Die Zusammenstellung eines britischen Teams für das olympische Fußball-Turnier der Sommerspiele 2012 in London gestaltet sich immer schwieriger. Laut britischem Olympischen Komitee (BOA) sollen der Mannschaft auch walisische, schottische und nordirische Spieler angehören - die drei Landesteile des Vereinigten Königreichs pochen jedoch auf ihre Eigenständigkeit und weigern sich, Kicker abzustellen.

In diesem Zusammenhang sorgte eine Mitteilung des BOA am Dienstag für Aufsehen, wonach bei der Suche nach einer gesamt-britischen Mannschaft eine "historische Einigung" erzielt worden sei. Demnach sollten eine britische Herren- und Damen-Auswahl unter der Führung des englischen Verbandes (FA) bei Olympia zu sehen sein.

Diese Darstellung wurde schon Stunden später von Wales, Schottland und Nordirland entschieden dementiert. Man werde den FA-Vorschlag "weder unterstützen noch gutheißen", hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme. In den drei Landesteilen wird befürchtet, eine Involvierung in ein "Team Großbritannien" könnte die Eigenständigkeit beim Fußball-Verband (FIFA) untergraben, was BOA-Generaldirektor Andy Hunt bestritt. "Wir respektieren die Teilnahme von Wales, Schottland und Nordirland als individuelle Nationen an allen anderen Fußball-Events."

Während diese drei Länder so wie England von der FIFA als eigene Mitglieder gezählt werden, sind die vier Teile beim IOC als Großbritannien zusammengefasst. Das Vereinigte Königreich holte 1900, 1908 und 1912 olympisches Fußball-Gold und war zuletzt 1960 bei den Sommerspielen in Rom mit einer britischen Auswahl dabei.

Der überraschende BOA-Vorstoß könnte laut dem schottischen Verbands-Generaldirektor Stewart Regan vor allem finanzielle Gründe haben. "Hunt ist unter großem Druck, Tickets für die Fußballspiele verkaufen zu müssen", meinte Regan. Für die Partien des Männer- und Frauen-Fußball-Turniers, die auch in Cardiff und Glasgow ausgetragen werden, sind bisher nur 600.000 von 2,3 Millionen Karten abgesetzt worden.

Doch auch aus sportlicher Sicht wäre eine Einbindung aller Insel-Kicker reizvoll, denn dann könnten die Briten etwa auf den 21-jährigen Gareth Bale zurückgreifen. Der walisische Tottenham-Star hatte bereits angekündigt, unbedingt bei Olympia dabei sein zu wollen - so wie auch David Beckham.

Der Männer-Fußball-Bewerb in London wird als U23-Bewerb gespielt, wobei drei Kicker pro Mannschaft das Alterslimit überschreiten dürfen. Bei den Frauen gibt es keine Altersbeschränkung.

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