Die Stadt Wien plant nach den Ausschreitungen beim Fußball-Derby im Mai eine intensivere Zusammenarbeit mit den großen Vereinen in Sachen Jugendarbeit und Gewaltprävention. Ein entsprechendes Maßnahmenpaket soll bald erarbeitet werden, kündigte Jugend- und Sportstadtrat Oxonitsch am Dienstag in der Bürgermeister-Pressekonferenz an. Künftig könnten etwa Streetworker auch im Stadion anwesend sein.

"Es geht um eine verbesserte Kooperation mit den Vereinen und darum, die Erfahrungen, die die Stadt in Sachen Streetwork hat, hier einfließen zu lassen. Wir wollen hier die Hand ausstrecken", betonte Oxonitsch. Gemeinsam mit Rapid, Austria und dem Wiener Fußballbund solle sichergestellt werden, dass der Fußballplatz ein Ort des Sportes und nicht der Gewalt sei.

Die Zahl der Anzeigen bei Jugendlichen nehme insgesamt ab, berichtete Oxonitsch. Kleine Gruppen, wie etwa Hooligans, seien aber durchaus gewaltbereit und oft auch politisch extremistisch. Streetworker, also Straßensozialarbeiter, würden sich diesem Personenkreis widmen. Bisher habe die Betreuung vor den Stadiontoren geendet, künftig könnten die Streetworker aber auch mit zum Match gehen, nannte der Ressortchef eine mögliche Maßnahme.

Dies alleine, so betonte Oxonitsch, werde Randale jedoch nicht verhindern. Wichtig sei eine umfassende Betreuung - die zum Teil schon geschieht: Laut Rathaus kümmerten sich die Wiener Streetworker im Vorjahr um insgesamt 150 Rapid-Fans, bei der Austria waren es sogar 196.

Die Teilnehmer am Platzsturm Ende Mai im Hanappi-Stadion seien keineswegs alle den Hooligans zuzurechnen, berichteten Sozialarbeiter heute. Und auch die politische Orientierung derartiger Randgruppen sei nicht immer einheitlich: Es gebe nicht nur Skinheads, die dem rechten Lager zuzuordnen seien, sondern auch unpolitische und linke Skinheads, wurde versichert.

Laut Oxonitsch investiert die Stadt jährlich rund 38 Mio. Euro in die Jugendarbeit. Zu dieser gehört auch die Betreuung von Problemgruppen, wie eben Hooligans, Skinheads oder Gabbern - eine aus der Techno-Szene entstandene Jugendbewegung, in deren Umfeld in der Vergangenheit auch rechtsextreme Gruppierungen entstanden sind.

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