Die in Österreich viel diskutierten Probleme mit Hooligans in den Stadien sind im internationalen Kontext klein, sagen Experten. Hierzulande gebe es relativ wenig Probleme, sieht man sich die Verhältnisse in Osteuropa oder auch in Deutschland an. Auch das jetzt als Vorbild erwähnte Beispiel Englands, dem es nachzueifern gelte, sei bei näherer Betrachtung gar nicht so erstrebenswert.

England ist nicht nur Mutterland des Fußballs, sondern in gewisser Weise auch Vorreiter des Hooliganismus. In den späten 1980er Jahren nahm das Problem überhand: Überfüllte Stehplatztribünen, welche gegnerische Fans stürmen wollten, heftige Auseinandersetzungen prägten Woche für Woche das Bild des englischen Fußballs. Am Ende standen die Tragödien beim Europacup-Finale im Brüsseler Heysel-Stadion mit 39 Toten und von Hillsborough, als 96 Liverpool-Fans auf einer überfüllten Tribüne gegen einen Metallzaun gedrückt ums Leben kamen.

Es folgte ein radikales Umdenken: Die britischen Fußball-Arenen wurden reine Spitzplatzstadien ohne Zäune, rigoros überwacht von Dutzenden Videokameras. Gewalttäter haben mit drakonischen Strafen und Stadionverboten von behördlicher Seite zu rechnen. Die Preise für die Tickets wurden massiv angehoben. In den Stadien ist seither nichts mehr passiert, sie seien familientauglich, sagen Befürworter dieser Maßnahmen.

Kritiker machen allerdings darauf aufmerksam, dass diese Maßnahmen nie ein Ende der Gewalt, sondern nur eine Verlagerung gebracht hätten. Einerseits finden Fan-Auseinandersetzungen jetzt fern der Stadien statt, andererseits habe sich abseits der höchsten Spielklasse ab der zweiten Liga - der sogenannten Championship - gar nichts geändert. Bestes Indiz dafür ist der Anhang des Championship-Vereins FC Millwall, der in Vorfreude auf den Abstieg des Erzrivalen Westham United sogar einen Flieger mit einem Transparent gebucht hatte, auf dem während des entscheidenden Spiels der "Hammers" gegen Wigan deren Trainer Avram Grant als Millwalls bester Mann bezeichnet wurde.

Worauf sich die Einsatzkräfte im nächsten Jahr gefasst machen müssen, wurde erst 2009 bei einem Spiel des Liga-Cups zwischen den Erzrivalen in West Hams Heimstätte Upton Park deutlich: Stundenlange Ausschreitungen auch im Stadion, zahlreiche Verletzte. Die Krawalle wurden von Fans als die schlimmsten der vergangenen 30 Jahre bezeichnet.

Auch in Deutschland ist das Problem keineswegs bewältigt, sagen Insider. Der neue Meister Borussia Dortmund sei in der Hand der Fans. Bei der Frankfurter Eintracht gab es beim Abstieg massive Ausschreitungen im Stadion. Spiele zwischen St. Pauli und ostdeutschen Vereinen wie Hansa Rostock in der zweiten Liga waren regelmäßig Hochrisiko-Matches, wegen der Konfrontation der linksradikalen Anhänger aus Hamburg mit rechtsextremen Fans von Clubs aus der früheren DDR.

Bisher eher weiße Flecken auf Europas Hooligan-Karte bekommen ebenfalls zunehmend Probleme. In Spanien nennen Insider sowohl Sevilla als auch Murcia als Brennpunkte. Nach wie vor problematisch sind die Niederlande und Belgien.

Massive Probleme gibt es in Italien, wo zahlreiche Clubs mittlerweile mit gewaltbereiten und oft auch rassistischen Anhängern zu kämpfen haben. Als Beispiel sei Lazio Rom mit seinem offen faschistischen Fanblock Irriducibili erwähnt, der im Verein de facto das Sagen hat. Besonders in Spielen gegen den Stadtrivalen AS Roma und gegen Livorno mit dem offen linksradikalen Anhang ist höchste Alarmstufe gegeben.

In Osteuropa sehen Experten größte Probleme in beinahe allen Staaten: Ungarn, Tschechien, Slowakei, Polen, Bulgarien und Russland wurden explizit erwähnt. Ein Insider: "Beim WM-Qualifikationsspiel Polen gegen Österreich für die Weltmeisterschaft 2006 waren 4.000 private Sicherheitskräfte und 4.000 Polizisten im Einsatz. Wobei die Securitys ausgerüstet waren wie bei uns die WEGA." Ein völlig undurchsichtiger Fleck in Sachen Hooligans sei bisher die Ukraine, Co-Veranstalter der EURO im kommenden Jahr.

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