Fußball-Wettbetrüger Ante Sapina hätte beinahe zu hoch gepokert. Der 35-jährige Berliner ist am Montag nur knapp seiner erneuten Festnahme entgangen. Hintergrund war der Versuch, vor dem Bochumer Landgericht plötzlich Alles oder Nichts zu spielen. Sapina rückte von seinem Geständnis ab und wollte noch Zeugen aus London kommen lassen.

Als das Gericht daraufhin signalisierte, Sapina wegen Fluchtgefahr wieder in Haft zu nehmen, trat Deutschlands bekanntester Wettpate jedoch sofort den Rückzug an. Schon am Donnerstag soll nun das Urteil gesprochen werden.

Der Vorstoß war eine echte Überraschung. Eigentlich waren die Zeichen im Prozess auf Einvernehmen gestellt. Die 12. Strafkammer des Bochumer Landgerichts hatte bereits eine Übersicht über manipulierte Fußballspiele und Wetteinsätze erstellt, die Sapina nur noch absegnen sollte. Doch dann kam alles anders. Gemeinsam mit seinen zwei Verteidigern ging Sapina noch einmal in die Offensive.

Der Tenor: Die asiatischen Wettanbieter seien eingeweiht und damit gar nicht getäuscht gewesen. Von einem Betrug könne deshalb gar keine Rede sein. Gericht und Staatsanwaltschaft reagierten gereizt. Schließlich habe Sapina im Prozess ein rückhaltloses Geständnis abgelegt, in Richtung Freispruch sei bisher nicht gekämpft worden. "Wir sind davon ausgegangen, dass Sie eine Verurteilung auch hinnehmen würden", sagte Richter Wolfgang Mittrup.

Nach mehreren Unterbrechungen folgte der Rückzug. Sapina gab auf, zog seinen Antrag auf Vernehmung ausländischer Zeugen zurück. In einer auf dem Gerichtsflur eilig formulierten Erklärung hieß es: "Es bleibt bei meinen bisherigen Ausführungen. Es gibt nichts mehr hinzuzufügen und zu ändern." Die Reaktion folgte auf dem Fuß. Richter Mittrup: "Wir nehmen Abstand davon, den Haftbefehl wieder in Vollzug zu setzen."

Damit bleibt es bei der ursprünglichen Planung: Schon am kommenden Donnerstag sollen voraussichtlich die Urteile gegen Ante Sapina, Marijo C. und Dragan M. gesprochen werden. Der Prozess gegen Ex-Basketballspieler Ivan P., Deniz C. und Wett-Helfer Ramazan K. wird dagegen fortgesetzt. Sapina und den fünf Mitangeklagten wird vorgeworfen, in die Manipulation von knapp 50 Fußballspielen verstrickt gewesen zu sein - von der A-Jugend bis zur WM-Qualifikation. Die Wetteinsätze gingen in die Millionen.

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