auf die Situation. Der Vorsitzende der Schiedsrichterkommission betonte aber, dass sich die Verantwortlichen in Graz dennoch etwas überlegen müssen.

Als Rapids Christopher Drazan zum Eckball schritt, hagelte es Plastikbecher aus dem Sturm-Sektor. Während der Teamspieler aber von einem Sonnenschirm geschützt schien, wurde Matthias Winsauer ein Opfer der Unbedachtheit der Fans. Der Assistent wurde von einem Becher am Hinterkopf getroffen, erst nach der Drohung Gangls, das Match zu beenden, konnte weitergespielt werden. Dass Rapids Spieler weiter im Visier der Anhänger blieben, war danach fast schon eine Randnotiz.

"Schiedsrichter Gangl hat alles richtig gemacht, gemäß dem Regelwerk auf die Situation reagiert und das oft geforderte Fingerspitzengefühl bewiesen", meinte Hantschk nach einer internen Diskussion am Tag nach dem Vorfall. Einen Vergleich mit dem Vorfall im Spiel zwischen St. Pauli und Schalke 04, das in der 88. Minute nach dem Wurf eines Bierbechers auf einen Unparteiischen abgebrochen werden musste, wollte der Schiedsrichter-Boss nicht ziehen.

"In St. Pauli war das Spiel de facto kaputt. Zwei Spieler waren ausgeschlossen worden und die Proteste sind gegen die Schiedsrichter gegangen. In Graz war der Becherwurf sozusagen ein Zufallsprodukt zu einem Zeitpunkt, als der Schiedsrichter noch keinen Anlassfall dazu geliefert hatte", erklärte Hantschk. Wäre Winsauer bei dem Vorfall jedoch verletzt worden, dann wäre es "ein klassischer Fall von Abbruch gewesen".

Kein gutes Haar ließ Hantschk aber an den Vorkehrungen in Graz. "Es kann nicht sein, dass Schirme Schutz bieten müssen. Wir sind ja nicht am Badestrand. Da müsste die Bundesliga reagieren", nahm der Funktionär die Liga in die Pflicht. Diese wird nun in den kommenden Tagen auf den Fall reagieren.

Vorerst werden die Berichte des Schiedsrichters sowie des Delegierten abgewartet, auch Sturm Graz wird Stellung nehmen. Auf Basis dieser Grundlagen gibt es eine Anzeige, die beim Senat 1 der Liga eingeht. Entscheidend ist auch, inwiefern Sturm bereits in der Vergangenheit durch Ausraster seiner Fans aufgefallen ist. Das Strafmaß reicht von einer (wahrscheinlichen) Geldstrafe bis hin zu einer Stadionsperre.

Sturm-Trainer Franco Foda zeigte nach dem Spiel kein Verständnis für das Verhalten einiger Fans. "Solche Becherwürfe haben im Stadion nichts verloren. Aber das sind die Ausnahmen. Die überwiegende Mehrheit der Fans unterstützt uns toll", sagte der Deutsche.

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