Vor dem Testspiel am Dienstag in der Grazer UPC-Arena gegen Lettland spricht die Statistik klar für die österreichische Fußball-Nationalmannschaft. In bisher sechs Partien schauten bei je einer Niederlage und einem Remis gleich vier Siege heraus, das Torverhältnis lautet 15:7.

In der Qualifikation für die EM 1996 hatte die ÖFB-Auswahl gegen die Letten am 29. März 1995 in Salzburg mit 5:0 gewonnen, fünf Monate später setzte es in Riga ein bitteres 2:3. In der darauffolgenden WM-Qualifikation bekamen es Toni Polster und Co. wieder mit den Balten zu tun, ließen sich von ihnen aber auf dem Weg zur WM in Frankreich nicht stoppen und siegten 2:1 (am 9. November 1996 in Wien) und 3:1 (am 8. Juni 1997 in Riga).

Das bisher letzte Aufeinandertreffen brachte am 9. Februar 2005 im Rahmen eines Vier-Nationen-Turniers auf Zypern ein 1:1, das anschließende Elfmeterschießen um Platz drei gewannen die Letten mit 5:3. Die Partie wird vom ÖFB allerdings als Unentschieden gewertet.

Das erste Duell zwischen Österreich und Lettland stieg bereits am 5. Oktober 1937. Damals gewann das ÖFB-Team in Wien mit 2:1 und erkämpfte damit einen WM-Startplatz, der nach dem "Anschluss" an Deutschland nicht wahrgenommen wurde. Dennoch wurden die Letten, die von 1940 bis 1991 aufgrund der Annexion durch die Sowjetunion keine Länderspiele austrugen, von der FIFA nicht zur Weltmeisterschaft eingeladen und mussten so bis 2004 auf ihre erste und bisher einzige Turnierteilnahme warten.

Im Play-off für die EURO 2004 in Portugal setzte sich der aktuelle Weltranglisten-77. (Österreich ist 74.) sensationell gegen den damaligen WM-Dritten Türkei durch. Der mittlerweile 31-jährige Maris Verpakovskis, der auch im Kader für das Österreich-Match steht, avancierte zum Volkshelden, als er im Hinspiel in Riga das Tor zum 1:0-Sieg erzielte und in der Retourpartie mit seinem Treffer zum 2:2-Endstand endgültig das EM-Ticket fixierte - dadurch sind die Letten das bis dato einzige Land, das bei einer EM, aber noch nie bei einer WM dabei war.

Im ersten EURO-2004-Match ging Lettland gegen die damalige Star-Truppe von Tschechien durch ein Verpakovskis-Tor mit einer überraschenden 1:0-Führung in die Pause, verlor aber noch 1:2. Danach rangen die Balten Deutschland ein 0:0 ab und mussten sich den Niederlanden 0:3 geschlagen geben.

Bei der EM als Kapitän fungierte Vitalijs Astafjevs, der von 1996 bis 1997 für die Wiener Austria und von 2003 bis 2004 für die Admira kickte. Der Mittelfeldspieler hat mit 167 Nationalteam-Einsätzen so viele Länderspiele wie kein anderer Europäer auf dem Buckel, seine Karriere beendete er erst im vergangenen November im Alter von 39 Jahren.

Neben Astafjevs und Verpakovskis gilt auch Aleksandrs Starkovs als Vater der EM-2004-Teilnahme. Der aktuelle Teamchef, im November 2003 als bester lettischer Fußballer der vergangenen 50 Jahre geehrt, hatte die Balten als Nationaltrainer nach Portugal geführt und ging danach zu Spartak Moskau und Skonto Riga, ehe er 2007 wieder die Nationalelf übernahm. Diesen Job übt der 55-Jährige seit vergangenem Jänner parallel zu seiner Tätigkeit als Trainer des aserbaidschanischen Clubs FK Baku aus.

Der lettischen Nationalmannschaft hat diese Doppelgleisigkeit offenbar nicht gutgetan. Durch die 1:2-Heimniederlage am Samstag in der EM-Qualifikation gegen Israel haben die Balten als Fünfter der Gruppe F mit nur vier Punkten aus sechs Partien keine Chance mehr auf eine Teilnahme an der EURO 2012 in Polen und der Ukraine.

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