Der Wettskandal in Italien belastet immer mehr auch Serie A-Clubs. Die Untersuchung der Staatsanwälte von Cremona, die vergangene Woche Ermittlungen gegen 44 Personen in die Wege geleitet haben, betreffen auch mehrere Topligisten. Ermittlungen laufen nach dem Bericht italienischer Medien in Zusammenhang mit Matches der fünf Erstligisten AS Roma, AC Fiorentina, US Lecce, FC Genoa und US Cagliari.

Die Staatsanwälte wittern Absprachen. Auch die Mafia soll die Finger mit im Spiel haben. Laut den Ermittlern soll die Camorra, der neapolitanische Arm der Mafia, riesige Summen auf das Serie A-Match SSC Neapel-Parma vom 10. April 2010 gesetzt haben. Die Mafiosi sollen auf die Niederlage von SSC Neapel getippt haben, der das Match 3:2 verloren hat.

Ermittelt wird auch gegen den Serie A-Aufsteiger Atalanta Bergamo. Atalantas Kapitän Cristiano Doni, der als Drahtzieher im Manipulationsskandal gilt, wies die Vorwürfe entschieden zurück. "Ich werde wie ein Monster behandelt, doch ich werde meine Unschuld beweisen", sagte der 38-jährige Kapitän.

Solidaritätserklärungen erhielt Doni von den Atalanta-Fans, die am Sonntagnachmittag für ihn demonstrierten. "Hände weg von Atalanta!", lautete der Slogan der Fans, die jetzt um den Serie-A-Aufstieg ihrer Mannschaft zittern. "Die Gefahr, dass Atalanta zum Sündenbock dieses Skandals wird, ist groß", warnte der Sprecher der Tifosi Daniele Belotti.

Unter dem Druck des riesigen Wett- und Manipulationsskandals will die Regierung Berlusconi mehr Transparenz im Fußball garantieren. Innenminister Roberto Maroni plant eine Untersuchungskommission, die über die Verstrickungen zwischen Mafia und Fußball ermitteln soll. Die Kommission soll Fälle aufspüren, in die das organisierte Verbrechen Fußballmatchs manipuliert hat, um mit illegalen Wetten Riesengewinne zu machen.

"Die Korruption im Fußballsystem ist ein Problem der öffentlichen Sicherheit, weil die Mafia oft die Finger mit im Spiel hat", erklärte Innenminister Maroni im Interview mit der italienischen Sporttageszeitung "Gazzetta dello Sport" am Montag. "Im Kampf gegen die Gewalt in den Stadien hat die Regierung beträchtliche Resultate erreicht. Mit der selben Strenge wollen wir jetzt gegen Korruption im Fußball vorgehen", versicherte Maroni.

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