Der Österreichische Frauen-Fußball hat sich in den vergangenen Jahren stetig weiterentwickelt. Aktuell sind 17.000 Spielerinnen beim ÖFB gemeldet, 350 Teams nehmen an einem geregelten Meisterschaftsbetrieb teil. In der Saison 2002/03 waren es vergleichsweise etwa nur rund 5.000 sowie 63.

Der Trend sollte sich in den nächsten Jahren fortsetzen, nachdem mit Beginn des kommenden Schuljahres das Nationale Zentrum für Frauenfußball seinen Betrieb in St. Pölten aufnimmt. Mit dem Zentrum, in dem ÖFB-Frauen-Teamchef Dominik Thalhammer als Sportlicher Leiter fungiert, gibt es nun erstmals eine bundesweite durchgängige Talentförderungs-Einrichtung für Mädchen von 14 bis 19 Jahren. Bis dato hatte es nach der Ausbildung in den Landesverbands-Ausbildungszentren (LAZ) nach dem 14. Lebensjahr keine weitere bundesweite Möglichkeit gegeben.

Das Nationale Zentrum - eine multifunktionale Ausbildungseinrichtung mit sportwissenschaftlicher, sportmedizinischer, sportpsychologischer und pädagogischer Betreuung - soll sich langfristig gesehen zu einer international konkurrenzfähigen Fußball-Akademie mausern.

"Die Bedingungen hier garantieren, dass unsere Frauen-Nationalmannschaften international konkurrenzfähiger werden", sagte ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner, der dem Projektteam des Nationalen Zentrums angehört. Die Verbesserung des A- sowie U19- und U17-Teams sowie die Förderung des Spitzenfußballs in Österreich ist aber nur ein Ziel. Daneben soll auch die Begeisterung für den Mädchen- sowie Frauenfußball geweckt werden.

Die gelernte Kindergärtnerin Isabel Hochstöger hat vor sechs Jahren mit der Arbeit im ÖFB begonnen, da lief Frauenfußball noch unter Breitensport. Jetzt ist die frühere Nationalteamspielerin Leiterin des Ressorts Mädchen und Frauen. "Es bewegt sich was und ist Gott sei Dank nicht mehr aufzuhalten. Bisher musste man zu einem sehr talentierten 16-jährigen Mädchen sagen, wenn du dich weiterentwickeln willst, musst du ins Ausland gehen. Mit 14 sind die Mädchen aus der Ausbildungspyramide rausgefallen, mit der Akademie nun fangen wir sie super auf", erläuterte die 28-Jährige.

Trainingsstart für die 26 Mädchen der Jahrgänge 1995, 96 und 97 aus sechs Bundesländern ist Ende August. Auch für eine qualitativ hohe Schul- oder Berufsausbildung ist gesorgt, Schulbeginn ist am 5. September. Die in einem Internat untergebrachten Talente haben die Möglichkeit zwischen einem Bundesoberstufenrealgymnasium (Langform 5 Jahre) und einer Bundeshandelsschule für Leistungssportlerinnen (Langform 4 Jahre) zu wählen. Die Eltern müssen dank der finanziellen Unterstützung des ÖFB nur 150 Euro (10 Mal pro Jahr) zahlen.

Pro Woche werden die potenziellen Nachfolgerinnen von Ex-ÖFB-Teamstürmerin Nina Aigner sieben bis acht Trainingseinheiten absolvieren. Die gezielte Technik- und Taktikschulung wird genauso wie die Förderung der Spielfähigkeit und die Entwicklung der konditionellen Fähigkeiten forciert. Auch die Persönlichkeitsentwicklung wird aktiv begleitet und gefördert.

"Das Individualtraining steht im Vordergrund. Die Mädchen werden an ihren Schwächen sowie an der weiteren Verbesserung ihrer Stärken arbeiten", sagte Thalhammer, der das Nationale Zentrum auch als "Kompetenzzentrum für den österreichischen Frauenfußball" sieht. Der Kontakt zu den Stammvereinen geht nicht verloren, die Mädchen werden weiterhin bei ihren Clubs die Meisterschaftsspiele absolvieren.

Im A-Bereich, meinte Hochstöger, seien viele Länder Österreich "noch einen Schritt" voraus, aber im Nachwuchsbereich der U17 und U19 könne mit der Installierung des Zentrums schon in den nächsten Jahre eine EM-Endrunde angepeilt werden. "Wir sind knapp dran, das wissen wir, und wir versprechen uns jetzt eine weitere Verbesserung und einen nächsten Schritt."

Österreichs Aushängeschild ist derzeit der SV Neulengbach, der heuer zum neunten Mal in Folge das nationale Double gewann. Die ersten Bewerbspiele in der Frauen-Bundesliga sowie der erste Cup-Bewerb fanden übrigens 1972 statt. Der "Ladies Cup" wurde bereits in der Saison 1992/93 unter die Obhut des ÖFB genommen, die Frauenliga wurde erst 2005 in den ÖFB integriert. Darunter gibt es eine zweite Liga, die in drei Regionen (Ost, Mitte/West und Süd) aufgeteilt ist.

2007 wurde ein eigenes Ressort für Frauenfußball in der Direktion Sport gegründet. 2008 wurde die Postliga Mädchenfußball ins Leben gerufen, bei der Mädchen im Alter von 10 bis 14 Jahren an einer Schulmeisterschaft teilnehmen. Nach Bundesmeisterschaften in St. Pölten (2008/2009/Sieg an BRG 22 Polgarstraße Wien) und Gnas (ST/2009/2010/SHS Spittal/Drau) findet die dritte Auflage von 19. bis 22. Juni in Wien statt (160 Teams).

Obwohl sich das Nationalteam noch nie für eine Endrunde qualifizieren konnte, steht es in der Weltrangliste ganz gut da. Die FIFA-Rangliste führen die USA vor Deutschland und Brasilien an, Österreich liegt immerhin auf Rang 40, also deutlich besser als das von Dietmar Constantini betreute Männer-Team (Platz 74/Europa-Rang 37). Im UEFA-Ranking nehmen die Schützlinge von Teamchef Dominik Thalhammer Platz 24 ein. Hinter Deutschland liegen Schweden und Frankreich.

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