ÖFB-Frauen-Teamchef Dominik Thalhammer hat große Ziele. Der 40-Jährige, der nach dem Tod von Ernst Weber Ende April das Amt interimistisch übernommen hat, will das Team endlich zu einer Endrunde führen. Seine längerfristige Zukunft sieht der Ex-Admira-Coach, der auch die weibliche U17-Auswahl betreut und als Sportlicher Leiter des Nationalen Zentrums für Frauen-Fußball fungiert, im Frauen-Fußball.

APA: Sie haben nach dem Tod von Ernst Weber das Amt in einer schwierigen Situation übernommen. Wie haben Sie sich eingearbeitet, was sind Ihre Ziele?

Dominik Thalhammer: "Ich habe mir schon einen guten Überblick verschafft. Es ist für mich eine große Herausforderung. Mein Ziel ist es, sich für die EM zu qualifizieren. Das ist ein realistisches Ziel. Das Nationale Zentrum für Frauenfußball wird uns in die richtige Richtung bringen, ob es schon jetzt für eine EM-Teilnahme reichen wird, ist die Frage. Wichtig ist, dass wir in der Vorbereitung auf die Spiele einen Roten Faden haben und uns Schritt für Schritt weiterentwickeln."

APA: Von wem geht in der im September beginnenden EM-Qualifikation (Anm.: Die Gruppensieger und der beste Gruppenzweite qualifizieren sich für die EM, die restlichen Gruppenzweiten stehen im Play-off) die größte Gefahr aus?

Thalhammer: "Dänemark ist traditionell stark, Tschechien das Team, mit dem es wohl um Platz zwei geht. Portugal ist in etwa in dem selben Bereich, und Armenien werden wir schlagen müssen."

APA: Das Team hat mit Nina Aigner und Sonja Spieler, die ihre Karriere beendet haben, zwei wichtige Stützen verloren. Wer hat Potenzial, in deren große Fußstapfen zu treten?

Thalhammer: "Es gibt viele, gute junge Mädels. Ich bin überzeugt, dass die eine oder andere in die Fußstapfen treten wird können."

APA: Das Nationale Zentrum für Frauenfußball nimmt mit Schulbeginn seinen Betrieb auf, Sie fungieren als Sportlicher Leiter, was erwarten Sie sich davon?

Thalhammer: "Es ist ein Meilenstein, eine tolle Geschichte. Wir haben damit eine Ausbildungslücke geschlossen. Die Mädchen haben bisher im Alter von 11 bis 14 Jahren in LAZ mittrainieren können, und dann war es aus. Wir erwarten uns mittelfristig hohe Auswirkungen auf das Nationalteam. Es wird uns nach vor bringen, wenn die Mädels statt wie jetzt zwei- bis dreimal, dann sieben- bis achtmal die Woche trainieren. Das ist ein Unterschied, der eklatant ist. Es ist eine unvergleichbare Einrichtung, die es auch in Deutschland so nicht gibt."

APA: In Deutschland herrscht vor der Heim-WM eine große Euphorie, was fehlt Österreich, um eine ähnliche Stimmung hervorzurufen?

Thalhammer: "Ein Schlüsselereignis, ein Elementarerlebnis, wie die Qualifikation für eine Endrunde. Das bräuchte es bei uns auch einmal, um einen Boom auszulösen."

APA: Kann Österreich von der WM in Deutschland profitieren?

Thalhammer: "Ich würde es mir wünschen, es hängt aber auch von der Berichterstattung ab. Ich denke, dass das Turnier viele positive Impulse bringen könnte."

APA: Wie wichtig ist es, nicht nur am Leistungssport, sondern auch an der "Breite" zu arbeiten?

Thalhammer: "Es ist wichtig, auch sehr viel an der Breite zu arbeiten. Da wurde in den vergangenen Jahren mit der Einführung der Postliga-Mädchenfußball viel bewegt. Auch an den Schulen wird mehr gemacht, man muss die Kinder für Fußball interessieren."

APA: Sie haben in der Vergangenheit im Männer-Fußball gearbeitet, sind nun zu den Frauen gewechselt. Wo sehen Sie die Unterschiede?

Thalhammer: "Bis 13,14 Jahre sind die Mädchen genauso gut wie die Burschen. Die Mädchen sind durch die LAZ gut ausgebildet. Allgemein ist technisch und taktisch gar nicht so viel Unterschied. Der größte Unterschied liegt in der Physis und der Belastungsanfälligkeit, die bei Frauen größer ist."

APA: Wo sehen Sie sich selbst in der Zukunft, im Männer- oder Frauen-Bereich?

Thalhammer: "Es ist schon eine Aufgabe für mich, die mittel- und langfristig zu sehen ist. Der Frauen-Fußball ist eigentlich ein Feld, wo man mehr bewegen kann. Es ist zum Teil auch angenehmer zu arbeiten. Die Mädchen stehen nicht schon mit einem Manager da, geben alles dafür, um in die Nationalmannschaft zu kommen. Das ist ihr großes Ziel."

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