Neunfacher Double-Gewinner in Folge. Eindeutiger könnte die Dominanz des SV Neulengbach im österreichischen Frauen-Fußball kaum sein. "Wir arbeiten etwas professioneller als die anderen Clubs. Ich habe mir vieles von deutschen Clubs abgeschaut und versucht Dinge zu kopieren, so weit es geht", sagte Neulengbach-Obmann Bruno Mangl im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur.

Während früher Union Kleinmünchen (8 Titel) und USC Landhaus (7 Titel) die Liga dominiert haben, sind nun seit Jahren die von Johannes Uhlig betreuten Neulengbacherinnen, die ein Budget von 150.000 Euro haben, das Maß aller Dinge. Am Saisonende hatten sie zehn Punkte Vorsprung auf den FC Südburgenland, der ihnen das einzige Saisonremis abtrotzen konnte. ÖFB-Frauen-Teamchef Dominik Thalhammer sieht das auch mit einem weinenden Auge. "Es ist wichtig für den österreichischen Frauen-Fußball, die Dichte an der Spitze der Frauenliga zu erhöhen. Darüber würde sich auch Neulengbach freuen", sagte der 40-Jährige.

Das Problem der Dominanz einer einzigen Mannschaft ist aber nicht ein rein österreichisches. "Das ist ein internationaler Trend", meinte Mangl. In Frankreich etwa holte sich Olympique Lyon ohne Punkteverlust mit einem Torverhältnis von 106:6 mit zwölf Punkten Vorsprung auf Paris St. Germain nach 22 Runden den Titel. In England hat Arsenal die jüngsten sieben Meisterschafts-Auflagen (die aktuelle Saison ist noch nicht beendet) für sich entschieden. Und in Tschechien hat etwa Sparta Prag das Sagen.

Während das allesamt Teams sind, die auch einen starken Männer-Club haben, ist dies bei Neulengbach sowie in Österreich insgesamt nicht so. Die Neulengbach-Männer sind in der 1. Klasse West-Mitte, also der vorletzten Spielklasse, engagiert, in der Frauen-Bundesliga gibt es mit Wacker Innsbruck nur einen Vertreter, der auch im Männer-Oberhaus vertreten ist. Für Mangl eine Tatsache, die sich gerne ändern könnte. "Es wäre gut, wenn Teams wie Rapid oder Austria Frauenmannschaften hätten. Damit wäre beiden Seiten geholfen", sagte der Neulengbach-Obmann.

Trotz der Dominanz gibt es bei Mangl noch keine Abnützungserscheinungen. "Gewinnen ist immer schön", betonte der Sektionsleiter des Neulengbacher Frauenteams. Neue Ziele sind bereits gesetzt, der Weg soll die Niederösterreicher, die national einen Zuschauerschnitt von rund 250 Fans haben, ins Viertelfinale der Champions League führen. "Heuer noch nicht, aber in einem Jahr wäre es mit einer guten Auslosung machbar" gab sich Mangl optimistisch. Nur auf Teams aus Deutschland oder Frankreich dürfe man nicht treffen. "Die sind derzeit meilenweit entfernt", gab Mangl zu.

Das Erreichen des doch hochgesteckten Ziels wäre auch wichtig, um den Stellenwert des Frauen-Fußballs in Österreich weiter zu erhöhen. Dessen war sich auch der am 6. April verstorbene Ex-Frauen-Teamchef Ernst Weber immer bewusst. "Ich habe am Abend vor seinem Tod noch mit Ernst Weber gesprochen. Er hat gesagt, dass für den Frauen-Fußball das Wichtigste wäre, dass wir uns einmal für eine Endrunde qualifizieren oder dass wir einmal ins Viertelfinale der Champions League kommen", erzählte Mangl.

Der Club aus Niederösterreich setzt vor allem auch auf den Nachwuchs, viele junge Spielerinnen wie die erst 15-jährige Mona-Sophie Kohn stehen im Kader der Uhlig-Truppe. "Wir schauen uns rechtzeitig um junge Spielerinnen um. Ab 12, 13 Jahren, wenn jemand auffällt, verfolgen wir den Werdegang der Spielerinnen in Niederösterreich und Wien", sagte Mangl.

Im Gegensatz zum Männer-Profisport ist der finanzielle Anreiz für die Mädchen nicht wirklich gegeben, deshalb spielt der Großteil auch nicht des Geldes wegen. "Man kann davon nicht leben. Es deckt gerade die Kosten ab, die die Spielerinnen haben", sagte Mangl.

Das sei übrigens auch in anderen Ländern durchaus üblich, wie in Deutschland, wo sich alles auf die drei Topmannschaften Meister Potsdam, Frankfurt und Duisburg konzentriert und erst danach Teams wie Hamburg, Bayern München (mit zahlreichen österreichischen Legionärinnen) und Wolfsburg kommen. "Auch in Deutschland können nur 20 bis 30 Spielerinnen davon leben", betonte Mangl.

Mit seinem Team in der deutschen Liga mitzuspielen, wäre ein reizvoller Gedanke. Dazu kommen werde es aber wohl nicht. "Es ist alles auch eine Kostenfrage, und die Reisestrapazen wären enorm", meinte Mangl. Bereits vor einigen Jahren habe es die Idee der Einführung eines "Mitropacups" mit Teams aus Österreich, Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn gegeben. "Das hat sich aber auch zerschlagen", sagte Mangl.

Gescheitert sei es vor allem auch aufgrund der vorhandenen Terminproblematik. "Wir sind ein reiner Amateurverein, unsere Spielerinnen gehen in die Schule, studieren oder üben einen Beruf aus, deshalb können wir nur am Wochenende spielen", betonte der Neulengbach-Obmann.

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