Der Abbruch des Wiener Fußball-Derbys zwischen Rapid und der Austria am Sonntag nach einem Platzsturm von Rapid-Anhängern hat nicht nur in Österreich für Aufsehen gesorgt. Auch in Deutschland und der Schweiz wurden die Geschehnisse von der Presse aufgegriffen.

ÖSTERREICH:

Kronen Zeitung: "Abbruch bereits vor dem Derby geplant! Vermummte Gestalten, Chaoten und Idioten stürmten das Spielfeld. Der Platzsturm sah organisiert aus. Unfassbar: Als der Abbruch offiziell war, jubelten die Chaoten. Rapid drohen empfindliche Strafen: Geisterspiel, Platzsperre!"

Kurier: "Das 297. Wiener Derby dauerte nur 26 Minuten und damit kürzer als jedes andere. Genau deshalb wird es als Derby der Schande in die Historie eingehen. Derbys wird es in Zukunft wohl nur im Happel-Stadion geben. Der 22. Mai steht ab sofort für einen Tiefpunkt in der 112-jährigen Vereinsgeschichte von Rapid. Sogenannte "Fans" haben nicht nur den Hütteldorfern, sondern dem gesamten österreichischen Fußball immensen Schaden zugefügt. Es war ein Platzsturm mit Ansage. Der Klub mit der traditionellen Selbsteinschätzung, unüberbietbar wichtig zu sein, bekommt die Rechnung präsentiert. Wieder einmal. Radikale haben die Macht übernommen. Entsetzt waren auch jene im Stadion anwesenden Vertreter des Elektronikkonzerns Philips, die über einen Sponsorvertrag bei Rapid nachdenken."

Der Standard: "Platzsturm im Hanappi-Stadion: Rapids schwärzeste Stunde. Sämtliche Befürchtungen wurden übertroffen. Was am Sonntag im Hanappi-Stadion geschah, grenzte nicht nur an Irrsinn, das übertraf ihn deutlich. Die Schwachköpfe feuerten Raketen in den Sektor der Austria-Anhänger, Hunderte Polizisten versuchten, die Lage unter Kontrolle zu bringen."

Kleine Zeitung: "Ganz Österreich hat ein Hooligan-Problem. Die Randalierer müssen aus den Stadien verbannt werden. Die Jagdszenen spielten sich nicht in England, dem Mutterland der Hooligans, sondern im Wiener Hanappi-Stadion ab. Man kann nur den Kopf schütteln, dass das nicht zu verhindern war. England hat zu Beginn des neuen Jahrtausends erkannt, dass im Umgang mit Hooligans eine dramatische Richtungsänderung notwendig ist. Ohne Unterstützung der Regierung hätte aber auch England sein Problem nicht lösen können."

Salzburger Nachrichten: "Der Hooligan-Skandal im Wiener Derby zeigte, dass Rapid mit seinem fast 35 Jahre alten Hanappi-Stadion mehr als nur ein Infrastrukturproblem hat. Wenn ein Verein darüber nachdenkt, aus Sicherheitsgründen gewisse Heimspiele lieber in einem anderen als dem eigenen Stadion auszutragen, stimmt Grundsätzliches in seiner "Fankultur" nicht."

Österreich: "Bürgerkrieg beim Wiener Derby. Ultras stürmten Spielfeld. Mythos Rapid zerstört. Nach dem zweiten Austria-Treffer geriet das St. Hanappi zum Schlachtfeld. Die schnelle Führung der Austria war zu viel der Demütigung für Hunderte Rapid-Fans. Es flogen Wasserflaschen, Kegel, Glas, ein abgebrochener Stuhl oder Metallstangen aufs Spielfeld. Der Krieg im Hanappi-Stadion war nicht mehr aufzuhalten. Dieses "Spiel" wird ein Nachspiel haben, das ist klar. Präsident Edlinger steht vor dem Rücktritt, dem Rekordmeister droht nun auch ein finanzieller Super-GAU."

Oberösterreichische Nachrichten: "Ein schwarzer Tag für den Fußball, der im 297. Wiener Derby sein hässlichstes Gesicht zeigte."

DEUTSCHLAND:

Bild: "Dicke Bäuche und nichts im Hirn: Rapid-Hooligans haben den Platz gestürmt, das Wiener Derby wurde beim Stand von 2:0 für Austria abgebrochen. Solche Szenen gehören nicht zum Fußball!"

SCHWEIZ:

Blick: "Bilder wie im Krieg im Wiener Derby zwischen Rapid und Austria. Das Spiel wurde nach heftigen Ausschreitungen abgebrochen. 500 Polizisten mussten einschreiten."

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