Zu heftigen Auseinandersetzungen ist es am Mittwoch im Grazer Straflandesgericht beim Prozess gegen Ex-Sturm-Graz-Präsidenten Hannes Kartnig und sieben Mitangeklagte gekommen. Ein Finanzbeamter war als Zeuge geladen und löste starke Emotionen aus. Kartnig wird schwerer Betrug, betrügerische Krida, grob fahrlässige Beeinträchtigung von Gläubigerinteressen sowie Steuerhinterziehung vorgeworfen.

Der 27. Verhandlungstag begann ruhig, ein Finanzprüfer und eine Zeugin aus der Security-Firma, die für Sturm Graz gearbeitet hat, konnten routinemäßig befragt werden. Doch dann wurde jener Finanzbeamte aufgerufen, der nach Überprüfung der Sturm-Konten den Verdacht geäußert hatte, Kartnig habe Vereinsgelder im Casino verspielt. Eine Hausdurchsuchung sowie die Verhaftung des damaligen Präsidenten waren die Folge gewesen. In der Anklage geht es nun konkret um 409.000 Euro, deren Weg sich nicht nachvollziehen lässt und die für Staatsanwalt Johannes Winklhofer den Vorwurf des Betrugs rechtfertigten.

"Da müssen Sie sich jetzt zusammennehmen, Herr Kartnig", mahnte Richter Karl Buchgraber, nachdem er den Zeugen aufgerufen hatte. Zunächst blieb auch alles friedlich, als der Beamte erklärte, er sei im Zuge seiner Überprüfungen auf "ungeklärte Geldflüsse" gestoßen. Also habe er gegenüber der Kriminalpolizei den Verdacht geäußert, Kartnig sei mit Vereinsgeld ins Casino gegangen. Er zählte auf, dass der Beschuldigte in den Jahren 1998 bis 2006 insgesamt 305 Mal in Graz im Casino gewesen sei und dabei 2,7 Mio. Euro verspielt habe. "Verluste und Gewinne können gar nicht festgestellt werden, der Croupier schreibt ja nicht mit", warf Kartnig ein, wobei ihm Gutachter Fritz Kleiner recht gab. "Ich habe verloren, aber auch gewonnen", so Kartnig erbost. Dass er letztlich negativ ausgestiegen war, gab er aber zu.

Der Finanzbeamte - der in einer anderen Sache Informationen weitergegeben hatte und deswegen ins Zollamt versetzt worden war - betonte, er sei dem Angeklagten gegenüber immer objektiv gewesen. Das war zuviel für Kartnig, er sprang auf und warf dem Zeugen vor, er habe ihm genau gesagt, wo die Belege zu den angeblich "ungeklärten Geldflüssen" zu finden seien, doch dieser hätte nichts unternommen: "Er wollte mich eintunken", war Kartnig überzeugt. "Ich habe nie bei Sturm was genommen, immer nur hineingezahlt." "Wo sind dann die 409.000 Euro?", fragte der Staatsanwalt. "Ich weiß es nicht, ich hab's nicht gestohlen, wollen's mich umbringen?", verlor Kartnig völlig die Fassung und schrie gleichzeitig mit dem Ankläger so lange, bis der Richter wieder für Ruhe sorgte.

Der Prozess hat nun eine kleine "Abkühlphase" und wird erst am 28. Juni um 9.00 Uhr fortgesetzt. Dann sollen drei Tage lang ehemalige Spieler bezüglich Schwarzzahlungen und Verträge befragt werden.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel