Ein "Rat der Weisen" zur Wiederherstellung der Glaubwürdigkeit, Reform der WM-Vergabe und sogar Offenlegung seines Gehalts - mit einem ganzen Katalog an revolutionären Maßnahmen hat FIFA-Präsident Joseph Blatter die heiße Phase des Wahlkampfes eingeläutet. Der Amtsinhaber kündigte Zugeständnisse an seine Kritiker an und präsentierte sich als Reformator einer angeschlagenen Institution.

In einem Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" warf der 75-Jährige seinem Herausforderer Mohamed bin Hammam schlechten Stil vor. "Ich weiß nicht, warum bin Hammam plötzlich so aggressiv wurde. Er hat im Exekutivkomitee wiederholt gesagt, er würde nie gegen mich antreten, und jetzt ist es trotzdem so", sagte Blatter über den Präsidenten der Asiatischen Fußball-Konföderation, der Blatter am 1. Juni in Zürich stürzen und eine vierte Amtszeit des Wallisers an der Spitze des mächtigen Verbandes verhindern will.

Blatter aber gibt sich vor dem Votum siegesgewiss. "Ich stelle mir vor, dass ich etwa die Hälfte der Stimmen in Asien und Afrika habe und auf dem Rest der Welt schon eine größere Mehrheit", sagte er.

Nach wochenlangem Wahlkampf-Schweigen hatte Blatter sich erst vor wenigen Tagen in einem Brief an alle 208 Mitgliedsverbände gewandt und darin für seine Wiederwahl geworben. In dem Schreiben hatte Blatter angekündigt, weiter gegen die "größten Feinde des Fußballs" wie Korruption, Spielabsprachen und Doping ankämpfen zu wollen - allerdings ohne konkrete Maßnahmen zu nennen. In der "FAZ" wagte sich Blatter nun erstaunlich weit aus der Deckung und formulierte im Stile eines gevieften Stimmenfängers weitreichende Reformvorschläge.

So könnte der WM-Ausrichter nach den Erfahrungen der jüngsten skandalumwitterten Doppel-Vergabe an Russland (2018) und Katar (2022) künftig auf Vorschlag des Exekutivkomitees nicht mehr in kleinem geheimen Zirkel von 24 Männern, sondern von der Vollversammlung gewählt werden. "Das ist ein Projekt, das ich im Hinterkopf habe. Ich würde gerne das Beispiel vom Internationalen Olympischen Komitee übernehmen, um künftig zu vermeiden, was jetzt stattgefunden hat. Die Exekutive bekommt zehn oder zwölf Kandidaturen, schaut sie sich an, schlägt die besten vor, und lässt dann die Vollversammlung wählen. Das wäre eine Lösung für die FIFA, etwas Positives", sagte Blatter.

Zudem wolle er den Delegierten, die sich am 31. Mai und 1. Juni im Züricher Hallenstadion zum 61. FIFA-Kongress versammeln werden, ein Gremium vorstellen, "das im Sinne von Corporate Governance und Compliance die Glaubwürdigkeit der FIFA zurückbringen soll. Ein "Rat der Weisen", aber mit etwas mehr Power", erläuterte Blatter.

Zur Krönung seiner revolutionären Thesen willigte Blatter sogar in die jahrelang geforderte Offenlegung von Gehaltszahlen der FIFA-Spitze ein. "Wenn der Kongress das entscheidet, geben wir diese Zahlen bekannt. Aber wenn wir uns vergleichen mit anderen großen Firmen, sind wir Schulknaben, was die Bezahlung angeht."

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