Man müsse, sagt Nina Aigner, "Frauen-Fußball und Männer-Fußball als zwei verschiedene Sportarten betrachten und aufhören, Vergleiche zu ziehen". Hierzulande kämpft Frauen-Fußball noch um seinen Stellenwert, in Deutschland ist man einen großen Schritt weiter und für die am 26. Juni beginnende WM gewappnet.

Aigner, die frühere Kapitänin des ÖFB-Teams und langjährige Legionärin von Bayern München, sieht in der Geschlechterfrage keinen Unterschied in Taktik und Technik, sehr wohl aber in den physischen Voraussetzungen. In der Abteilung Medien und Kommunikation des FC Bayern fand die 30-jährige Aigner eine "interessante" Herausforderung, was in der Heimat auf dem fußballerischen Frauensektor passiert, wird natürlich weiterhin mitverfolgt.

"Mit der Einführung des Nationalen Zentrums für Frauen ist eine super Basis gelegt worden, mit 19 Jahren können die Mädchen dann den Schritt ins Ausland wagen, das ist perfekt. Mit Deutschland kann man Österreich aber nicht vergleichen, die Strukturen sind ganz anders und die finanziellen Mittel viel höher." Und auch wenn es darum geht, was den Fußball, wie ihn Männer spielen, von dem der Frauen unterscheidet, weiß Aigner, dass noch Aufklärungsarbeit nötig ist. "Es ist schwer in die Köpfe der Leute zu bringen, dass sie nicht vergleichen sollen. Technisch und taktisch können die Frauen mit den Männern mithalten, aber physisch ist das eine ganz andere Sache. Das ist auch im Tennis so."

Wenn also Bruno Mangl, der Obmann von Österreichs bestem Frauenteam Neulengbach, sagt, "der Weltmeister wird gegen unser Männerteam, das in der 1. Klasse West-Mitte spielt, nicht gewinnen", dann antwortet Aigner: "Ich weiß nicht, wie stark die sind, aber es macht keinen Sinn, so einen Vergleich zu ziehen. Außer wir machen einen Wettkampf, wo es nur um technische und taktische Fähigkeiten geht. Aber wir haben auch oft gegen Männer Vorbereitungsspiele gehabt und gewonnen. Wenn man aber die Erste Bundesliga mit jener der Frauen vergleicht, haben die Frauen natürlich keine Chance."

Mangls Aussagen sind keinesfalls abwertend gemeint, vielmehr begründet er seine Aussage damit, dass Männer körperlich wesentlich robuster gebaut seien und es Unterschiede vor allem in der Antrittsschnelligkeit und der Physis gebe. "Auf den ersten drei, vier Metern wird ein Mann immer schneller sein als eine Frau. Von der Technik her sind die Frauen aber um nichts schlechter, auch vom Taktischen und vom Spielverständnis her gibt es keine Unterschiede."

Schiedsrichterin Tanja Schett pfeift jede Partie gleich, sagt sie. "Und das soll auch so sein, egal ob Frauen oder Männer spielen." Männer hätten aber eine andere körperliche Konstitution, seien stärker und härter. Und das merke man. "Frauen haben mehr Verständnis für den Gegner, das liegt in der Natur der Sache, sie haben Mutterinstinkt. Und sie entschuldigen sich bei Fouls, Männer foulen zurück." In Österreich gehe es bei den Frauen auf den Plätzen langsamer und emotionsloser zu als beispielsweise in Deutschland. Im internationalen Frauen-Fußball sehe man schon auch sehr schnelle und auch hart geführte Spiele, das könne sie aus Erfahrung sagen.

Aigner glaubt, dass Frauen genauso wie Männer mit versteckten Fouls arbeiten und Schiedsrichterinnen aufgrund der gleichen Ausbildung wie die männlichen Kollegen für die Vergehen auch die gleichen Strafen aussprechen. Wer also Unterschiede finden will, muss lange suchen. Was die Fankultur betrifft, sind bei Frauen kaum Ultras zu bemerken, in Sachen Dressen haben diverse Ausrüster längst erkannt, dass man Trikots auch fraulicher schneidern kann. "Man muss sich wohlfühlen, wenn man die bestmögliche Leistung bringen will. Die Frauenkollektionen tragen zum positiven Erscheinungsbild mit bei", ist Aigner überzeugt.

Um ihre Nachfolge als Aushängeschild des rot-weiß-roten Frauenfußballs macht sie sich übrigens keine Sorgen: "Dafür kommen viele infrage, es wird keine Lücke geben. Der Legionärsanteil ist sehr hoch, das sollte auch in Zukunft so sein."

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