Gregor Schlierenzauer hat sich im Vorjahr von einem Tiefpunkt zu neuen Höhen emporgeschwungen. Zweieinhalb Monate nach einer Bänderverletzung im rechten Knie holte der Tiroler in Oslo WM-Gold von der Großschanze und zwei Team-Titel. Dazu gab's drei Siege im Skifliegen, zwei davon in Vikersund. Die Skiflug-WM ebendort und vor allem die Vierschanzen-Tournee sind heuer die Top-Ziele des 21-Jährigen.

Im Sommer hat der Stubaier nur selektiv Wettkämpfe bestritten und mit Teilzeitarbeit in einer Werbeagentur und der Entwicklung seiner Bekleidungslinie bewusst Abwechslung gesucht. "Ich habe gemerkt, Skispringen alleine funktioniert bei mir nicht so. Ich bin ein Typ, der 24 Stunden nachdenkt, wie man einen halben Meter weiter springen kann. Daher habe ich mir etwas Anderes gesucht, das taugt mir und ich bin dann wieder freier für den Sport", sagte Schlierenzauer im Gespräch mit der APA.

In der unmittelbaren Vorbereitung hat er neue Akzente gesetzt, weil er schon früh in Topform sein will. Kuusamo, das zum zehnten Mal Weltcup-Startort ist, fehlt noch auf der Liste seiner bisher 35 Erfolge im Weltcup, doch der finnische Bakken ist wegen seiner Windanfälligkeit ein eigenes Kapitel. Das Gefühl stimmt jedenfalls beim Weltcupsieger von 2009. "Ich bin bereit für den Winter. Meine Testwerte sind so gut wie noch nie, das taugt mir irrsinnig, und mit meiner Verletzung habe ich null Probleme. Vom Kopf her ist es wichtig zu wissen, dass alles passt."

Die vor längerer Zeit in Angriff genommene Umstellung der Technik bei Anfahrt und Absprung hat sich bestens bewährt, damit sind die Voraussetzungen für den perfekten Flieger nun noch besser. Stützpunkttrainer Markus Maurberger gerät fast ins Schwärmen. "In diesen Bereich, wo er sich hineinbegibt, kommen viele gar nicht rein, das ist nicht trainierbar." Der Coach könne da nur die Richtung vorgeben und den Athleten begleiten. "Gregor spürt sich selbst an das Limit heran, da ist er eine Koryphäe."

Dieses "Spielen mit der Luft" hat Schlierenzauer gleich beim ersten Rendezvous 2008 in Oberstdorf den Skiflug-WM-Titel eingetragen, im kommenden Winter möchte er in Vikersund nachdoppeln. Doch ein anderes Ziel hat 2011/12 noch größere Bedeutung und der Stams-Absolvent hält mit seinen Absichten auch gar nicht hinter dem Berg. "Weltmeister bin ich schon, Tourneesieger noch nicht. Daher setze ich alles daran, die Tournee zu gewinnen. Das werde ich heuer in Angriff nehmen."

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